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"Ukraine - die Lage" Militärexperte Masala: Getreideabkommen ist keine Blaupause für andere Verhandlungen

Der türkische Präsident Erdogan, der ukrainische Präsident Selenskyj und UN-Generalsektretär Guterres (v.l.n.r.)
Der türkische Präsident Erdogan, der ukrainische Präsident Selenskyj und UN-Generalsektretär Guterres (v.l.n.r.)
© Dimitar Dilkoff / AFP
Der Militärexperte Carlo Masala analysiert, warum auch die Türkei und die Vereinten Nationen nicht schnell Frieden stiften können. 

Der Militärexperte erwartet nicht, dass der türkische Präsident Erdogan und UN-Generalsekretär Guterres kurzfristig umfassendere Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Gang bringen können. Das Potenzial sei "relativ begrenzt". Die beiden Staatsmänner hatten vor einigen Wochen das Abkommen für den Getreidetransport im Schwarzen Meer vermittelt und gestern Präsident Selenskyj in der Westukraine getroffen.

Erdogan hat noch Zugang zu Putin

"Erdogan ist einer der wenigen, die noch einen guten Zugang zu Putin haben", sagt der Münchner Politikprofessor. Die Rolle des türkischen Präsidenten sei aus der Sicht der Nato und Europäischen Union zu begrüßen – trotz aller Probleme mit ihm und seinen Kalkülen. Man müsse aber sehen: "Das Getreideabkommen basiert darauf, dass sowohl die Ukraine als auch Russland ein Interesse daran haben, dass Getreide exportiert werden kann." Der Ukraine gehe es vor allem um die Einnahmen, Russland um sein Image in Afrika und anderen Ländern des Südens. "Man sollte sich nicht aus der Tatsache verleiten lassen, dass das Getreideabkommen momentan belastbar erscheint, zu schließen, dass das eine Art Blaupause für andere Vereinbarungen ist." Eigentlich stünde ja eine Verständigung über das Atomkraftwerk Saporischschja an. "Da sehen wir aber, dass sich die Situation zuspitzt." Die Russen würden mit der nuklearen Bedrohung spielen und sich zu nichts verpflichten. Man sei in Moskau weit davon entfernt, sich auf Verhandlungen einzulassen.

Selenskyj sendet Botschaft an sein Land

Aber auch die Haltung des ukrainischen Präsidenten spricht nach der Analyse von Masala gegen schnelle Fortschritte. Selenskyj hatte zuletzt klargestellt, dass die Russen die besetzten Gebiete vor Verhandlungen räumen müssten. "Wenn die Voraussetzung für Verhandlungen ist, dass die russischen Truppen das ukrainische Territorium verlassen, dann wird es keine Verhandlungen geben." Die Äußerung Selenskyjs ziele möglicherweise auf die Innenpolitik, könne aber nicht ernsthaft eine Bedingung sein. Es müsse ja gerade das Ziel von Gesprächen sein, dass Russland sich zurückziehe. Aktuell gebe es unterm Strich wenig Bewegung an den Fronten. "Das ist ein Stellungs- und Abnutzungskrieg", so Masala.


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