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Irak: Schiiten wegen Foltervorwürfen unter Druck

Nach der Entdeckung eines geheimen Folterkellers im Irak erhebt die sunnitische Minderheit schwere Vorwürfe gegen ihre schiitischen Landsleute: Sie sollen auch in anderen Gefängnissen Sunniten foltern.

Zwischen den USA, den irakischen Sunniten und den Schiiten des Landes bahnt sich ein ernstzunehmender Konflikt an. Grund sind Foltervorwürfe, die sich vor allem gegen die von Schiiten-dominierte Regierung in Bagdad richten.

Am Dienstag wurde bekannt, dass das US-Militär ein geheimes Folterzentrum im Irak entdeckt hat. Dem Nachrichtensender CNN hatte der irakische Vize-Innenminister Hussein Kamal berichtet, in einem Gebäude des Innenministeriums seien 173 Häftlinge entdeckt worden, von denen viele deutliche Folterspuren aufwiesen und unterernährt seien. Ein oder zwei Häftlinge seien gelähmt gewesen.

US-Regierung "tief besorgt"

Die USA und Großbritannien forderten von der Regierung in Bagdad eine rasche Aufklärung der Vorwürfe. Die US-Regierung sei "zutiefst besorgt", sagte Außenamtssprecher Adam Ereli in Washington. Die Verantwortlichen für Missbrauch und Folter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Der britische Außenminister Jack Straw verurteilte die offensichtliche Misshandlung der Häftlinge als "völlig inakzeptabel".

Aber auch die USA sind wegen umstrittener Militäreinsätze im Irak in die Kritik geraten: Irakische Menschenrechtler untersuchen derzeit den Einsatz von Phosphor-Geschossen durch US-Truppen gegen Aufständische in Falludscha. Ein Pentagon-Sprecher hatte zuvor den Einsatz von weißem Phosphor bei der Offensive in der früheren Rebellenhochburg Falludscha vor einem Jahr eingeräumt. Oberstleutnant Barry Venable sagte jedoch, dass die Brandwaffe nicht gegen Zivilisten verwendet wurde.

Weißer Phosphor entzündet sich, sobald er mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Dabei entstehen eine Stichflamme und dichter weißer Qualm.

Daneben erhebt nun auch die sunnitische Islamische Partei schwere Vorwürfe gegen die Schiiten. Auch in anderen Gefängnissen des irakischen Innenministeriums würden Häftlinge misshandelt, dafür könne die Islamische Partei Beweise vorlegen. "Wir haben schon lange Beweise, Fotos und CDs, die zeigen, wie Sunniten gefoltert wurden, und wir haben diese an die Regierung und die Vereinten Nationen geschickt", sagte ein Sprecher der sunnitischen Partei in Bagdad.

Er forderte die schiitischen Geistlichen des Landes auf, die Folter der Gefangenen öffentlich zu verurteilen. Außenminister Hoschiar Sebari widersprach der Darstellung, dass schiitische Beamte des Innenministeriums gezielt sunnitische Araber misshandelt hätten. "Vielleicht ist es an einigen Orten zu ungesetzlichen Handlungen gekommen, aber es waren nicht Schiiten gegen Sunniten", sagte der Minister. Folter sei in jedem Fall nicht zu akzeptieren, "denn wir (die ehemalige Opposition) sind selbst Opfer dieser Art von Menschenrechtsverletzungen durch das Regime von Saddam Hussein gewesen".

Der Irak wird von drei Bevölkerungsgruppen bewohnt, dabei stellen Schiiten und Kurden die Mehrheit, die Sunniten in der Minderheit. Das Saddam-Regime war hauptsächlich Sunnitisch geprägt. Die bürgerkriegsähnliche Zustände beruhen auch auf den Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen.

MIt Material von DPA/Reuters/AP / AP / Reuters