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Erster Auftritt des Kreml-Kritikers Chodorkowski will Symbol der Hoffnung sein


Es war der erste öffentliche Auftrittt seit seiner Haftentlassung: Michail Chodorkowski hat Merkel und Genscher für ihre Hilfe gedankt und an die vielen anderen politischen Häftlinge erinnert.

Kremlgegner Michail Chodorkowski hat Deutschland und andere westliche Demokratien aufgefordert, das Schicksal von weiteren politischen Häftlingen in Russland nicht zu vergessen. "Ich hoffe sehr, dass die Politiker, wenn sie sich mit Wladimir Putin austauschen, daran denken, dass ich nicht der letzte politische Gefangene in Russland war", sagte der 50-Jährige auf seiner ersten Pressekonferenz nach der Freilassung am Sonntag in Berlin.

Sein eigenes Schicksal sollte dabei als Ansporn dienen: "Bitte sehen sie mich als Symbol dafür, dass die Bemühungen der Menschen auch zur Freilassung von Gefangenen führen können, bei denen wir das nicht für möglich gehalten hätten“, erklärte der frühere Yukos-Chef.

Zum Fall der in der Ukraine inhaftierten Oppositionsführerin Julia Timoschenko sagte Chodorkowski, er hoffe, dass der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch die frühere Regierungschefin in die Freiheit entlasse. Das Schicksal der schon mehrere Wochen lang von proeuropäischen Protesten erschütterten Ex-Sowjetrepublik lasse ihn nicht gleichgültig, weil er auch viele Verwandte in der Ukraine habe.

"Ich habe ein Visum für ein Jahr"

Nach seiner Freilassung aus russischer Lagerhaft am Freitag will Chodorkowski nun zunächst in Berlin bleiben. Wo er künftig leben wird, ließ Chodorkowski aber offen. "Ich hatte bislang noch keine Möglichkeit, mich mit meinen Familienangehörigen zu beraten." Zunächst einmal wolle er in Deutschland bleiben. "Ich habe ein Visum für ein Jahr. Dieses Visum habe ich erst einmal." Auf eine Rückkehr nach Russland will der ehemalige Milliardär vorerst verzichten. Der 50-Jährige begründete dies damit, dass er keine Garantien habe, dann auch wieder ausreisen zu dürfen.

Nach dem Wiedersehen mit seinen Eltern und seinem ältesten Sohn werden nun auch seine zweite Ehefrau Inna und die drei gemeinsamen Kinder in der deutschen Hauptstadt erwartet. Am Sonntag hielten sich Frau und Kinder noch in der Schweiz auf, hieß es aus Chodorkowskis Umgebung. Er selbst wohnt derzeit im Hotel "Adlon" am Brandenburger Tor.

"Ohne Merkel und Genscher wäre ich nicht frei"

Chodorkowski dankte ausdrücklich dem ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Hilfe bei seiner Freilassung. Ohne den Einsatz Merkels und die "Anstrengungen" Genschers wäre er nicht in Freiheit, sagte der frühere Öl-Milliardär. Durch die Bemühungen Genschers sei "ein Punkt erreicht" worden, durch den "die Yukos-Sache" an ein Ende kommen könne.

Er habe von seinen Anwälten von der Möglichkeit einer Freilassung erstmals Mitte November im Straflager gehört, berichtete Chodorkowski. Ihm sei mitgeteilt worden, dass Genscher mit Putin darüber gesprochen habe, und "dass Präsident Putin ein Schuldbekenntnis nicht zur Bedingung macht", und dass er "ein Gnadengesuch ohne Schuldeingeständnis schreiben" könne. Dieses zu schreiben, sei für ihn dann eine "Formalität" gewesen. Er habe aus früheren Kontakten zu Genscher gewusst, dass der ehemalige Minister "nichts Schlechtes" für ihn machen würde, sagte Chodorkowski. Zum Glück sei es noch besser gekommen: "Er hat etwas Gutes bewirkt."

Chodorkowski war als ehemaliger Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos 2003 festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den früheren Ölmagnaten am Freitag nach mehr als zehn Jahren Lagerhaft begnadigt. Chodorkowski wurde umgehend aus dem Gefängnis entlassen und reiste überraschend nach Berlin, wo er von Genscher empfangen wurde.


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