Britischer Misshandlungsskandal Erste Festnahme nach Misshandlungsvideo


Nach der Ausstrahlung eines Videos, in dem britische Soldaten Iraker misshandelten, hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Eine Spur führt auch nach Deutschland.

Nach den jüngsten Misshandlungsvorwürfen gegen britische Soldaten im Irak hat die Militärpolizei einen Verdächtigen festgenommen. Das erklärte das Verteidigungsministerium in London, ohne allerdings weitere Einzelheiten zu nennen. Fernsehsender hatten am Sonntag Aufnahmen ausgestrahlt, auf denen Soldaten mehrere junge Iraker von der Straße zerren und mit Fäusten und Knüppeln schlagen und unter üblen Beschimpfungen in die Genitalien treten. Das Video war März 2004 aufgenommen worden. Im Nahen Osten und in Großbritannien werden neue Gewalttaten in Reaktion auf die zwei Jahre alten Bilder befürchtet.

Schon 2004 waren Misshandlungsvorwürfe gegen die britischen Truppen laut geworden. Damals musste sich die Zeitung "The Daily Mirror" jedoch entschuldigen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die angeblichen Beweisfotos gefälscht waren. Die britische Militärpolizei geht inzwischen nach britischen Medienberichten davon aus, dass die Videoaufnahmen echt sind.

Schon 2004 waren Misshandlungsvorwürfe gegen die britischen Truppen laut geworden. Damals musste sich die Zeitung "The Daily Mirror" jedoch entschuldigen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die angeblichen Beweisfotos gefälscht waren. Die britische Militärpolizei geht inzwischen nach britischen Medienberichten davon aus, dass die Videoaufnahmen echt sind.

Spur führt nach Deutschland

Die Ermittler seien intensiv um die Identifizierung aller Soldaten bemüht, die auf dem Video zu sehen sind, berichtete die linksliberale Londoner Zeitung "The Guardian". Eine Spur führe nach Deutschland. Die Täter könnten zur 20. Panzerbrigade gehören, die in der Nähe von Paderborn stationiert ist. Angehörige dieser Einheit seien bis April 2004 in der südirakischen Stadt Basra stationiert gewesen, wo das Video auch aufgenommen worden war.

Das Band war der Sonntagszeitung "News of the World" zugespielt worden. Das Blatt weigerte sich, Informationen über die konkrete Einheit herauszugeben, deren Soldaten auf dem Band zu sehen sind.

Premierminister Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown haben ebenso wie die Militärführung eine umfassende Aufklärung der Misshandlungsvorwürfe versprochen. Zugleich verteidigte er in einem Interview erneut die Teilnahme Großbritanniens an der von den USA angeführten Invasion Iraks. Auch mit dem Kenntnisstand von heute hätte er "die Entscheidung gefällt, Saddam zu stürzen, denn die Alternative wäre, dass er trotz Verletzung von UN-Resolutionen mit all den Ambitionen, die er hatte, an der Macht geblieben wäre".

Muslime rufen zu Protesten auf

Der irakische Präsident Dschalal Talabani verurteilte die mutmaßlichen Misshandlungen. Sein Sprecher sagte, der Präsident danke den alliierten Truppen für alles, was sie für das irakische Volk getan hätten. Aber eine solche Tat könne nicht akzeptiert werden, egal, wer sie begehe. "Aber das Gute ist, dass die britischen Behörden sie (die Misshandlungen) verurteilt haben und ermitteln", erklärte der Sprecher Kameran Garadaghi.

Der Generalsekretär des Rates der Muslime Großbritanniens, Sir Iqbal Sacranie, erklärte: "Vorfälle wie diese fügen unserem Ansehen in der muslimischen Welt enormen Schaden zu und bringen auch die britischen Truppen, die gewissenhaft ihre Plicht erfüllen, in große Gefahr." Es sei dringend erforderlich, dass die beteiligten Soldaten rasch vor Gericht gestellt würden.

Verschiedene Muslim-Gruppen riefen für den kommenden Samstag zu Protestaktionen auf. Die Organisatoren gingen selbst davon aus, dass es nicht leicht sein werde, den wachsenden Ärger besonders unter jungen Muslimen im Zaum zu halten, berichtete die konservative Zeitung "The Times".

DPA/AP AP DPA

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