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Pressefreiheit in der Türkei: Razzia bei Magazin nach Fotomontage mit Erdogan-Selfie

Die türkischen Behörden gehen erneut gegen ein regierungskritisches Medium vor. Wegen einer Fotomontage mit Staatspräsident Erdogan wird dem "Nokta" Präsidentenbeleidigung vorgeworfen.

Das Nokta-Cover mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan

Das Nokta-Cover mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan

Mit einer Razzia der Anti-Terror-Polizei sind die türkischen Behörden erneut gegen eine Erdogan-kritische Publikation vorgegangen. "Uns wird neben Volksverhetzung vorgeworfen, den Präsidenten beleidigt und Terrorpropaganda begangen zu haben", sagte der Chefredakteur des Magazins "Nokta" (Punkt), Cevheri Güven, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. "Nokta" hatte vor Erscheinen der neuen Auflage deren Titelbild in sozialen Medien verbreitet. Es zeigt eine Fotomontage mit Präsident Recep Tayyip Erdogan, der lächelnd ein Selfie vor dem Sarg eines getöteten türkischen Soldaten macht.

Güven sagte, mehrere Stunden nach der Razzia sei am Montag ein leitendes Redaktionsmitglied festgenommen worden. Die Auslieferung weiter Teile der neuen Ausgabe sei durch die Razzia in der Nacht zuvor in Istanbul verhindert worden. Bereits ausgelieferte Exemplare seien konfisziert worden. "Heute haben sie die Polizei geschickt, um uns Angst einzuflößen. Aber wir werden weder Selbstzensur betreiben, noch unsere Richtung ändern." Die Druckerei, die ebenfalls durchsucht worden sei, habe die Zusammenarbeit mit "Nokta" beendet. "Hier wird mit allen Mitteln versucht, das Magazin dicht zu machen."

Kritiker werfen Erdogan vor, aus der eskalierenden Gewalt in der Türkei politisches Kapital schlagen zu wollen. "Nokta" erscheint nach Güvens Angaben mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren wöchentlich.

Die Internetseite der Erdogan-kritischen Zeitung "Cumhuriyet" war am Montag aus der Türkei heraus nicht aufrufbar. "Cumhuriyet" warf dem Internetprovider Türk Telekom vor, "Zensur" zu betreiben. Ziel sei, "Nachrichten, die dem Palast nicht gefallen, zu blockieren". 

fin / DPA