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Mehr als 20 Luftangriffe Russische Kampfjets bombardieren erneut Aleppo

Aleppo
Sie stehen auf den Ruinen einer zerstörten Stadt: Helfer inspizieren nach einem russischen Luftangriff ein zerstörtes Gebäude in Aleppo.
© Picture Alliance
Das Leid der Bevölkerung im syrischen Aleppo hat kein Ende: Regierungstruppen und russische Kampfflugzeuge haben erneut das Rebellenviertel im Ostteil der Stadt angegriffen. Baschar al-Assad will die Stadt um jeden Preis zurückerobern.

Zwei Tage vor neuen Gesprächen der USA und Russlands über eine Waffenruhe in Syrien ist die umkämpfte Großstadt Aleppo erneut zum Ziel heftiger Luftangriffe geworden. Syrische und russische Kampfflugzeuge flogen am Donnerstagmorgen mehr als 20 Angriffe auf die Rebellenviertel im Ostteil der Stadt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Im Ringen um ein Ende der Luftangriffe brachte Neuseeland einen neuen Resolutionsentwurf in den UN-Sicherheitsrat ein.

Bei den Luftangriffen im Morgengrauen wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens sieben Zivilisten getötet. Am nordöstlichen Stadtrand Aleppos eroberten die vorrückenden Regierungstruppen demnach zudem mehrere Hügel mit Blick auf die Rebellenviertel. In einem von der Armee kontrollierten Stadtviertel im Westteil Aleppos wurden laut einem Bericht des syrischen Staatsfernsehens am Donnerstag vier Kinder getötet. Ihre Schule war demnach von einer Rakete der Rebellen getroffen worden.

Seit September mehr als 370 Opfer in Aleppo

Die russische und die syrische Luftwaffe fliegen seit dem 22. September massive Luftangriffe auf Aleppo. Die syrischen Regierungstruppen wollen mit ihrer Großoffensive die seit vier Jahren zwischen Regierung und Rebellen geteilte Großstadt vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Bei den Bombardements wurden laut der Beobachtungsstelle bereits mehr als 370 Menschen getötet, darunter mindestens 68 Kinder. Allein am Dienstag und Mittwoch gab es mehr als 70 Tote. Die Beobachtungsstelle beruft sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

US-Außenminister John Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow hatten Mitte September eine landesweite Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt, die jedoch nach nur einer Woche wieder zerbrochen war. In den darauf folgenden Tagen hatte die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die Großoffensive auf Aleppo gestartet. Weil Russland sich weigerte, die massiven Luftangriffe zu stoppen, brachen die USA die Gespräche ab.

"Wir müssen das Morden beenden" 

Am Samstag wollen Moskau und Washington ihre direkten Gespräche nun wieder aufnehmen. An dem Treffen in Lausanne nehmen neben Kerry und Lawrow auch die Außenminister der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars teil.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft auf Fortschritte in Lausanne. Es gehe "um die moralische Glaubwürdigkeit von Politikern", sagte er am Donnerstag beim Europarat in Straßburg. "Wir müssen das Morden beenden." Lawrow äußerte im Fernsehsender CNN die Hoffnung, dass das Treffen einen "ernsthaften Dialog" auf der Grundlage der im September mit den USA erzielten Vereinbarung in Gang setzen werde.

Neuseeland will neuen Resolutionsentwurf vorlegen

Ein von Frankreich im UN-Sicherheitsrat vorgelegter Resolutionsentwurf, der ein sofortiges Ende der Luftangriffe auf Aleppo forderte, war am Wochenende allerdings am Veto Russlands gescheitert. Am Mittwoch legte Neuseeland nun einen ganz ähnlichen Resolutionsentwurf vor. Angesichts der Gewalt in Syrien "einfach aufzugeben", sei "kein akzeptables Vorgehen", sagte der neuseeländische UN-Botschafter Gerard van Bohemen.

Die Feuerpause soll die Lieferung dringend benötigter Hilfslieferungen ermöglichen. Zudem besteht die Hoffnung, dass sie eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über eine politische Lösung des Konflikts erlauben könnte, in dem seit 2011 mehr als 300.000 Menschen getötet wurden.

amt AFP

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