HOME

Griechland-Krise: EU und Tsipras machen Fortschrittchen

Alexis Tsirpas zeigt Reformwillen, die Europartner Gesprächsbereitschaft: Im griechischen Schuldenstreit gibt es nach dem Eklat von Donnerstag wieder Bewegung - und noch immer viel Skepsis.

Nach großem Krach haben sich Griechenland und die Europartner beim EU-Gipfel wieder angenähert. Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras und Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem berieten über Schritte, um den schweren Schuldenstreit zu entschärfen. Sie vereinbarten Expertengespräche schon von diesem Freitag an. Allerdings warnte Dijsselbloem vor zu hohen Erwartungen: Eine Einigung auf Expertenebene sei zwar möglich, eine politische Übereinkunft aber sehr viel schwieriger zu erreichen, erklärte der niederländische Finanzminister am Abend.

Für ein verändertes griechisches Rettungspaket sei noch viel tun, gab auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nach Abschluss des eintägigen Spitzentreffens am Donnerstag zu bedenken. "Ich bleibe beunruhigt."

Die Euro-Finanzminister werden an diesem Montag wieder verhandeln. Die Zeit drängt, denn das Rettungsprogramm läuft Ende des Monats aus.

Merkel fordert rasche Entscheidung

Die Regierung von Tsipras will etwa 30 Prozent des Rettungsplans streichen, weil sie Sparmaßnahmen als unsozial ablehnt. Vor dem Gipfel waren Krisenberatungen der Euro-Minister mit einem Eklat zu Ende gegangen - denn der griechische Ressortchef Gianis Varoufakis zog seine Zustimmung für eine Erklärung wieder zurück.

Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte eine rasche Entscheidung über das Hilfsprogramm. "Wenn es verlängert werden soll, wünsche ich mir, dass möglichst bald auch die Anträge auf die Verlängerung erfolgen."

Bei ihrer ersten Begegnung begrüßten sich Merkel und Tsipras lächelnd mit einem Händedruck und sprachen kurz miteinander. Sie habe Tsipras zu seinem Wahlsieg gratuliert und gesagt, dass sie zu einer guten Zusammenarbeit bereit sei, sagte Merkel. "Es war sehr freundlich."

Juncker sagte, falls Maßnahmen des bisherigen Spar- und Reformprogramms wegfallen sollten, müsse es dafür andere geben. "Auf dieser Basis werden wir versuchen, in den kommenden Tagen eine Einigung zu finden."

Tsipras kündigte an, seine Regierung werde Reformen vorschlagen, die auch die Staatseinnahmen erhöhten. So will die Regierung Korruption und die Steuerflucht besser bekämpfen. "Die Medizin, die Griechenland mit der Budgetsanierung eingenommen hat, hat das Land verwüstet."

mad/DPA / DPA