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Einmischung in US-Wahl: Von Aufklärung keine Spur: Google und Facebook geben nur wenige Daten zu russischen Trollen preis

Google und Facebook haben versprochen, die Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf aufzuklären. Doch zwei Berichte trüben dieses Bild. Die Tech-Firmen lassen sich nicht in die Karten schauen.

Sundar Pichai

Googles CEO Sundar Pichai vor dem Ausschuss

DPA

Sie alle mussten kommen: Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg, Sundar Pichai und Jack Dorsey. Zwischen Oktober 2017 und Dezember 2018 wurden die Superstars der Tech-Branche im Silicon Valley allesamt vor den US-Kongress geladen. Dort konnten die Geschäftsführer von Facebook, Google und Twitter nicht mehr das leugnen, was sie zuvor heruntergespielt hatten: Die Erkenntnis, dass russische Troll-Fabriken in sozialen Netzwerken und Videoplattformen versucht haben, Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl zu nehmen.

Die Firmenchefs gelobten unter dem öffentlichen Druck Besserung: Sie versprachen mehr Transparenz, wer auf ihren Plattformen Kampagnen schaltet. Auch wollten sie den Abgeordneten alle notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen, um bemessen zu können, wie erfolgreich die Russen waren. Doch die Informationen kamen über Monate nur tröpfchenweise.

Google verweigert die Auskunft über Zuschauerzahlen

Der Kongress hatte die Firmen Graphika und New Knowledge damit beauftragt, die Daten auszuwerten. Nun liegen die Ergebnisse in zwei Berichten vor. Die Analysten melden aber starken Zweifel am Aufklärungswillen der Firmen an. Sie werfen Google, Facebook und Twitter vor, ihre Rolle innerhalb des russischen Propaganda-Feldzuges "verdreht" und "heruntergespielt" zu haben.Die drei Unternehmen hätten sich zudem geweigert, Daten in vollem Umfang an den US-Senat weiterzuleiten. Die Autoren der Berichte kommen zu dem Schluss, dass "wesentliche Komponenten fehlen", um das Bild der russischen Einflussnahme genau nachzeichnen zu können.

Besonders unkooperativ scheint dabei Google gewesen zu sein. Nach Erkenntnissen der Forscher stellte die Petersburger Trollfabrik Internet Research Agency (IRA) 1100 Videos auf die Plattform Youtube. Doch die Konzernmutter Google weigerte sich, Auskunft darüber zu geben, wie viele Zuschauer die Beiträge hatten und wie oft diese geteilt wurden. Die Forscher hätten diese Zahlen aufwändig rekonstruieren müssen, heißt es in dem Bericht von Graphika. Googles Datensätze beschreiben die Analysten als "bemerkenswert knapp".

Facebook steht im Verdacht, gelogen zu haben

Auch Facebook hinterlässt nach Aussage der Berichte nicht den Eindruck, wirklich um Aufklärung bemüht zu sein. So habe das Netzwerk nicht mit den Kommentaren herausgerückt, die sich unter Post sammelten, die eindeutig russische Trolle lancierten. Zudem zweifeln die New Knowledge-Forscher die Aussage der Facebook-Chefetage an, nur wenige hunderttausend Dollar an Werbe-Anzeigen verdient zu haben, die die IRA auf Facebook geschaltet hatte.

Der kleinere Konkurrent Twitter gab dagegen mehr Preis. So erhielten die Graphika-Forscher Daten zu mehr als 3841 Profilen, die zwischen 2009 und 2018 mehr acht Millionen Tweets in Umlauf gebracht hätten. Trotz dieser Datenmenge beklagen die Analysten, Twitter hätten keine Anstalten gemacht, russische Aktivitäten der letzten zwei Jahre irgendwie nachzuverfolgen.

US-Politiker klagen über die Konzerne

Angesichts dieser Befunde macht sich unter den Kongress-Abgeordneten Unmut über die Tech-Firmen breit. "Über mehrere Monate haben wir sie dazu gedrängt, mehr Daten preiszugeben", sagte Adam Schiff der "New York Times". Trotz des öffentlichen Drucks blieben die Unternehmen stur. "Ihre Weigerung, die russische Wahleinmischung aufzuklären, macht unsere Arbeit deutlich schwerer, als sie sein dürfte", so Schiff. Die Konzerne sehen dies allerdings anders. Sowohl Facebook, Google und Twitter beteuern, alle notwendigen Daten zur Aufklärung auf den Tisch gelegt zu haben.

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