Jetzt-Ex-US-Präsident Donald Trump hat Mediengeschichte geschrieben. Niemals zuvor hat ein Amtsvorgänger derart viele Eilmeldungen ausgelöst. Gehen Sie noch einmal auf Zeitreise durch die vierjährige Ära – mit allen Eilmeldungen im Überblick.
Hinweis: Die Übersicht über alle 274 Eilmeldungen finden Sie am Ende des Artikel.
Am Freitag, den 20. Januar 2017, Punkt 18 Uhr schrillt der Alarm in den Redaktionen von Fernseh- und Radiostationen, Print- und Onlinemedien in Deutschland:
Donald Trump als 45. Präsident vereidigt
Donald Trump ist als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden. Der oberste Richter der USA, John Roberts, nahm dem 70-jährigen Republikaner am Freitag auf den Stufen des Kapitols in Washington den Amtseid ab.
(20. Januar 2017)
Es ist die erste Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur (DPA) zur Präsidentschaft des früheren Reality-TV-Stars – und nur der Auftakt: Ihr werden Hunderte folgen. Was an jenem 20. Januar vor vier Jahren noch niemand weiß: In Donald Trumps Amtszeit wird der Alarmzustand fast zum Normalfall.
Die DPA ist die größte deutschsprachige Nachrichtenagentur und beliefert als Dienstleister fast alle großen Medienhäuser in Deutschland, darunter auch den stern, mit Nachrichten, Reportagen, Hintergrundstücken, Interviews – und mit Eilmeldungen. Sie künden von "Ereignissen, Mitteilungen oder anderen Informationen von herausgehobener Tragweite", wie Froben Homburger, der Nachrichtenchef der DPA, dem stern erklärt. "Etwa, weil sie besonders folgenreich oder besonders überraschend oder besonders erschütternd oder aus anderen Gründen politisch, wirtschaftlich, sportlich, kulturell oder wissenschaftlich besonders wichtig sind." Die Redaktionen entscheiden dabei selbst anhand eigener Kriterien, ob sie die Einschätzung der Nachrichtenagentur übernehmen. "Unsere Eilmeldungen sind daher vor allem auch eine Art Weckruf an unsere Kunden", so Homburger.

Froben Homburger ist Nachrichtenchef der Deutschen Presse-Agentur
© Victoria Bonn-Meuser / DPA / Picture Alliance
"Besonders folgenreich" oder "besonders überraschend" ist vieles in der 1461-tägigen Präsidentschaft von Donald Trump, etwa in der Außenpolitik. Ein Vorgeschmack auf das, was die internationale Staatengemeinschaft vom 45. Präsidenten der USA zu erwarten hat, läuft bereits drei Tage nach der Amtsübernahme als Eilmeldung über die Nachrichtenticker:
USA ziehen sich aus Handelsabkommen TPP zurück
Die USA machen den angekündigten Rückzug aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP wahr. US-Präsident Donald Trump unterzeichnete am Montag einen entsprechenden Erlass.
(23. Januar 2017)
Trumps Abkehr vom Multilateralismus zieht sich wie ein roter Faden durch dessen Präsidentschaft, andere Eilmeldungen berichten vom Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran, vom Ende der Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation in der Coronavirus-Pandemie oder vom folgenreichen Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen:
USA ziehen sich aus Pariser Klimaabkommen zurück
Die USA wollen sich aus dem weltweiten Klimaschutzabkommen von Paris zurückziehen. Das gab US-Präsident Donald Trump am Donnerstag in Washington bekannt.
(1. Juni 2017)
Die mitunter erratische Führung der Amtsgeschäfte erstreckt sich in den vergangenen vier Jahren jedoch nicht nur auf die Außenpolitik. Auch im Weißen Haus geht es häufig turbulent zu, Mitarbeiter kommen und gehen. Ob der Rücktritt von Donald Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn nach nicht einmal einem Monat, die Entlassung von Kommunikationschef Anthony Scaramucci, der Rückzug des umstrittenen Chefstrategen Stephen Bannon oder der Rauswurf von Verteidigungsminister Mark Esper: Das Personalkarussell in Washington ist vier Jahre lang im Dauerbetrieb – und der DPA immer wieder eine Eilmeldung wert:
Trump feuert FBI-Chef James Comey
US-Präsident Donald Trump hat FBI-Chef James Comey mit sofortiger Wirkung entlassen. Das teilte das Weiße Haus am Dienstagabend (Ortszeit) mit.
(9. Mai 2017)
Bemerkenswert ist: Bei Donald Trump sind nicht – wie bei vielen anderen Staatsoberhäuptern – in erster Linie Reden, Pressemitteilungen oder konkrete Aktionen Anlass für Eilmeldungen. Wie kein zweiter produziert Trump in seiner Amtszeit "Informationen herausgehobener Tragweite" über seinen Twitter-Kanal. Mehr als 50 DPA-Eilmeldungen gehen auf Tweets zurück. Von seinem ersten Tag als Präsident bis zur Sperre durch Twitter Anfang 2021 verfasste Trump 16.581 Tweets (ohne Retweets) – jeder einzelne mit dem Potenzial, die Welt zu verändern (Eine große Analyse der Twitter-Aktivitäten von Donald Trump lesen Sie hier).
Für die Nachrichtenmacherinnen und -macher in Berlin eine enorme Herausforderung. "Selbst der wildeste Tweet eines Donald Trump blieb eben zugleich auch immer eine – möglicherweise folgenschwere – Botschaft des mächtigsten Mannes der Welt an den Rest der Welt", schildert Journalist Homburger. "Und deshalb haben wir auch gegen Ende seiner Amtszeit noch immer jeden einzelnen Tweet des US-Präsidenten mit der gleichen Sorgfalt und entlang der gleichen Kriterien wie am Anfang darauf abgeklopft, ob er eine Information von besonderer Tragweite enthält, die eine Eilmeldung verdient hat." Am 9. Januar 2021 versiegt schlussendlich diese Nachrichtenquelle:
Twitter: Konto von US-Präsident Trump dauerhaft gesperrt
Der Kurznachrichtendienst Twitter hat das Konto des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump nach eigenen Angaben dauerhaft gesperrt. Grund sei das "Risiko einer weiteren Anstiftung zur Gewalt", teilte Twitter am Freitagabend (Ortszeit) mit.
(9. Januar 2021)
Immer wieder ist es der US-Präsident selbst, der zur Nachricht wird. Eklats, Skandale, Kuriositäten und Schrilles sind alltägliche Begleiter seiner Amtszeit und damit wiederholt Thema von Eilmeldungen. Schon kurz nach der Amtsübernahme holt Trump die sogenannte Russland-Affäre ein, es folgen unter anderem die Ukraine-Affäre und die Steueraffäre, letztlich sieht sich der Präsident einem ersten Amtsenthebungsverfahren ausgesetzt, das Trump jedoch übersteht:
Senat spricht Trump in Impeachment-Verfahren von allen Vorwürfen frei
Im Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten hat der Senat Donald Trump von allen Anklagepunkten freigesprochen. In der von Trumps Republikanern dominierten Kongresskammer kam am Mittwoch (Ortszeit) wie erwartet nicht die nötige Zweidrittelmehrheit zustande, um Trump für Machtmissbrauch oder die Behinderung von Kongress-Ermittlungen zu verurteilen.
(5. Februar 2020)
Dass nicht einmal einmal ein Jahr später bereits das nächste Impeachment gegen den mächtigsten Mann der Welt initiiert werden wird, ahnt noch keiner. Im Sommer 2020 wird es zunächst unruhig in den Vereinigten Staaten: Die "Black Lives Matter"-Bewegung fordert ein Ende der Benachteiligung schwarzer Menschen. Wiederholt schlagen Demonstrationen in Gewalt um – die Reaktion Trumps auf die Proteste löst eine weitere Eilmeldung aus.
Trump kündigt Vorgehen seiner Regierung gegen Ausschreitungen an
US-Präsident Donald Trump hat die Mobilisierung aller verfügbaren zivilen und militärischen Kräfte seiner Regierung angekündigt, um die Ausschreitungen in den USA zu stoppen. «Wir beenden die Ausschreitungen und die Gesetzlosigkeit, die sich in unserem Land ausgebreitet haben», sagte Trump am Montagabend (Ortszeit) bei einer kurzfristig anberaumten Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses.
(2. Juni 2020)
Zudem hält 2020 die Coronavirus-Pandemie auch die USA im Griff. Das Land gilt zwischenzeitlich als das am schwersten von der Seuche betroffene der Welt – wozu auch Donald Trump durch seine Verharmlosung des Erregers beiträgt. Zwölf Eilmeldungen verschickt die DPA zu Trump und seinem Umgang mit der Pandemie, wovon eine die Welt besonders aufschreckt:
US-Präsident Trump und First Lady positiv auf Coronavirus getestet
US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania haben sich mit dem Coronavirus angesteckt. Das teilte Trump in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) auf Twitter mit.
(2. Oktober 2020)
Trump kann das Krankenhaus wenige Tage später wieder verlassen, er besiegt die Covid-19-Erkrankung. Doch eine Niederlage rückt immer näher: Am 3. November wählen die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten. Sechs DPA-Eilmeldungen laufen am Tag der Wahl über den Nachrichtenticker in den Redaktionen des Landes ein, inklusive der verfrühten Behauptung Trumps, er habe die Wahl gewonnen, ehe es am 7. November eine Premiere in seiner Amtszeit gibt – eine DPA-Blitzmeldung.
(BLITZ) AP UND CNN: JOE BIDEN GEWINNT PRÄSIDENTENWAHL IN DEN USA
(7. November 2020)
Sie haben eine noch höhere Priorität als Eilmeldungen. "Es sind Breaking News von herausragender, teilweise sogar epochaler Bedeutung", erklärt DPA-Nachrichtenchef Froben Homburger. In der gesamten knapp 72-jährigen Geschichte der Nachrichtenagentur habe es bislang erst 61 Blitzmeldungen gegeben, zuletzt unter anderem zur Wahl Donald Trumps 2017 und zum Brexit-Votum im Jahr zuvor.
Zwar sorgen die Unruhen rund ums Kapitol noch für weitere Eilmeldungen, doch spätestens an diesem 7. November ist das politische Schicksal von Donald Trump (vorerst) besiegelt. Das laufende Amtsenthebungsverfahren, die möglichen politischen oder wirtschaftlichen Ambitionen Trumps, etwaige Strafverfahren und nicht zuletzt dessen aufbrausender Charakter dürften zwar auch in Zukunft noch für Eilmeldungen zum Präsidenten a.D. sorgen. Doch der Zähler der Eilmeldungen in seiner Amtszeit bleibt am 20. Januar 2021 – vier Jahre nach der ersten – bei 274 stehen:
Trump verlässt vor Biden-Vereidigung das Weiße Haus
Wenige Stunden vor der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Joe Biden hat der scheidende Amtsinhaber Donald Trump das Weiße Haus verlassen. Donald Trump und die First Lady Melania Trump hoben am Mittwochmorgen (Ortszeit) an Bord des Präsidentenhubschraubers Marine One vom Weißen Haus aus in Richtung des Militärflugplatzes Andrews ab.
(20. Januar 2021)
274 Eilmeldungen in 1461 Tagen. Der Wert ist einmalig und verdeutlicht den permanenten Alarmzustand, an den sich Journalisten, Leserinnen, Zuhörer und Zuschauerinnen in den vergangenen vier Jahren gewöhnt haben; "an einen permanenten Bruch präsidentieller Gepflogenheiten, an das offensichtlich Erratische vieler Entscheidungen, an den Verlust von Berechenbarkeit und Plausibilität im politischen Handeln", wie es DPA-Nachrichtenchef Froben Homburger ausdrückt.
Homburgers Ansicht nach hat Donald Trump Mediengeschichte geschrieben. "Seit Einführung der elektronischen Erfassung von DPA-Meldungen im Jahr 1983 gab es keinen US-Präsidenten, zu dem annähernd so viele DPA-Eilmeldungen gesendet wurden. Und auch vor 1983 dürfte kein anderer amerikanischer Regierungschef hier an Trump herangereicht haben." Zum Vergleich zieht der Journalist unter anderem die Vorgänger Trumps, George W. Bush (108 Eilmeldungen in acht Jahren) und Barack Obama (152 Eilmeldungen in acht Jahren), heran. Bundeskanzlerin Angela Merkel sei während der Präsidentschaft Donald Trumps in 211 Eilmeldungen zur Erwähnung gekommen: "Mehr als die Hälfte davon im vergangenen Jahr, auch nur wegen der vielen Corona-Beschlüsse mit Beteiligung der Bundesregierung."
Die Präsidentschaft Donald Trumps in Eilmeldungen
Die im Artikel ausgewählten Meldungen stehen exemplarisch für die Amtszeit Donald Trumps, in der es noch weit mehr Anlässe für Eilmeldungen gab: Etwa zu den Einreiseverboten für Muslime, zum Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, zum längsten "Shutdown" in der Geschichte der USA infolge des Haushaltsstreits oder zur Verhängung von Strafzöllen. Gehen Sie noch einmal auf Zeitreise und lassen Sie die Ära Trump Revue passieren – viele Eilmeldungen hielten die Welt in Atem, andere sind längst vergessen. Klicken Sie sich durch:
Hinweise: Die Grafik enthält alle DPA-Eilmeldungen aus dem Zeitraum 20. Januar 2017, 18 Uhr bis 20. Januar 2021, 18 Uhr, die das Wort "Trump" oder die Deklination "Trumps" enthalten. Somit sind auch Nachrichten aufgeführt, die nur mittelbar einen Zusammenhang mit Donald Trump haben. Anderseits können in der Übersicht Meldungen, die diese Begriffe nicht, aber beispielsweise "Weißes Haus" oder "US-Regierung" enthalten, fehlen, obwohl sie möglicherweise einen direkten Zusammenhang mit Donald Trump aufweisen. Alle Uhrzeiten und Datumsangaben sind deutscher Zeit. Sollte die Grafik auf Ihrem Endgerät nicht korrekt dargestellt werden, klicken Sie bitte hier.