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Krieg im Gazastreifen: Mehr als 200.000 Menschen auf der Flucht

Der Gazastreifen erlebt die heftigsten Angriffe seit Beginn der israelischen Offensive. Das einzige Kraftwerk wurde beschossen und brennt. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Der Gazastreifen hat in der Nacht zum Dienstag die heftigsten Angriffe seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen erlebt. Mindestens 30 Palästinenser starben nach Berichten von Augenzeugen.

Vom Land, aus der Luft und vom Meer aus beschossen die israelischen Streitkräfte nach eigenen Angaben 70 Ziele in dem Küstenstreifen, darunter auch das Haus des Hamas-Anführers Ismail Hanija. Die Zahl der palästinensischen Opfer seit Beginn der Offensive stieg damit auf über 1100. Auf israelischer Seite kamen 53 Soldaten ums Leben sowie drei Zivilisten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte am Montag seine Landsleute auf einen längeren Krieg eingestellt, der erst dann enden werde, wenn das Tunnelsystem der Hamas zerstört und der Gazastreifen entmilitarisiert sei. "Wir werden diese Operation nicht vorher beenden, bis die Tunnel ausgeschaltet sind, deren einziger Zweck es ist, unsere Bürger und unsere Kinder zu töten", sagt Netanjahu in einer Fernsehansprache. Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages im Newsticker.

+++ 18.19 Uhr: UN finden Waffenlager in nicht genutzter Schule +++

Mitarbeiter der Vereinten Nationen (UN) im Gazastreifen finden in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Die Weltorganisation beschuldigt militante Palästinenser, "die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt" zu haben. Die Schule werde derzeit nicht genutzt.

+++ 17.51 Uhr: Zahl der Flüchtlinge übersteigt 200.000 +++

Die Zahl der durch den Krieg vertriebenen Menschen in UN-Unterkünften im Gazastreifen steigt auf über 200.000. Die vor den israelischen Bombenangriffen geflüchteten Palästinenser würden in 85 Notunterkünften des UN-Hilfswerks UNRWA Schutz suchen, teilt UNRWA-Sprecher Chris Gunness mit. In dem abgeriegelten Mittelmeer-Küstenstreifen leben 1,8 Millionen Menschen. Damit sind mehr als zehn Prozent auf der Flucht.

+++ 17.30 Uhr: Junge Deutsche: "Wir wissen nicht, wo wir hingehen sollen"

Die Situation der Menschen in Gaza wird von Tag zu Tag dramatischer. "Wir wissen jetzt nicht, wo wir hingehen sollen. Das ist das Problem", sagt Eman Sadek, eine Deutsche mit palästinensischen Wurzeln, die in der Stadt lebt.

An Schlaf sei nicht zu denken, da in der Nacht bombardiert werde, sagt die 18-Jährige. "Unser Haus ist nah am Meer, da kann man auch die Schiffe der Israelis sehen", berichtet Sadek. Da auch der Strom fehle, sei am Abend Kerzenlicht notwendig. Den Zusammenhalt in der Bevölkerung schätzt Sadek allerdings als groß ein. "Die ganzen Leute halten zusammen, das ist das schönste hier in Gaza."

+++ 16.40 Uhr: 13 Palästinenser bei israelischem Angriff getötet +++

Bei einem israelischen Angriff auf ein Ziel im Norden des Gazastreifens sterben nach Angaben von Ärzten mindestens 13 Palästinenser. Der Sprecher der palästinensischen Rettungskräfte, Aschraf al-Kudra, sagt, israelische Panzergranaten hätten mehrere Häuser in der Stadt Dschebalija getroffen. Alle Todesopfer seien Zivilisten gewesen.

+++ 15.55 Uhr: Hamas-Sprecher dementiert angekündigte Waffenruhe +++

Die im Gazastreifen herrschende Hamas dementiert Berichte über eine Waffenruhe mit Israel. Der Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri weist eine entsprechende Ankündigung der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO zurück. PLO-Funktionär Jasser Abed Rabbo hatte zuvor gesagt, die militanten Palästinenser hätten einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt. Abu Suhri sagte jedoch, Rabbo vertrete nicht die Position der Hamas.

"Wenn wir eine israelische Verpflichtung mit internationalen Garantien über eine humanitäre Feuerpause bekommen, werden wir sie prüfen", sagt der Hamas-Sprecher. Man könne jedoch nicht "eine einseitige Waffenruhe erklären, während die Besatzungstruppen unsere Kinder töten". Hamas werde ihre Positionen selbst verkünden, betont er.

Rabbo hatte sich nach Gesprächen mit Vertretern der Hamas und mit ihr verbündeter Milizen geäußert. Die PLO untersteht dem gemäßigten Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, der im Konflikt zwischen Israel und den militanten Palästinensern vermittelt. Israel ging zunächst nicht auf die neue Waffenruhe-Initiative ein.

+++ 15.06 Uhr: Hamas stimmt 24-stündiger Waffenruhe zu +++

Die Hamas ist nach Angaben der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) zu einer 24-stündigen Waffenruhe bereit. Die Organisation und der Islamische Dschihad hätten in Gesprächen einer "humanitären Waffenruhe" für diesen Zeitraum zugestimmt, sagt der Generalsekretär der PLO, Jasser Abed Rabbo.

Er ruft "alle arabischen und internationalen" Beteiligten dazu auf, die Waffenruhe zu unterstützen und Israel vollständig für die Folgen verantwortlich zu machen, sollte es die Feuerpause ablehnen. Abed Rabbo fügt hinzu, dass die drei Palästinenserorganisationen bereit seien, den Vorschlag der UNO für eine dreitägige Waffenruhe "in einem positiven Geist" zu prüfen.

+++ 14.54 Uhr: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Beschuss von Krankenhaus +++

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kritisiert den Beschuss der wichtigsten Klinik im Gazastreifen scharf. "Gerade in Kriegszeiten müssen Gesundheitseinrichtungen und ihre Mitarbeiter respektiert und geschützt werden. Aber im Gazastreifen sind Krankenhäuser derzeit keine sicheren Orte", sagt Tommaso Fabbri, Leiter der Projekte der Organisation in den Palästinensergebieten. Bei dem Beschuss des Al-Schifa-Krankenhauses, den sich Israelis und Palästinenser gegenseitig vorwerfen, waren am Vortag mindestens drei Menschen getötet worden.

Das Al-Schifa sei schon die vierte Gesundheitseinrichtung, die seit Beginn der Kämpfe Anfang Juli beschossen worden sei, teilt die Organisation in einer Mitteilung weiter mit. "Zwei Drittel der Verletzten, die ich bei der Ankunft im Al-Schifa-Krankenhaus gesehen habe, waren Kinder", sagt Michele Beck, die für Ärzte ohne Grenzen vor Ort war.

+++ 13.20 Uhr: UN-Organisationen sind mit Hilfesuchenden überfordert +++

Rund zehn Prozent der Einwohner des Gazastreifens sind mittlerweile in Einrichtungen des UN-Hilfswerks UNRWA geflohen. 182.604 Menschen seien derzeit in 82 Anlaufstellen untergebracht, schreibt ein Sprecher der Organisation auf Twitter. 

Die israelische Armee ruft die Einwohner mehrerer Orte im Gazastreifen zur sofortigen Räumung ihrer Häuser auf. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnt, die UN-Organisationen in Gaza seien überfordert und könnten keine zusätzlichen verzweifelten Menschen mehr versorgen.

Das einzige Strom erzeugende Kraftwerk im Gazastreifen brennt. Es soll von einer israelischen Granate getroffen worden sein

Das einzige Strom erzeugende Kraftwerk im Gazastreifen brennt. Es soll von einer israelischen Granate getroffen worden sein

+++ 13.14 Uhr: Brand in Kraftwerk noch außer Kontrolle +++

Ein Mitarbeiter des Kraftwerkes in Gaza sagt der Nachrichtenagentur Maan, eine israelische Granate habe einen Treibstofftank getroffen und damit den Großbrand ausgelöst. Bislang gelingt es den Feuerwehrleuten nicht, den Brand zu löschen. Das Kraftwerk erzeugt Strom für Haushalte, Betriebe, Krankenhäuser und Abwasserpumpen im Gazastreifen.

+++ 12.53 Uhr: Spanische Hollywood-Stars werfen Israel Völkermord vor +++

Mehr als einhundert spanische Künstler, darunter die Hollywood-Stars Penélope Cruz und Javier Bardem, werfen Israel im Gaza-Konflikt Völkermord vor. In einem offenen Brief verlangen Schauspieler, Musiker, Schriftsteller und Kinoregisseure einen sofortigen Waffenstillstand. Die spanische Regierung und die Europäische Union werden aufgefordert, "die Bombardements gegen die palästinensische Zivilbevölkerung im Gazastreifen von der Luft sowie von Land und See aus zu verurteilen."

Die Grenzübergänge müssten sofort geöffnet werden, um die Mobilität der Bevölkerung, den Einsatz von Ärzteteams und die Verteilung von Medikamenten und Lebensmitteln zu ermöglichen, so die Unterzeichner, zu denen neben den Eheleuten und Oscar-Gewinnern Cruz und Bardem auch Starregisseur Pedro Almodóvar gehört. Von Israel wird im "Kommuniqué der Kultur gegen den Völkermord an Palästinensern" ein Rückzug auf die Grenzen von 1967 und eine sofortige Aufhebung der Gaza-Blockade gefordert. Israelis und Palästinenser sollten verhandeln, um einen "gerechten und dauerhaften Frieden zu erreichen", heißt es.

+++ 12.33 Uhr: Barenboim fürchtet schlimme Folgen für das Zusammenleben +++

Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim äußert sich zutiefst besorgt über die Folgen des jüngsten israelisch-palästinensischen Konflikts. "Alle Kriege gehen eines Tages zu Ende. Doch was wird in Israel und Palästina geschehen, wenn dieser Krieg vorbei ist? Den Hass wird keine politische Verhandlung beseitigen können", sagt der Maestro in Buenos Aires.

Den Gaza-Konflikt nennt der in Argentinien geborene Israeli Barenboim inakzeptabel und asymmetrisch. Das israelische Militär bezeichnete er als "Besatzer", die Palästinenser als "Besetzte". Barenboim, der auch einen palästinensischen Pass hat, ist Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin.

+++ 11.43 Uhr: Antisemitische Schmierereien in Rom +++

Die italienische Polizei und der Staatsschutz ermitteln gegen Personen, die Drohungen, antisemitische Parolen und Hakenkreuze an Dutzende jüdische Geschäfte in Rom gesprüht haben. Wie die römische Zeitung "La Repubblica" am Dienstag berichtet, suchen die Beamten im Umfeld der extremen Rechten wie der extremen Linken nach den Tätern. Einige Schmierereien zeigen, dass die Spray-Aktionen klar vor dem Hintergrund der israelischen Offensive im Gazastreifen stünden.

Bürgermeister Ignazio Marino verurteilt die Hassparolen. Den Präsidenten der jüdischen Gemeinde, Riccardo Pacifici, erinnern sie an Nazi-Aktionen gegen jüdische Geschäfte 1933 in Deutschland.

+++ 9.59 Uhr: Brand im einzigen Kraftwerk des Gazastreifens +++

Das einzige Kraftwerk im Gazastreifen steht Medienberichten zufolge nach einem israelischen Angriff in Flammen. Die Feuerwehr bemühe sich um eine Eindämmung des Brands, berichten palästinensische Nachrichtenagenturen.

Ein Repräsentant des Kraftwerks sagt der Nachrichtenagentur "Maan", eine israelische Granate habe einen Treibstofftank getroffen und damit den Großbrand ausgelöst. Eine andere Granate habe eine Turbine getroffen. Bislang gelingt es den Feuerwehrleuten nicht, den Brand zu löschen. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv teilt mit, man prüfe den Bericht.

+++ 9 Uhr: Chamenei nennt Israel "tollwütigen Hund" +++

Angesichts der heftigen Angriffe der israelischen Armee auf den Gazastreifen beschimpft der oberste politische und religiöse Führer Irans Israel als "tollwütigen Hund". Zugleich fordert Ajatollah Ali Chamenei alle Muslime auf, die Palästinenser mit Waffen zu unterstützen, damit sie sich gegen "diesen Völkermord" zur Wehr setzen könnten.

+++ 8.38 Uhr: Frankreich gibt humanitäre Hilfsmittel für Palästinenser frei +++

Frankreich gibt drei Millionen Euro zur Unterstützung der Menschen in Gaza freigegeben. Dabei handele es sich um den ersten Teil von insgesamt acht Millionen Euro, die für außergewöhnliche humanitäre Unterstützung an die Palästinensische Autonomiebehörde gehen sollen, teilt die Regierung in Paris mit.

mka/kis/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters