EU-Einrichtungen Vierte Briefbombe in Den Haag aufgetaucht


Eine Serie von Briefbomben gegen europäische Institutionen alarmiert EU-weit die Sicherheitsbehörden. Am Dienstagmorgen tauchte bei Eurojust, einer EU-Strafverfolgungsbehörde, ein Sprengstoffpäckchen auf.

Eine Serie von Briefbomben gegen europäische Institutionen und Persönlichkeiten hat EU-weit die Sicherheitsbehörden alarmiert. Nachdem bereits am Samstag und Montag Päckchen mit explosivem Material an Kommissionspräsident Romano Prodi, an den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, und an Interpol die Behörden aufgeschreckt hatten, tauchte am Dienstag eine vierte Briefbombe bei Eurojust in Den Haag auf. Verletzt wurde bislang niemand. Verdächtigt werden italienische Anarchisten.

Wegen seiner Bedeutung zog am Dienstag die Bundesanwaltschaft den Fall Trichet an sich. Ihr Sprecher Hartmut Schneider sprach von einer "funktionstauglichen Briefbombe". Es werde gegen "Angehörige einer italienischen Vereinigung, die dem anarchistischen Spektrum nahe steht", wegen des Tatverdachts des versuchten Mordes und der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Der Brief an Trichet war von der Postkontrolle der Zentralbank abgefangen worden und nicht in die Hände des EZB-Chefs gelangt. Die Bombe wurde von Fachleuten unschädlich gemacht.

Ermittlungsergebnisse werden nächste Woche erwartet

Allerdings stand bis zum Nachmittag noch nicht genau fest, welcher Art der gefundene Sprengstoff ist. Ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamtes (LKA) in Wiesbaden erklärte, der Brief an Trichet und sein Inhalt würden in den nächsten Tagen weiter eingehend spurentechnisch und chemisch untersucht. Dasselbe gilt für die Sprengstoffpäckchen in Bologna und Den Haag. Ein vollständiges Ergebnis wird allerdings erst später in der Woche vorliegen.

Das Sprengstoffpäckchen bei Eurojust, einer EU-Behörde, die europaweit Strafverfolgungsmaßnahmen koordiniert, war am Dienstagmorgen im Posteingang gefunden worden. Nach den Worten eines niederländischen Polizeisprechers wurde die Bombe von Spezialisten entschärft, so dass sie keinen Schaden anrichten konnte. Dasselbe geschah mit dem Sprengstoffpäckchen, das am Montag bei Europol in Den Haag eingetroffen war.

EU verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Bereits am Samstag war ein Brief mit explosivem Material im Privathaus von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi in Bologna eingegangen. Beim Öffnen ging das Päckchen in Flammen auf, die den Kommissionschef aber nicht verletzten.

Die italienische Polizei vermutete bereits am Wochenende hinter dem Anschlag auf Prodi eine Extremistengruppe. Am 21. Dezember waren zwei kleine, in Müllbehältern versteckte Sprengsätze unweit von Prodis Haus in Bologna explodiert. Dazu hatte sich eine bislang unbekannte Gruppe mit dem Namen Informeller Anarchistischer Bund (FAI) bekannt. Die ermittelnden Behörden gehen mittlerweile davon aus, dass alle vier Briefbomben aus einer Hand stammen und in Bologna abgeschickt wurden.

Ein Sprecher der EU-Kommission teilte unterdessen in Brüssel mit, man habe verstärkt die EU-Gebäude abgesichert und untersuche vor allem den Posteingang noch genauer als bisher. Der Beschluss war nach seinen Worten bereits am Montag in einer Sondersitzung des Kommission gefasst worden.


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