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Ägypten zieht Botschafter ab Konflikt in Nahost eskaliert


Nach den blutigen Terroranschlägen bei Eilat schlägt Israel hart zurück. Im Gazastreifen erleben die Menschen die zweite Bombennacht in Folge. Dabei kamen offenbar auch fünf ägyptische Polizisten ums Leben. Ägypten zeigt sich empört, der Konflikt weitet sich aus.

Nach dem Tod von fünf Grenzschützern auf dem Sinai haben am Samstag Tausende Ägypter in Kairo für die Ausweisung des israelischen Botschafters demonstriert. Die Demonstranten zündeten vor der israelischen Botschaft Feuerwerkskörper und riefen israelfeindliche Parolen. Die ägyptischen Streitkräfte schützten das Gebäude mit zehn gepanzerten Fahrzeugen.

Ägypten zieht Botschafter ab

Die Regierung in Kairo hatte in der Nacht zum Samstag den Abzug ihres Botschafters aus Israel angekündigt. Der Diplomat solle erst auf seinen Posten zurückkehren, wenn Israel sich offiziell bei Ägypten entschuldigt habe, hieß es im ägyptischen Staatsfernsehen. In Kairo war zuvor ein Krisenkabinett der Übergangsregierung zusammengekommen, das der amtlichen Nachrichtenagentur MENA zufolge Israel in einer Erklärung zu einer Entschuldigung aufforderte. Außerdem sei der israelische Botschafter in Kairo einbestellt worden.

Die ägyptische Regierung wertete den Grenzzwischenfall als Verletzung des 1978 in Camp David (USA) geschlossenen Friedensabkommens mit Israel. Israel sei verantwortlich für "die politischen und rechtlichen Implikationen des Vorfalls". Kairo werde mit den nötigen Mitteln für die Sicherheit an der Grenze sorgen.

Das israelische Außenministerium bestätigte, dass Kairo den Abzug des Botschafters angekündigt habe. Derzeit berate die israelische Regierung über den Umgang mit der ägyptischen Entscheidung, sagte ein Sprecher. Seit Ägypten 1979 als erstes arabisches Land Frieden mit Israel schloss, hatte Kairo bislang nur einmal seinen Botschafter zurückbeordert: Im November 2000 zog die damalige ägyptische Regierung den Botschafter ab, um gegen das Vorgehen der israelischen Armee gegen Palästinenser während der Zweiten Intifada zu protestieren.

Anschlag und Vergeltung

In der Nacht zum Freitag waren entlang der ägyptisch-israelischen Grenze fünf ägyptische Grenzwächter getötet worden. Das Kairoer Innenministerium macht dafür "willkürliche Schüsse während einer (israelischen) Suchoperation an der Grenze" verantwortlich. Am Donnerstag waren bei Terroranschlägen im Süden Israel mehrere Israelis getötet und verletzt worden. Israels Verteidigungsminister Ehud Barak hatte die Terroranschläge als "Beweis für die mangelnde Kontrolle der Ägypter auf der Sinai-Halbinsel und das Erstarken terroristischer Gruppen dort" bezeichnet.

Als Reaktion auf den Anschlag hat Israel seine Vergeltungsangriffe auf Ziele der radikal-palästinensischen Hamas im Gazastreifen auch in der Nacht zum Samstag fortgesetzt. Das Militär schoss in Gaza-Stadt eine Rakete auf einen mutmaßlichen Extremisten. Das Geschoss traf nach Darstellung von Hamas-Vertretern auch ein Auto und tötete drei Insassen, darunter einen Arzt und ein Kind. Insgesamt kamen durch israelische Vergeltungsangriffe mindestens 15 Menschen ums Leben. Israel macht Extremisten aus dem Gazastreifen für Angriffe verantwortlich.

Hamas erklärt Waffenstillstand für beendet

Angesichts der Welle israelischer Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen hat die dort herrschende radikalislamische Hamas israelischen Medienberichten zufolge den Waffenstillstand für beendet erklärt. In Gaza war dafür am Samstag jedoch zunächst keine Bestätigung zu bekommen. Ein Sprecher der Al-Kassam-Brigaden, die militärische Unterorganisation von Hamas, sagte jedoch der Nachrichtenagentur dpa, Israel werde für seine "Verbrechen bezahlen" müssen.

Der nach dem Ende des Gazakrieges Anfang 2009 vereinbarte Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel war aber ohnehin oft gebrochen worden. Immer wieder schlugen selbstgebaute palästinensische Raketen in Israel ein, und Israel bombardierte Ziele im Gazastreifen.

cjf/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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