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Vermisster Journalist: Khashoggi soll bei "Schlägerei" gestorben sein - so begründet Saudi-Arabien seinen Tod

Der Journalist Jamal Khashoggi ist seit mehr als zwei Wochen vermisst, nun gibt Saudi-Arabien zu: Er ist tot. Das Königreich liefert auch gleich eine Version mit, wie es zu Khashoggis Tod kam.

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi beim Weltwirtschaftsforum in Davis 2011. Er lebte seit etwa einem Jahr in den USA und wurde in der Botschaft seines Heimatlandes Saudi-Arabien in Istanbul getötet.

Der saudische Journalist Jamal Khashoggi beim Weltwirtschaftsforum in Davis 2011. Er lebte seit etwa einem Jahr in den USA und wurde in der Botschaft seines Heimatlandes Saudi-Arabien in Istanbul getötet.

DPA

Nach tagelangem Dementi hat Saudi-Arabien zugegeben, dass der vermisste Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul getötet worden ist. Ein Streit zwischen Khashoggi und Männern im Konsulat habe sich zu einer "Schlägerei" entwickelt, "die zu seinem Tod führte", sagte der saudiarabische Generalstaatsanwalt Scheich Saud al-Modscheb am Samstag. Während US-Präsident Donald Trump die Erklärung als glaubwürdig einschätzte, reagierten Mitglieder des US-Kongresses skeptisch. UN-Sekretär Antonio Guterres zeigte sich ob der Nachricht "zutiefst beunruhigt".

Am Samstagmorgen wurde zudem bekannt, dass der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und der saudische König Salman miteinander telefoniert hatten, kurz bevor das Königreich den Tod des Journalisten eingestanden hatte. Das berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Erdogan und Salman hätten am Freitagabend über den Fall Khashoggi gesprochen und über die Wichtigkeit, voll bei den Ermittlungen zu kooperieren. Während des Gesprächs hätten der Präsident und der König Informationen über die Fortschritte der Ermittlungen ausgetauscht.

Das Königreich teilte zudem mit, dass 18 Menschen im Zusammenhang mit den Ermittlungen im Fall Khashoggi festgenommen worden seien. Zudem wurden der  Vize-Geheimdienstchef Ahmad al-Assiri und der Medienberater am königlichen Hof Saud al-Kahtani entlassen. Auch habe König Salman die Einrichtung eines Ausschusses unter der Leitung von Kronprinz Mohammed bin Salman angeordnet, der den Geheimdienst des Landes umbauen und dessen "Befugnisse genau" festlegen soll, berichteten Staatsmedien.

Jamal Khashoggi ging ins Konsulat - und kam nie wieder heraus

Khashoggi war am 2. Oktober in das Istanbuler Konsulat gegangen, um ein Dokument für seine Hochzeit abzuholen, und galt seitdem als verschwunden. Von türkischer Seite besteht der Verdacht, dass Kronprinz bin Salman den prominenten kritischen Journalisten im Konsulat ermorden ließ. Saudi-Arabien hatte bisher stets behauptet, Khashoggi habe das Konsulat nach seinem Besuch wieder verlassen.

In einer ersten Reaktion sagte US-Präsident Trump, er halte die Version Saudi-Arabiens vom Tod Khashoggis glaubwürdig. "Es ist noch früh, wir haben unsere Überprüfung oder Ermittlung noch nicht beendet", fügte er hinzu. Es handele sich aber um einen "sehr wichtigen ersten Schritt".

Im Falle von US-Sanktionen gegen Riad würde er es vorziehen, "dass wir als Strafe nicht Arbeit im Wert von 110 Milliarden Dollar annullieren", sagte Trump in Arizona mit Verweis auf ein großes Rüstungsgeschäft mit Saudi-Arabien. Es sei "zu früh, um zu sagen", wie die USA reagieren.

Deutlichere Reaktionen gab es aus dem US-Kongress. Der republikanische Senator und Trump-Verbündete Lindsey Graham bezweifelte die Glaubwürdigkeit der saudiarabischen Behörden. "Zu sagen, dass ich skeptisch gegenüber der neuen saudiarabischen Geschichte über Herrn Khashoggi bin, ist eine Untertreibung", schrieb Graham im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der demokratische Senator Bob Menendez forderte Sanktionen gegen saudiarabische Staatsbürger, die am Tod des Journalisten beteiligt waren. "Selbst wenn Khashoggi wegen einer Auseinandersetzung starb, ist das keine Entschuldigung für Mord", twitterte der Außenexperte. "Wir müssen den internationalen Druck aufrecht erhalten", fügte er hinzu.

Jamal Khashoggi war Kolumnist der "Washington Post"

Khashoggi lebte seit September 2017 im Exil in den USA und arbeitete als Kolumnist für die Zeitung "Washington Post".

UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte "zutiefst beunruhigt" über den gewaltsamen Tod Khashoggis, wie sein Büro mitteilte. Guterres bekräftigte die Notwendigkeit einer "unmittelbaren, gründlichen und transparenten Untersuchung" der Todesumstände.

Ankara hat bisher kaum Einzelheiten zu den Ermittlungen im Fall Khashoggi bekannt gegeben, doch veröffentlichen Medien ständig neue Details von der Polizei. Vermutlich lancierten türkische Regierungsmitglieder diese Einzelheiten in der Presse. Laut Medienberichten verfügen die Ermittler über Audioaufnahmen aus dem Konsulat, auf denen zu hören sein soll, wie Khashoggi gefoltert und ermordet wird. Die Details, die auf diesem Wege bekannt wurden, waren in den vergangenen Tagen zunehmend grausiger geworden.

Im Laufe des Freitags hatte die Türkei den Druck auf Saudi-Arabien weiter erhöht und 15 türkische Angestellte des saudischen Konsulats als Zeugen vorgeladen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte gleichzeitig an, dass die Türkei die Ergebnisse ihrer Ermittlungen "mit der gesamten Weltöffentlichkeit" teilen werde, sobald sich alles vollständig geklärt habe. 

anb / AFP / DPA