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Die Muslimbrüder und der ägyptische Aufruhr: Islamisten im Schafspelz

Lange galten Ägyptens Islamisten als radikale Macht, denen nur Mubarak Paroli bieten kann. Daher macht die Beteiligung der Muslimbrüder am Proteststurm jetzt manchem Angst. Zurecht?

Von Silke Mertens, Kairo

Maged Botros holt aus seinem Wohnzimmerschrank eine schwarz glänzende Pistole. "Die ist echt", sagt er. Und dass er nicht zögern würde, sie zu benutzen. Er hat schon mit der Waffe in der Hand hier gesessen, vor der Tür seiner Wohnung im zehnten Stock im Kairoer Stadtteil Heliopolis, als die Polizei verschwand und das Chaos ausbrach. "Anarchie ist furchtbar", sagt der freundliche Mann mit den kugelrunden Augen. Das darf nicht sein. "So etwas entspricht nicht der ägyptischen Kultur."

Botros ist ein führendes Mitglied der Nationaldemokratischen Partei (NDP) von Präsident Husni Mubarak. Die Ereignisse in Ägypten, die revolutionäre Bewegung, die den seit 30 Jahren herrschenden Autokraten aus dem Amt zu fegen droht, verfolgt der Universitätsprofessor mit einer Mischung aus Ungläubigkeit, Panik und Wut. "Es ist ein großer Schock, Demonstranten das Bild Mubaraks zerreißen zu sehen. Wir in Ägypten respektieren unsere Führer", sagt Botros. "Am Anfang waren es normale junge Leute mit einem noblen Anliegen." Doch jetzt seien die Proteste von Islamisten unterwandert: "Sie haben sich die Bärte abrasiert. Die Slogans sind aber original von der Muslimbruderschaft. Es ist unübersehbar, dass der Iran dahintersteckt." Die Regierung in Teheran wolle Ägypten destabilisieren.

Horrorszenario Iranische Revolution

Damit trifft Botros genau die Nerven, die im Westen blankliegen. In Washington und Paris, Brüssel und Berlin geht die Angst vor den Islamisten um. Die Muslimbruderschaft ist in Ägypten die stärkste, älteste und mit Abstand am besten organisierte Oppositionsgruppe. Jahrelang hat Mubaraks Regime erfolgreich alle Forderungen des Westens nach Reformen mit dem Argument abgewehrt, dass eine Liberalisierung nur die Islamisten an die Macht bringen würde.

Benjamin Netanjahu hat vor wenigen Tagen die alten Ängste geschürt: In Ägypten könnte es so kommen wie im Iran 1979, als der Aufstand gegen den Schah eine islamische Republik hervorbrachte, orakelte Israels Ministerpräsident. Am Wochenende verstärkten die Iraner selbst die Furcht vor den Islamisten. Der geistige Führer Ayatollah Ali Chamenei sprach der Protestbewegung in Ägypten seine Unterstützung aus: Was am Nil zu sehen sei, "ist genau das, wovon wir ständig gesprochen haben, nämlich die islamische Erleuchtung als Folge der großen islamischen Revolution der iranischen Nation".

Aber Kairo ist nicht Teheran. Der Aufstand in Ägypten wird anders als im Iran weder von religiösen Autoritäten angeführt noch von frommen Muslimen dominiert. Die Muslimbruderschaft hat sich zwar der Bewegung angeschlossen, hält sich aber auf dem Tahrir-Platz vorsichtig im Hintergrund. Man hat unter Mubarak gelernt, nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen.

Die Islamisten als Stütze der Revolution

Weil sie eigene Krankenhäuser betreiben, sind die Muslimbrüder auf den Krankenstationen rund um den Platz stark vertreten. Sie versorgen Demonstranten mit Essen und Decken. Zwei voll verschleierte Frauen verteilen in einem verlassenen Schnellrestaurant Wasserflaschen "an alle, die eine leere Flasche abgeben", wie sie betonen. Einer muss ja dafür sorgen, dass die Revolution nicht im Müll untergeht. Und sie mobilisieren in kürzester Zeit ihre Anhänger, wenn man auf dem Tahrir-Platz befürchtet, dass die Mubarak-Anhänger angreifen oder die Armee die Barrikaden räumen will.

Und dennoch sprechen sie nicht für die Bewegung. "Dies ist die Revolution aller Ägypter", sagt Rania Sallah, eine junge Studentin, die eigens aus Budapest angereist ist, um bei der noch vor einem Monat undenkbaren Revolution mitzumischen. "Es sind alle dabei: Männer und Frauen, Arme und Reiche, Muslime und Christen, Fromme und Säkulare. Die Muslimbrüder sind nur eine Gruppe von vielen." Sie selbst ist nicht verschleiert und auch nicht religiös, und sie halte schon gar nichts von Islamismus. "Aber nachdem ich miterlebt habe, wie mutig und unbeugsam sie an den Barrikaden mit uns den Platz gegen die Mubarak-Anhänger verteidigt haben, sind sie in meiner Achtung deutlich gestiegen."

Neben ihr steht Scheich Anas Sultan, ein junger Muslimbruder und Imam im langen Gewand und mit dickem Verband über dem linken Auge - Spuren einer Schlägerei mit den Getreuen des Regimes, die auf dem Tahrir-Platz als "Gangster" beschimpft werden. "Ich kämpfe für Gott, für sonst niemanden", sagt er. "Aber es geht mir um keine Organisation oder Partei. Ich bin gegen die Ungerechtigkeit. Ich will, dass die Menschen die Wahl haben."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, über das wahre Gedankengut der Muslimbrüder und deren Verbindungen zum islamistischen Terror.

Mutterorganisation fundamentalistischer Gruppen

Doch was passiert, wenn die Ägypter wählen können? Schon jetzt sind die Islamisten an den Verhandlungen der Opposition mit dem wankenden Regime beteiligt. An den bevorstehenden Wahlen werden sie ohne jeden Zweifel erstmals teilnehmen. Doch die 1928 von dem Lehrer Hassan al-Banna gegründete Muslimbruderschaft ist nicht die türkische AKP. Sie ist die Mutterorganisation vieler fundamentalistischer Gruppen im ganzen arabischen Raum, darunter auch der palästinensischen Hamas. Viele führende Terroristen, etwa die Nummer zwei al-Kaidas, Aiman al-Sawahiri, haben als Muslimbrüder begonnen.

Formal lehnen die Brüder Gewalt ab. Ob aus Überzeugung oder um der Verfolgung durch Mubaraks Geheimdienst zu entgehen, ist nicht klar. Denn Gewalt und Terror der Hamas werden als Märtyrertum verherrlicht. In ihren politischen Leitlinien lehnen Ägyptens Islamisten eine Frau oder einen Christen als Präsidenten ab. Der Kampf gegen den 1979 geschlossenen Frieden mit Israel und gegen die Normalisierung der Beziehungen zum jüdischen Staat steht ganz oben auf ihrer politischen Agenda.

Auf dem Tahrir-Platz hat trotzdem niemand Angst vor den Muslimbrüdern. Nach Tagen der Anspannung hat sich jetzt wieder Festivalstimmung breitgemacht, die Demonstranten lassen sich auf einer Welle der Euphorie tragen. Die ganze Nacht durch wird gesungen und skandiert: "Al-Schaab Jored Iskat al-Nesam!" - "Das Volk fordert den Abtritt des Regimes." Am Sonntag gab es auf dem Platz sogar einen christlichen Gottesdienst. Noch nie, sagen viele der Protestler, hätten sie ein solches Gefühl der Zusammengehörigkeit erlebt. "Die Muslimbrüder haben sicher ihre eigene Agenda, aber sie versuchen nicht, uns etwas aufzuzwingen", sagt die Studentin Rania. "Und sie sind nicht so populär, wie der Westen denkt."

"Wir essen und trinken Islam"

Geschätzt wird, dass kaum mehr als ein Fünftel der Ägypter die Muslimbrüder bei einer Wahl unterstützen würden. Allerdings hatten auch alle Umfragen in den palästinensischen Gebieten die Islamisten in der Minderheit gesehen, bevor die islamistische Hamas dort 2006 einen Erdrutschsieg hinlegte. Niemand, auch nicht die Europäer, die die Wahl finanzierten, hatte dafür Sorge getragen, dass die Hamas vor der Zulassung zu den Wahlen Bedingungen erfüllte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten: der Gewalt abschwören, Demokratie und Menschenrechte anerkennen sowie die bestehenden Verträge, etwa den Friedensvertrag mit Israel, akzeptieren. Möglich, dass auch die Muslimbrüder die Demokratie nutzen werden, um sie abzuschaffen. Schließlich gilt ihnen der Islam als allumfassendes System, auch wenn sie versichern, den Willen des Volkes zu akzeptieren. "Unsere Ideologie ist der Islam, wir essen und trinken Islam. Religion ist das Wichtigste", sagt Mohammed Ali Abdulhalim, ein Muslimbruder, der auf dem Tahrir-Platz mitdemonstriert.

Hassan Abubakra mag sich die Freude über die Revolution von den Islamisten nicht verderben lassen. Der 61-jährige Agrarwissenschaftler kniet nicht nieder, wenn auf dem Tahrir-Platz zum Gebet gerufen wird. Abubakra steht unter der Statue von Omar Makram, nach dem auch die Moschee benannt ist. "Ein Symbol des Widerstands", sagt er. Schon vor 40 Jahren hat er hier demonstriert. "Aber mit dem, was ich heute erlebe, ist das gar nicht vergleichbar", schwärmt er. "Niemand hat so eine Bewegung erwartet - auch wir Ägypter nicht." Natürlich gebe es Ängste, sagt Abubakra. Und ja, es gebe auf Mubarak-Poster oder Transparente geschmierte Davidsterne: "Aber Parolen gegen Israel spielen doch hier jetzt überhaupt keine Rolle. Keiner will einen Krieg. Was wir brauchen, ist Freiheit."

Auf dem riesigen Platz mit Hunderttausenden Menschen ist es nach dem Mittagsgebet für einen Moment still geworden. Dann brechen die Sprechchöre wieder los: "Erhal!", schallt es aus der Menge: "Geh!" Dass der Westen an dem ungeliebten Autokraten festhält, kann Abubakra nicht verstehen. "Es ist eine Schande, dass die Tränengasgranaten, die hier eingesetzt wurden, aus den USA kamen." Mubarak könne doch nicht an der Macht bleiben, nur weil er als Garant für den Frieden mit Israel gilt. "Israel ist immer so stolz darauf, die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein. Warum sollte uns das verweigert werden? Auch wir brauchen und verdienen Demokratie. Ihr müsst uns vertrauen!"

FTD
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(