Ahmadinedschads Antisemitismus Bush fürchtet "wirkliche Bedrohung"


Die antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten haben weltweit für Empörung gesorgt. Grund genug für die USA, den Iran als "wirkliche Bedrohung" in die "Achse des Bösen" einzureihen.

Die jüngsten Verbalattacken des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gegen Israel sind weltweit auf scharfe Kritik gestoßen. US-Präsident George W. Bush bezeichnete in einer Reaktion Iran als eine "wirkliche Bedrohung". Bush wiederholte im US-Fernsehsender Fox News im Zusammenhang mit Iran die seit längerer Zeit gemiedene Formulierung von der "Achse des Bösen". Damit hatte der US-Präsident zuletzt 2002 außer Iran den Irak unter Saddam Hussein sowie Nordkorea beschrieben. Iran gehöre zu den Ländern, die den Terrorismus unterstützten. Es liege an Teheran, nachzuweisen, dass es nicht nach Atomwaffen strebe. Die USA würden ihre diplomatischen Bemühungen um Iran fortsetzen.

Ahmadinedschad hatte den Holocaust als "Märchen" bezeichnet: Statt die israelischen Angriffe gegen die Palästinenser zu thematisieren, "widmet sich der Westen dem Märchen vom Massaker an den Juden", sagte Ahmadinedschad in Zahedan im Südosten Irans.

Merkel ist für eine gemeinsame Ablehnung

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies die Aussagen des iranischen Präsidenten als "unfassbar" zurück. Forderungen aus der Politik nach einem Ausschluss Irans von der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erteilte der Fußball-Weltverband FIFA eine klare Absage.

Deutschland will die internationale Staatengemeinschaft zu einer scharfen Zurückweisung der Äußerungen bewegen. Zunächst wolle sich Merkel beim EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel für eine gemeinsame Ablehnung einsetzen, sagte ein Regierungssprecher. Alle im Bundestag vertretenen Parteien wollen die Äußerungen Ahmadinedschads am Freitag in einer gemeinsamen Resolution verurteilen.

Einen zweiten Holocaust verhindern

Mehrere Grünen-Politiker forderten den Weltverband FIFA auf, Iran von dem Turnier auszuschließen. "Das würde eine ernsthafte Debatte im Iran auslösen", sagte der Co-Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, Daniel Cohn-Bendit. Verbandssprecher Andreas Herren sagte jedoch: "Für die FIFA stellt sich die Frage nicht. Wir trennen strikt zwischen Politik und Sport." Iran habe sich regulär für die WM-Endrunde qualifiziert. Das erste WM-Spiel der Iraner gegen Mexiko findet am 11. Juni in Nürnberg statt. In der Gruppe D spielen noch Angola und Portugal.

Das US-Außenministerium bezeichnete die Äußerungen Ahmadinedschads als empörend. Der iranische Präsident werde sich und sein Volk damit nur noch weiter in die Isolation führen, sagte Sprecher Sean McCormack. Israel rief zu einer internationalen Koalition und Sanktionen gegen Iran auf. Raanan Gissin, Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, warnte Iran scharf, den israelischen Verteidigungswillen zu unterschätzen. "Gott sei Dank haben wir heute die Mittel, einen zweiten Holocaust zu verhindern", sagte Gissin. Er sprach jedoch nicht ausdrücklich von israelischen Angriffen auf Iran.

EU-Kommission nannte Worte "völlig inakzeptabel"

In Polen, wo die Nationalsozialisten ihre Vernichtungslager errichtet hatten, riefen die Äußerungen Ahmadinedschads besondere Bestürzung hervor. "Die Beunruhigung ist umso größer, da dies eine weitere Äußerung des Präsidenten eines UN-Mitgliedstaates ist, die einem anderen Land und ebenfalls UN-Mitglied das Existenzrecht abspricht", hieß es in der Stellungnahme des Außenministeriums in Warschau. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer äußerte sich ähnlich. Die EU-Kommission nannte die Worte Ahmadinedschads "völlig inakzeptabel".

Eine Sprecherin der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien bezeichnete die Äußerungen ebenfalls als "inakzeptabel". Die Zusammenarbeit der UN-Atombehörde mit iranischen Behörden sei dadurch jedoch nicht beeinträchtigt, da die IAEO in Teheran andere Gesprächspartner habe.

Der ultrakonservative iranische Präsident sprach am Mittwoch in Zehadan, wo er auf einer Rundreise durch die arme Provinz Sistan-Belutschistan Station machte: "Wenn Gott, die Propheten und die Religion im Westen abgelehnt werden, kümmert das niemanden, aber wenn jemand dieses Märchen vom Massaker an den Juden nicht glaubt, dann heult die zionistische Propagandamaschine laut auf." In seiner live im Fernsehen übertragenen Rede wiederholte er seine Forderung nach Verlagerung des jüdischen Staates. Wenn der Westen an die Ermordung von sechs Millionen Juden während des Zweiten Weltkrieges glaube, sollte Israel "ein Stück Land in Europa, den Vereinigten Staaten, Kanada oder Alaska zur Verfügung gestellt werden".

Ausmaß des Holocausts bestritten

Ahmadinedschad hatte bereits in der vergangenen Woche bei einem Gipfeltreffen islamischer Staaten in Mekka das Ausmaß des Holocaust bestritten und die Verlagerung des jüdischen Staates etwa nach Deutschland oder Österreich gefordert. Ende Oktober hatte er verlangt, der "Schandfleck" Israel müsse aus der islamischen Welt getilgt werden. Bereits diese Äußerungen hatten weltweit Empörung ausgelöst.

DPA DPA

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