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Bürgerkrieg in Syrien: Brand zerstört Aleppos historischen Basar

In Syrien kämpfen Regierungstruppen und Rebellen an mehreren Fronten. In Aleppo wurde nun der weltbekannte Basar verwüstet. Unterdessen streiten UN-Vetomächte um den richtigen Umgang mit dem Konflikt.

Bei der Schlacht um die syrische Stadt Aleppo werden immer mehr Baudenkmäler zerstört. Die Altstadt von Aleppo steht auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Aktivisten veröffentlichten am Samstag ein Video, das brennende Geschäfte im historischen Basar zeigt. Der Leiter der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter, Rami Abdulrahman, sagte der Nachrichtenagentur DPA, die historischen Gebäude der Stadt würden nach und nach alle beschädigt oder sogar zerstört.

An diesem Montag wollen Experten aus der Region in Kairo diskutieren, wie man die Zerstörung historischer Stätten in Syrien - dazu zählen Kreuzfahrerfestungen, osmanische Moscheen, römische und byzantinische Siedlungen - eindämmen kann. An der Tagung nehmen nach Angaben der ägyptischen Antikenverwaltung auch Diplomaten aus Kuwait, Syrien, Katar und Saudi-Arabien teil.

Das syrische Regime warf den Monarchen in den arabischen Golfstaaten derweil vor, sie arbeiteten auf eine Machtübernahme von Islamisten in Damaskus hin. Die regierungsamtliche Tageszeitung "Al Thawra" (Samstag) schrieb: "Die Scheichs vom Golf wollen Chaos und Islamismus in Syrien verbreiten. Sie wollen das Regime von Baschar al Assad stürzen und es durch die Muslimbrüder ersetzen."

Vetomächte streiten

Die UN-Vetomächte USA und Russland stritten derweil weiter über den richtigen Umgang mit dem Bürgerkrieg in Syrien. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf dem Westen am Freitag (Ortszeit) vor der UN-Vollversammlung in New York vor, eine Lösung zu blockieren. Sein Land habe bislang vergeblich eine Resolution für einen politischen Übergangsprozess in Syrien vorgeschlagen, die auf dem im Juni in Genf vorgestellten Friedensplan basiere. "Diejenigen, die die Umsetzung des Genfer Dokuments ablehnen, laden eine enorme Verantwortung auf sich", fügte Lawrow hinzu.

In dem Genfer Dokument sind die Grundsätze für einen politischen Übergangsprozess in Syrien festgehalten. Der Rücktritt von Staatschef Assad, wie ihn unter anderem die USA fordern, wird darin allerdings nicht verlangt. Aus Sicht des Westens sind vor allem Russland und China für die Lähmung des UN-Sicherheitsrats im Syrien-Konflikt verantwortlich. Beide Länder legten bereits mehrfach ihr Veto gegen Resolutionen ein.

USA stocken Gelder für humanitäre Hilfe auf

US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte bei einem Treffen der Syrien-Kontaktgruppe am Freitag in New York an, ihr Land werde die humanitären Hilfen für Syrien um 30 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) auf 130 Millionen Dollar aufstocken. Die Hilfen für die zivile Opposition würden um 15 Millionen Dollar erhöht. Der britische Außenminister William Hague sagte eine Aufstockung der humanitären Hilfe um acht Millionen Pfund (zehn Millionen Euro) auf 30,5 Millionen Pfund zu.

Saudi-Arabiens Vizeaußenminister Abdulasis bin Abdullah beklagte sich vor der UN-Vollversammlung, dass der Sicherheitsrat keine Entscheidung getroffen habe, das Blutvergießen in Syrien zu beenden. Das habe "dem syrischen Regime grünes Licht gegeben, in einem Rennen gegen die Zeit seine Verbrechen gegen die syrischen Menschen fortzusetzen". Der Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa al Thani, forderte sogar eine arabische Militärintervention in Syrien.

52 Tote bei Gefechten

Bei Gefechten und Razzien starben am Samstag nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter mehr als 52 Menschen, unter ihnen 18 Angehörige der Regierungstruppen. Milizen der Opposition und Soldaten von Syriens Machthaber Assad lieferten sich den Angaben zufolge am Samstagmorgen schwere Gefechte, als die Aufständischen einen Stützpunkt der Regierungsarmee im südwestlichen Viertel Salaheddin angriffen. Die Regierungsgegner hatten am Donnerstag eine Offensive gestartet, um Aleppo endgültig einzunehmen.

In der Hauptstadt Damaskus begann die Armee derweil eine Offensive im östlichen Sektor Ghuta. "Die Armee will sich rächen, und vor allem die Zivilisten zahlen den Preis dafür", sagte der in Damaskus lebende Journalist Matar Ismail. Assads Truppen exekutierten zahlreiche Menschen. Ghuta und Umgebung sind eine Hochburg der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Deren Kampfgruppe Tadschamo Ansar al Islam hatte sich zu dem Bombenanschlag auf eine Kaserne im Zentrum von Damaskus vom Mittwoch bekannt.

Bombardements in mehreren Provinzen

In der Ortschaft Hajan, die zur Provinz Aleppo gehört, sei ein 13 Jahre alter Junge bei einem Luftangriff auf eine Gruppe von Kurden gestorben. 20 Menschen hätten Verletzungen erlitten, darunter mehrere Mitglieder der Demokratische Union Partei. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich.

Bombardements gab es laut Beobachtungsstelle auch in den Provinzen Deraa im Süden, Homs und Hama im Zentrum sowie in Idlib im Nordwesten Syriens. In der östlichen Provinz Deir Essor seien bei einem Luftangriff vier Menschen getötet worden. In dem seit 18 Monaten andauernden Konflikt in Syrien starben nach Angaben der Opposition bereits mehr als 30.000 Menschen.

kmi/tkr/DPA/AFP / DPA