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Blutvergießen in Syrien Aktivisten beklagen neue Gewalt in Hula


Nach dem Massaker von Hula setzen die Regierungstruppen ihre Angriffe rund um den Ort offenbar fort. Deserteure stellen Assad ein Ultimatum, ein Spitzendiplomat kehrt ihm den Rücken.

Die syrische Ortschaft Hula kommt nach dem Massaker mit mehr als 110 toten Zivilisten nicht zur Ruhe. Am Donnerstag meldeten Aktivisten, dass dort erneut ein Jugendlicher von den Regierungstruppen erschossen worden sei. Außerdem gebe es Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff auf zwei Dörfer in der Nähe von Hula. Dort hätten nach dem Massaker der vergangenen Woche zahlreiche Zivilisten aus Hula Zuflucht gesucht.

Zuvor hatte ein Kommandeur der von Deserteuren gegründeten oppositionellen Freien Syrischen Armee den Regierungstruppen ein Ultimatum bis Freitag gesetzt. Wenn sie bis dahin nicht ihre schweren Waffen aus den Städten und Dörfern abgezogen hätten, würden seine Kämpfer eingreifen, "um die Zivilisten zu schützen", sagte er in einer Video-Botschaft, die von den Deserteuren im Internet veröffentlicht wurde.

Spitzendiplomat quittiert seinen Dienst

Am Mittwoch hatten die Regimegegner landesweit 48 Todesopfer gezählt. Aktivisten berichteten in der Nacht zum Donnerstag von Angriffen auf die Rebellenhochburg Al-Rastan bei Homs.

Nach dem Massaker von Hula kehrte ein syrischer Spitzendiplomat dem Assad-Regime den Rücken: Der Honorarkonsul im US-Bundesstaat Kalifornien, Hasem Chehabi, erklärte, nach den Tötungen sei ein Schweigen nicht mehr zu rechtfertigen. "Man gerät an den Punkt, wo ein Schweigen oder ausbleibendes Handeln ethisch und moralisch inakzeptabel ist", sagte Chehabi dem National Public Radio.

Obama berät mit Merkel, Hollande und Monti

US-Präsident Barack Obama beriet in einer Videokonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande über die Eskalation in Syrien. Auch der italienische Ministerpräsident Mario Monti war zugeschaltet, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Die Staats- und Regierungschefs stimmten darin überein, dass ein Ende der Gewalt der Regierung in Damaskus gegen das eigene Volk wichtig und ein politischer Übergang dringend nötig sei, hieß es später in einer Erklärung.

Die USA hatten zuvor die Bereitschaft zu einem Eingreifen in dem Konflikt signalisiert und dabei ein militärisches Vorgehen nicht mehr explizit ausgeschlossen. Hollande hat sich zuletzt seinerseits offen für einen internationalen Einsatz gezeigt.

Sicherheitsrat tritt auf der Stelle

Am Mittwoch hatte in New York erneut der UN-Sicherheitsrat über die Gewalt in Syrien beraten, es zeichnete sich jedoch weiter keine einheitliche Linie ab. Die 15 Mitgliedsstaaten unterstützten zwar weiterhin den Annan-Plan, waren sich aber über die Mittel zu seiner Umsetzung uneins. Russland lehnte zusätzliche Strafmaßnahmen gegen Damaskus ab. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Susan Rice, sprach sich dagegen dafür aus, den Druck auf die syrische Regierung zu erhöhen, wenn Damaskus sich weiter nicht an den Annan-Plan halte.

fw/DPA/Reuters/AFP DPA Reuters

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