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Flüchtlingsdrama: Zurück über den Zaun

Oft mit letzter Kraft versuchen hunderte afrikanische Flüchtlinge über die spanischen Exklaven Ceuta und Mellila die Wohlstandsfestung EU zu stürmen. Geschafft haben sie es noch lange nicht: Spanien will sie wieder abschieben - nach Marokko.

Angst und Fremdenfeindlichkeit sind bei den 68.000 Bewohnern der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika an der Tagesordnung. Der Flüchtlingsansturm aus Afrika hat die Menschen verunsichert. "Entweder man stoppt die Afrikaner, oder sie werden uns verschlingen", sagt ein Kneipenwirt in Mellila. So wie er denken dort viele. In der Stadt campieren über 1600 Flüchtlinge. Einige von ihnen schlafen auf der Straße, weil das Aufnahmelager völlig überfüllt ist. Und jetzt sollen sie so schnell wie möglich nur eines: wieder weg.

Spanien will offenbar ab sofort illegal in seine nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla eingereiste Afrikaner nach Marokko abschieben. Eine entsprechende Ausnahmeregelung hat die spanische Regierung mit der marokkanischen Führung vereinbart. In den vergangenen Tagen hatten hunderte Afrikaner von Marokko aus die Grenzanlagen zu den Exklaven Ceuta und Melilla überrannt. Bisher hatte Marokko sich geweigert, Flüchtlinge aus Drittstaaten wieder aufzunehmen.

Die geplante Abschiebung stützt sich auf einen 1992 mit Marokko geschlossenen Vertrag, der bislang aber nie angewendet worden ist, wie die stellvertretende spanische Ministerpräsidentin Maria Teresa Fernandez de la Vega am Mittwochabend bei einem Besuch in Melilla erläuterte. "In den nächsten Stunden, wahrscheinlich schon morgen oder übermorgen, werden die illegalen Immigranten wieder nach Marokko zurückgebracht", sagte die Ministerin. De la Vega kündigte zudem an, dass Spanien den Marokkanern bei der Versorgung der Flüchtlinge humanitäre Hilfe leisten werde. In Kürze werde ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. Die Europäische Union verhandelt bereits seit längerer Zeit mit Marokko über ein Abkommen, das die Rückführung illegaler Zuwanderer regeln soll.

Massenansturm und Todesqualen

Erneut hatten zuvor 500 Afrikaner versucht, über bis zu sechs Meter hohe Sperranlagen nach Melilla zu gelangen. Es war bereits der vierte Massenansturm von Flüchtlingen auf die spanische Stadt an der Küste Nordafrikas binnen einer Woche. 65 Afrikaner erreichten nach Angaben der Behörden spanisches Gebiet. Etwa 40 von ihnen erlitten beim Überklettern der drei Meter hohen Grenzzäune Schnittverletzungen und Prellungen. Zwei Polizisten wurden ebenfalls verletzt. Seit Ende August kamen bei den Massenanstürmen auf die Exklaven acht Afrikaner ums Leben. Fünf davon wurden Medienberichten zufolge erschossen, unklar war jedoch von wem.

In Melilla und Ceuta sind bereits Hunderte von Afrikanern in überfüllten Lagern untergebracht. Melillas Bürgermeister, Juan José Imbroda, verlangte, dass die Eindringlinge ohne jede Formalitäten sofort auf marokkanisches Gebiet zurückgeschickt werden. Viele Flüchtlinge stammen aus den ärmsten Ländern südlich der Sahara und stellen die spanischen Behörden vor erhebliche Probleme, weil es mit deren Regierungen keine Abkommen über eine automatische Rückführung gibt.

Nahezu 1000 afrikanische Flüchtlinge haben unterdessen erneut versucht, den Stacheldrahtzaun in die spanische Exklave Melilla zu überwinden. Die meisten von ihnen seien jedoch von Grenzpolizisten auf beiden Seiten abgewehrt worden, berichtete der staatliche spanische Rundfunk.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters