HOME

"Lyincomey.com": Donald Trump vs. James Comey - Mission Rufschädigung hat begonnen

Eher unpassend zum kommenden Wahlkampf veröffentlicht der ehemalige FBI-Chef seine Abrechnung mit Donald Trump. Wie ernst die Republikaner James Comey nehmen, zeigt sich an dem Waffen-Arsenal, mit dem sie seinen Ruf schädigen wollen.

Republikaner-Seite "Lyincomey.com"

Republikaner-Seite "Lyincomey.com" - einzige Aufgabe: Rufschädigung

James Comey ist kein Michael Wolff, der saftigen Klatsch und Tratsch aus dem Weißen Haus zu berichten wusste. James Comey ist auch keine Stormy Daniels, die einmal eine schnöde Nacht mit Donald Trump verbracht hat. Nein, James Comey, 57 Jahre alt, ist Chemiker und Jurist, er war Staatsanwalt, Vize-Justizminister und Chef des FBI. Wenn dieser Karrierebeamte über den US-Präsidenten auspackt, dann droht womöglich Gefahr. Das Weiße Haus und die Republikanische Partei jedenfalls empfinden die zu erwartenden Ohrfeigen als derart heikel, dass sie Comey mit einer regelrechten Kampagne zu Leibe rücken. 

Einziger Zweck: Rufschädigung

Seit dem 28. März ist etwa die Adresse lyincomey.com reserviert, deren einziger Zweck es ist, seinen Namen in Verruf zu bringen. Den Besucher der Seite empfängt ein misstrauisch dreinblickender Comey, dem ein paar Zitate beigestellt wurden: "Ich vertraue ihm nicht mehr" oder "Er hat seine Grenzen überschritten". Auf den folgenden Tafeln lassen die Republikaner all die schlecht über den Ex-FBI-Chef sprechen reden, von denen viele US-Bürger vermuten, dass sie eigentlich seine Freunde sein müssten: Oppositionspolitiker wie die Demokraten Hillary Clinton und Chuck Schumer aber auch den linksliberalen Sender CNN.


Lyincomey.com ist eine Reaktion auf James Comeys bald erscheinendes Buch "A Higher Loyalty: Truth, Lies and Leadership" sowie auf die damit verbundene TV-Interview-Tour. Dass sich der 57-Jährige über seine Zeit unter Präsident Trump auslassen werden würde, ist schon länger klar. Ebenso, dass seine Aussagen der ohnehin taumelnden Präsidentschaft Trumps einen weiteren Stoß versetzen könnten. Das ganz große Erdbeben ist nach Veröffentlichung der ersten Passagen zwar ausgeblieben, aber wer weiß schon, was für Sachen Comey sich noch für seine Fernsehauftritte aufspart.

Trump: Comey ist ein "lügender Drecksack"

Weder das Weiße Haus noch die Republikanische Party würden irgendwelche Schnellschuss-Reaktionen auf die Veröffentlichung planen, schreibt die US-Seite "The Daily Beast". Der impulsive Präsident würde jedes Vorhaben ohnehin unterlaufen, und so ist es auch geschehen: Per Twitter ließ der Präsident am Freitagmorgen wissen, was er von seinem Ex-Polizei-Chef und dessen Buch hält: Comey sei ein "lügender Drecksack", den zu feuern ihm eine "große Ehre" gewesen sei, so Trump.


Lügen, leaken, lamentieren - das ist verknappt gesagt das Bild, das "lyincomey.com" von James Comey zu zeichnen versucht. Der Name der Website ist der Aufguss eines berühmten "Spitznamens", den Trump im Wahlkampf seinem innerparteilichen Widersacher Ted Cruz gegeben hatte: "Lyin Ted", der lügende Ted. Auf ihrer Diffarmierungsseite geht es den Republikanern nur darum, Comeys Glaubwürdigkeit zu erschüttern. Dazu haben sie einen "Faktencheck" ersonnen, mit dem die Behauptungen Comeys auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden sollen.

Wie Comey Clinton die Wahl schwer machte

Wenig überraschend bedient sich auch diese "Wahrheit" den Mitteln der Propaganda. Wie Zitate-aus-dem-Zusammenhang-reißen. Unter der Frage, ob Comey wirklich so überparteilich sei, wie er sich selbst immer verkauft, wird Hillary Clinton mit den Worten zitiert: "Comey habe sich 'dem Druck einer Seite gebeugt'". Das Zitat an sich ist echt. Es stammt von Ende Oktober 2016. Damals, zwei Wochen vor der Wahl, hatte Comey als FBI-Chef beschlossen, die Ermittlungen wegen Clintons E-Mail-Affäre wieder aufzunehmen - was keine gute Nachricht für sie war.


Auf Twitter schrieb sie daraufhin: "Gestern hat sich FBI-Direktor Comey dem Druck einer (politischen, d.Red.) Seite gebeugt und dem Kongress ein vages und unangemessenes Schreiben überreicht…" Nach ihrer Wahlniederlage machte sie diesen Schritt Comeys mit für ihre Niederlage verantwortlich. Comey selbst entschuldigte sich nie für seine Entscheidung, aber zumindest dafür, dass er sie der Öffentlichkeit nicht klar genug vermittelt habe. Über Comeys Überparteilichkeit sagt das alles nicht viel, aber wenn der damalige FBI-Chef  Partei ergriffen haben sollte, dann sicher nicht zum Schaden der Republikaner.


Kampf um Deutungshoheit hat begonnen

Mit dem Erscheinen von Comeys Buch beginnt nun der nächste Akt im Kampf um die Deutungshoheit des Weißen Hauses unter Donald Trump. Die Republikaner haben laut "Fox News" bereits einen "War Room" eingerichtet, in dem sie jeden Auftritt, jeden Satz und jedes Schweigen Comeys verfolgen und bei Bedarf ihre Version der Ereignisse streuen werden. Die Nervosität der konservativen Partei ist verständlich. Denn sehr bald kommt der Wahlkampf für die "Midterm"-Wahlen im November auf Touren. Und der Mann im Weißen Haus und seine Spirenzien sind für die Republikaner keine große Hilfe.

tkr