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Flaggen-Diskussion: Deutsche Minderheit in Dänemark will ohne Erlaubnis Schwarz-Rot-Gold hissen dürfen

Wer in Dänemark ausländische Flaggen hissen will, dem kann eine Strafe drohen, wenn vorher keine Erlaubnis geholt hat. Dies betrifft auch die deutsche Minderheit in Dänemark, die sich jetzt für lockerere Regelungen einsetzt.

Die deutsche Flagge

Die deutsche Flagge

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Im Urlaub im dänischen Sommerhaus die deutsche Flagge hissen? Das kann im schlimmsten Fall mit einer Anzeige und Anklage enden. Denn Dänemark hat strenge Vorgaben. So ist es nach dänischem Gesetz unter Strafe gestellt, ausländische Flaggen zu hissen. Ausnahmen gelten nur für die Flaggen der Färöer, Grönlands, Norwegens, Schwedens, Islands und Finnlands sowie der EU und Vereinten Nationen. Ausnahmen gelten natürlich auch für Botschaften und Konsulate, wie es auf der Seite des dänischen Justizministeriums heißt.

Privatpersonen müssen die Polizei für ausländische Flaggen vorher um Erlaubnis bitten. Und selbst dann gelten noch Vorschriften. So muss gleichzeitig eine dänische Flagge von "mindestens der gleichen Größe an nicht minder prominenter Stelle" gehisst werden – sofern man nicht nur einen Fahnenmast hat. Doch dann darf nicht mit mehreren Flaggen an einem Mast gehisst werden. Ganz schön kompliziert. So kompliziert, dass die deutsche Minderheit in Dänemark für sich nun Ausnahmen wünscht.

Deutsche Flagge für offiziellen Besuch

So fordert der Vorsitzende der deutschen Minderheit, Hinrich Jürgensen, dass eine anerkannte Minderheit zu besonderen Anlässen die eigene Flaggen hissen dürfe, berichtet unter anderem die Zeitung "Jyllands-Posten". Jürgensen sei sich der strengen Regeln bewusst, aber es "sei doch interessant eine pragmatische Lösung zu finden", zitiert ihn die Zeitung. Dem Vorsitzenden der Minderheit gehe es vor allem um das Flaggen bei offiziellen Anlässen, zum Beispiel, wenn Staatsgäste aus Deutschland zu Besuch sind. Dem dänischen Rundfunk DR sagte Jürgensen: "Wenn zum Beispiel ein Kindergarten sein hundertstes Jubiläum feiert und ein ranghoher deutscher Politiker kommt, wäre es doch schön, wenn wir flaggen könnten, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten."

Der Sender DR fragte die Bürger vor Ort, was sie von der Idee der ca. 15.000 Menschen umfassenden deutschen Minderheit halten. Im Schrebergartenverein Virkelyst in Aabenraa (von der deutschen Minderheit Apenrade genannt) herrsche breite Zustimmung, dass die Minderheit die Erlaubnis zum Flaggen ihrer Fahne haben solle. So sagt etwa Karina Backmann: "Es ist gut, wenn sie die Erlaubnis dazu bekommen. Meine Tochter besucht die deutsche Schule in Apenrade und ich selbst war im deutschen Ruderklub in Gråsten. Dort war es schade, dass wir die deutsche Flagge nicht hissen durften." Und auch Pia Hansen aus dem Schrebergarten ist positiv gestimmt: "Ich sehe kein Problem darin. Wir haben unsere eigene Flagge und sie haben ihre. Man ist ja der, der man ist. Ich möchte auch die dänische Flagge hissen dürfen, wenn ich in einem anderen Land leben würde."

Dänische Minderheit darf eigene Flagge hissen

Auf der anderen Seite der Grenze in Deutschland sieht die Situation etwas anders aus. Im Norden Schleswig-Holstein etwa sind viele dänische Flaggen, der sogenannte Dannebrog, zu sehen. Denn hier in Deutschland gibt es keine strengen Vorschriften für das Hissen von ausländischen Flaggen. Laut dem Protokoll Inland der Bundesregierung gebe es von Seiten des Bundes "keine Regelungen in Bezug auf die Nutzung ausländischer Flaggen durch Privatpersonen oder Firmen in Deutschland". Darüber hinaus dürfen die Flaggen keine verbotenen Symbole und keinen entsprechenden Bezug haben und sollen würdig behandelt werden.   

Dass die Dänen es mit ihren Flaggen-Gesetzen ernst nehmen, zeigt ein Fall aus dem Jahr 1997. Ein Mann hatte zwei Jahre zuvor unerlaubt auf seinem Grundstück die Flagge der DDR gehisst und wurde deshalb angezeigt, berichtete "Jyllands-Posten". Er argumentierte vor Gericht, dass das Verbot nicht für nicht mehr existierende Staaten angewendet werden könne. Das Gericht in Rønne auf Bornholm entschied aber gegen den Mann und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.

Deutsche Ortsschilder sorgten für Streit

Die deutsche Minderheit in Dänemark hatte schon in der Vergangenheit mit Forderungen für Aufsehen gesorgt: 2015 wollte die Minderheit, dass es zweisprachige Ortsschilder gibt, wie es im Norden Schleswig-Holsteins bei der dänischen Minderheit der Fall ist. So wären die Ortsschilder von Tønder, Aabenraa oder Haderslev dann zusätzlich mit Tondern, Apenrade oder Hadersleben versehen worden. Das ging den lokalen Politikern in Dänemark aber dann doch zu weit, zu tief saß wohl die Erinnerung an die Besatzung durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg. So erklärte es der damalige Generalsekretär des Grenzvereines, Knud-Erik Therkelsen, der Zeitung "Kristeligt Dagblad": "Natürlich hat es mit der Besetzung zu tun, dass die Menschen in Südjütland noch nicht für deutsche Städtenamen auf den Schildern bereit sind. Es dauert mehrere Generationen, bis sich Südjütland vollständig mit der Vergangenheit versöhnt hat."

In Dänemark gehören rund 15.000 Menschen der deutschen Minderheit an. Die Mitglieder der Minderheit bezeichnen sich dabei als "dänische Staatsbürger mit deutscher Identität", parallel zu der dänischen Minderheit in Deutschland, bei denen es sich um deutsche Staatsbürger mit dänischer Gesinnung handelt. Beide Minderheiten haben jeweils eigene Schulen, Kindergärten, Kirchen und auch Parteien, wie den Südschleswigschen Wählerverband (SSW), der im Landtag von Schleswig-Holstein sitzt. Lange Zeit waren die Deutschen und die Dänen in der Grenzregion stark verfeindet. Erst die Bonn-Kopenhagener-Erklärung von 1955 leitete eine friedliche Koexistenz beider Minderheiten – und Länder – ein.

Quellen: Justizministerium Dänemark, TV2, DR, "Jyllands-Posten" (1), "Jyllands-Posten" (2), "Kristeligt Dagblad", advocard.de, Protokoll Inland der BundesregierungGrænseforeningen (1)Grænseforeningen (2)