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Neue Terrorbotschaft: IS will Big Ben und Eiffelturm in die Luft jagen

Der Islamische Staat weitet sich mit dem Treueeid von Boko Haram nach Afrika aus. Die Dschihadisten spielen Gebietsverluste im Irak und Syrien herunter und drohen nun mit neuen Anschlägen in Europa.

Machtdemonstration eines IS-Terroristen in der syrischen Stadt Rakka: Der Islamische Staat will künftig Westeuropa verstärkt ins Visier nehmen

Machtdemonstration eines IS-Terroristen in der syrischen Stadt Rakka: Der Islamische Staat will künftig Westeuropa verstärkt ins Visier nehmen

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat die Gefolgschaft der afrikanischen Islamistengruppe Boko Haram angenommen. Die Gruppe veröffentlichte am Donnerstag in sozialen Netzwerken eine Audiobotschaft, in der IS-Sprecher Mohammed al-Adnani zu hören sein soll. Dieser verkündet die "gute Neuigkeit der Ausweitung des Kalifats auf Westafrika". In der 28 Minuten langen Botschaft werden Berichte über Erfolge der IS-Gegner in Tikrit und Kobane als unbedeutend heruntergespielt - und mit einer neuen Terrorbotschaft beantwortet.

Während die Feinde des Islamischen Staates Städte im Irak einnehmen wollten, nehme die Organisation westliche Städte ins Visier, heißt es darin. "Wir wollen mit Gottes Hilfe Paris vor Rom und Al-Andalus, nachdem wir Euer Leben schwarz und dunkel gemacht haben (...)", droht der arabisch sprechende al-Adnani. "Wir werden das Weiße Haus, Big Ben und den Eiffelturm explodieren lassen." Al-Andalus ist der arabische Name für die Teile der iberischen Halbinsel, die zwischen 711 und 1492 unter muslimischer Herrschaft standen.

Islamischer Staat weitet sich aus

"Unser Kalif, Gott schütze ihn, hat den Treueschwur unserer Brüder der Boko Haram akzeptiert", sagt der IS-Terrorist in der knapp 30-minütigen Aufnahme im Namen von IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi. Damit eröffne sich für Muslime, die sich nicht dem IS in Syrien oder dem Irak anschließen könnten, eine neue Möglichkeit "in das Land des Islams auszuwandern und zu kämpfen".

Die Audio-Botschaft ruft auch Muslime dazu auf, sich nach Westafrika zu begeben und sich den dort kämpfenden Boko-Haram-Mitgliedern anzuschließen. "Unser Kalifat setzt sich zur Wehr und stößt in die richtige Richtung vor", sagt al-Adnani. Der Kampf gegen Schiiten und die "Kreuzritter" werde fortgesetzt.

Die radikale Sunnitengruppe Boko Haram hat in den vergangenen Jahren Tausende von Menschen in Nigeria, Kamerun, dem Tschad und dem Niger getötet. Sie hat angekündigt, einen islamischen Staat mit strengen religiösen Regeln errichten zu wollen. Am Samstag hatte sie dem IS die Treue geschworen. Diese Gruppe wiederum hat große Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht und dort ein Kalifat ausgerufen, eine besondere Form eines islamischen Religionsstaates. In Afghanistan, Pakistan und Nordafrika hatten sich zuvor bereits mehrere Islamistengruppen mit dem IS verbündet.

IS nennt Erfolge seiner Gener "Illusionen"

Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres große Gebiete im Irak und in Syrien unter seine Kontrolle gebracht und herrscht in dem dort ausgerufenen Kalifat mit brutaler Hand. Eine von den USA angeführte internationale Militärkoalition geht seit mehreren Monaten gegen IS-Stellungen vor. Al-Adnani bezeichnete die "von der Koalition ausgerufenen Siege" im Kampf gegen die Miliz allerdings als "Illusionen". Im Irak seien nur "wenige Zoll Land" von den Regierungstruppen zurückerobert worden.

Seit knapp zwei Wochen läuft im Irak eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt Tikrit nördlich von Bagdad aus den Händen des IS. Tausende irakische Soldaten sind im Einsatz, es ist der bislang größte Militäreinsatz gegen die Dschihadistenmiliz. Am Donnerstag erklärte das irakische Militär, an der Rückeroberung von Tikrit bestehe kein Zweifel. "Die Zeit ist auf unserer Seite", erklärte Verteidigungsminister Chaled al-Obeidi. Polizeigeneral Bahaa al-Assaui sagte der Nachrichtenagentur AFP, Tikrit sei "von allen Seiten umzingelt". Jedoch solle "nichts überstürzt" werden.

lie/AFP/Reuters / Reuters