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IS schlachtet Christen ab: Libyen - die nächste Brutstätte des Terrors

Fällt nach Syrien und dem Irak nun Libyen in die Hände des Islamischen Staats? Sicher ist: Nach dem Sturz von Muammar al Gaddafi ist das Land ins Chaos gestürzt. Beste Voraussetzungen für Extremisten.

IS-Kämpfer führen koptische Christen an einen Strand. Dort sollen sie später enthauptet werden.

IS-Kämpfer führen koptische Christen an einen Strand. Dort sollen sie später enthauptet werden.

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat ihre blutigen Botschaften bisher aus Syrien und dem Irak geschickt. Doch die Enthauptung von christlichen Kopten im vom Bürgerkrieg zerrissenen Libyen macht drastisch klar, dass die Dschihadisten auch in dem ölreichen Land auf dem Vormarsch sind. Ein Sonntag veröffentlichtes Video soll zeigen, wie die 21 ägyptischen Geiseln an der Küste in der Hauptstadt Tripolis hingerichtet werden.

In dem Film richtet einer der maskierten und uniformierten Männer ein Messer auf die Kamera und sagt auf Englisch: "Wir befinden uns hier südlich von Rom, im Land des Islam Libyen (...) das Meer, in dem ihr die Leiche von Scheich Osama bin Laden versteckt habt, wir schwören bei Allah, wir werden es mit eurem Blut mischen." Bin Laden, der ehemalige Chef von al Kaida, war im Mai 2011 bei einer US-Kommandoaktion in Pakistan getötet worden. Seine sterblichen Überreste wurden an einem geheim gehaltenen Ort im Meer versenkt.

Dem IS die Treue geschworen

Der IS (hervorgegangen aus der Terrorbewegung "al Kaida im Irak") und al Kaida machen seit einigen Monaten gemeinsame Sache. Im Nahen Osten hat der IS ein Gebiet von der Größe Italiens erobert und ein Kalifat ausgerufen. Vielen anderen Extremisten imponiert dieser militärische Erfolg - vor allem in Nordafrika. Diverse Gruppen haben sich deshalb der Bewegung angeschlossen.

Ende Oktober leistete die im ostlibyschen Derna kämpfende Miliz "Schura-Rat der Jugend des Islams" dem IS einen Treueschwur. Die Organisation war als Kaida-Ableger gegründet worden. In Derna ist mittlerweile der IS ansässig. Die Stadt war die erste außerhalb des Iraks und Syriens, die dem IS-Kalifat beitrat.

Wer Widerstand leistete, wurde von Scharia-Milizen öffentlich hingerichtet. Viele Gegner flüchteten in den Untergrund, Schüler und Schülerinnen wurden getrennt unterrichtet, Verstöße gegen das islamische Recht wurden mit Peitschenhieben bestraft. Die Terrormiliz sandte einen zum Emir ernannten Jemeniten nach Derna, um die Stadt zu leiten.

Regierung floh nach Ostlibyen

Heute unterteilt der "Schura-Rat der Jugend des Islams" sich nach eigener Darstellung in einen ost- und einen westlibyschen "Staat". Sie rekrutiert sich aus ehemaligen Rebellen, die 2011 gegen den Langzeitherrscher Muammar al Gaddafi gekämpft hatten. Seit Wochen machen die Dschihadisten mit präzise koordinierten Anschlägen über Derna hinaus auf sich aufmerksam - und nun auch mit dem Video von der Ermordung der Kopten. Als Reaktion auf den Terrorakt, flogen ägyptische und libysche Flugzeuge Luftangriffe gegen die Extremisten. Mindestens 40 bis 50 IS-Kämpfer sollen dabei getötet worden sein.

In Libyen herrschen seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al Gaddafi Chaos und Gewalt. Im Sommer eroberten islamistische Milizen die Hauptstadt Tripolis und bildeten dort ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung unter Führung ihres Chefs Omar al Hassi. Die international anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdullah al Thani und das Parlament flohen nach Tobruk im äußersten Osten des Landes.

Immer wieder versuchen Menschen aus Libyen zu entkommen und wagen die gefährliche Reise in Flüchtlingsbooten über das Mittelmeer. Nach monatelangem Stillstand wurden zuletzt wieder Friedensverhandlungen aufgenommen.

mka/nk/DPA/AFP / DPA