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Irak-Geisel: "Wir glauben, dass Ken lebt"

Der Bruder des im Irak entführten Briten Kenneth Bigley geht davon aus, dass dieser noch am Leben ist. Gleichzeitig übt Paul Bigley harsche Kritik am britischen Premierminister Blair.

Der Bruder einer im Irak entführter britischen Geisel hat am Sonntag Informationen bestätigt, wonach der Verschleppte offenbar am Leben ist. Zugleich warf er der britischen Regierung Untätigkeit in der Geiselkrise vor.

"Senden Sie eine Botschaft an El Dschasira", sagte Paul Bigley in einem BBC-Fernsehinterview. "Sie müssen nicht mit Verbrechern verhandeln, das habe ich nie verlangt." Ein einziges Schreiben reiche möglicherweise, um das Leben seines Bruders zu retten, sagte der in Amsterdam lebende Paul Bigley.

"Ich bin sicher, dass mein Bruder noch am Leben ist", wiederholte er, bestritt jedoch Berichte, er stehe in E-Mail-Kontakt mit den Entführern: "Ich bin nicht in direktem Kontakt mit diesen Leuten."

"Todeskuss" für seinen Bruder

Am Rande des Parteitags der in Großbritannien regierenden Labour-Partei sagte der per Telefon aus den Niederlanden zugeschaltete Paul Bigley am Sonntag einer Versammlung von Kriegsgegnern, er habe am Abend Informationen erhalten, wonach sein Bruder Kenneth am Leben sei. Die britische Regierung habe aber bisher nur wenig getan, um den 62-jährigen Bauingenieur aus der Geiselhaft freizubekommen. "Ich verlange ja nicht, dass sie verhandeln, sondern dass sie einfach nur kommunizieren. Schickt einfach ein lausiges, verdammtes Fax!", sagte Bigley, der während der Übertragung zusammenbrach. Das Schweigen des britischen Premierministers Tony Blair in der Geiselkrise komme einem "Todeskuss" für seinen Bruder gleich.

In einem Interview des US-Senders CNN deutete Paul Bigley an, es gebe Gespräche mit den Geiselnehmern. "Ein Dialog ist im Gange, und dieser ist nicht von der Downing Street eröffnet worden", sagte der Bruder der Geisel. Auf Nachfrage sagte er, der Dialog laufe über den arabischen Fernsehsender El Dschasira, der das "das Postfach der Golfregion" sei. "Wir glauben, dass Ken lebt", sagte Paul Bigley, ohne weitere Details zu nennen.

Kontakt über Mittelmänner

Zuvor hatte der Leiter des Islamic Observation Centre, Yasser al-Serri, der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, seine Gruppe habe sich über Mittelsmänner für eine Freilassung des zehn Tage zuvor entführten Kenneth Bigley eingesetzt. "Uns wurde heute von den Mittelsmännern gesagt, dass die britische Geisel noch am Leben ist." Die Bitte um Freilassung werde in Erwägung gezogen. Am Samstag war in einem Chatroom einer islamischen Internet-Seite erklärt worden, der Ingenieur sei tot.

Der Brite war zusammen mit zwei US-Bürgern von Extremisten um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkaui entführt worden. Die Amerikaner sind enthauptet worden. Al-Sarkauis Gruppe hat mit der Tötung auch des Briten gedroht, sollten die USA nicht alle weiblichen Gefangenen in irakischen Gefängnissen freilassen.

Al-Serri hatte sich im Juli 2002 erfolgreich gegen eine Auslieferung an die USA gewehrt. Die US-Regierung wirft ihm vor, die Al-Kaida-Gruppe des Moslem-Extremisten Osama bin Laden finanziell zu unterstützen. Al-Serri war 1994 von einem ägyptischen Militärgericht im Zusammenhang mit einem gescheiterten Attentat auf Ministerpräsident Atef Sedki in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters