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Machtkampf bei Front National: Jean-Marie Le Pen erklärt seiner Tochter den Krieg

Jean-Marie Le Pen gründete den Front National. Jetzt schmiss ihn seine eigene Tochter aus der Partei. Für Le Pen gibt es kein Halten mehr: Er attackiert seine Tochter - und erklärt ihr den Krieg.

Lassen kein gutes Haar mehr aneinander: Marine Le Pen (links) und ihr Vater Jean-Marie Le Pen

Lassen kein gutes Haar mehr aneinander: Marine Le Pen (links) und ihr Vater Jean-Marie Le Pen

Bei Frankreichs rechtsextremer Front National (FN) ist endgültig ein offener Krieg zwischen Parteigründer Jean-Marie Le Pen und seiner Tochter Marine Le Pen ausgebrochen. Nach der Suspendierung seiner FN-Mitgliedschaft warf der 86-Jährige der jetzigen Parteichefin "Verrat" vor. Zugleich sprach er seiner Tochter die Eignung ab, französische Staatschefin zu werden. "Ich denke nicht an die Rente, ich denke an Attacke", warnte der Parteigründer.

Das FN-Exekutivbüro hatte am Montagabend die Mitgliedschaft des 86-Jährigen ausgesetzt und damit die Konsequenzen aus wiederholten antisemitischen Äußerungen des Parteigründers gezogen. Binnen drei Monaten soll bei einem außerordentlichen Parteitag zudem beschlossen werden, Le Pen den Titel des Ehrenvorsitzenden der Partei zu entziehen. Dazu müssen die Parteistatuten geändert werden.

Vater Le Pen wird nicht kampflos gehen

Noch am Montagabend warf Jean-Marie Le Pen seiner Tochter einen "Treuebruch" vor und sagte, sie solle nicht mehr seinen Namen tragen, weil dies für ihn "entehrend" sei. Heute setzte Le Pen die Attacken auf die Parteivorsitzende fort: "Ich erkenne keinerlei Verbindung zu jemandem an, der mich auf so skandalöse Art verraten hat", sagte er dem Sender Europe 1. "Wenn derartige moralische Prinzipien den französischen Staat leiten sollten, wäre dies skandalös". Einen Sieg seiner Tochter bei den Präsidentschaftswahlen 2017 wünsche er "im Moment nicht".

Umfragen zufolge könnte Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren in der ersten Wahlrunde an erster Stelle landen. Sollte sie in der Stichwahl auf den bei den Franzosen höchst unbeliebten sozialistischen Amtsinhaber François Hollande treffen, wäre sogar ein Sieg möglich, wie eine in der Tageszeitung "Le Parisien" veröffentlichte Umfrage ergab. Jean-Marie Le Pen selbst hatte es bei den Präsidentschaftswahlen 2002 in die zweite Runde geschafft, wo er Amtsinhaber Jacques Chirac deutlich unterlag.

Der FN-Gründer machte deutlich, dass er sich nicht kampflos von der politischen Bühne verdrängen lassen wird. "Ich werde mit allen Mitteln kämpfen, damit die Gerechtigkeit wiederhergestellt wird", sagte er Europe 1 und zeigte sich überzeugt, dass sich "viele" FN-Mitglieder hinter ihn stellen würden. Sich selbst sieht er als Opfer eines "Komplotts", den FN-Exekutivrat bezeichnete er im Sender RMC als "Hinrichtungskommando".

Wiederholte Leugnung des Holocaust

Der 86-Jährige hatte Anfang April erneut die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als "Detail" der Geschichte bezeichnet und damit die Wut seiner Tochter auf sich gezogen. Die 46-Jährige will die Partei "entdämonisieren" und sie mit einem gemäßigteren Image für breitere Schichten wählbar machen. Ihr Vater torpedierte diesen Kurs aber immer wieder.

FN-Vize Florian Philippot rechtfertigte die Bestrafung des Parteigründers damit, dass die FN-Anhänger dessen "ständige Provokationen extrem leid" seien. Die Äußerungen des langjährigen Patriarchen seien "sehr weit" von der heutigen Parteilinie entfernt. Jean-Marie Le Pen hatte die Front National 1972 mitgegründet und rund vier Jahrzehnte angeführt. Anfang 2011 trat er den Parteivorsitz an seine Tochter Marine ab, unter deren Führung die Rechtsextremen bei den Europawahlen vor einem Jahr erstmals stärkste Kraft in Frankreich wurden.

yps/AFP / AFP