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Frau des US-Präsidenten: Amerikas First Sphinx - Melania Trump mag ihren Job mehr und mehr. Und ihre Macht

Seit zwei Jahren ist Melania Trump die Frau an der Seite des US-Präsidenten. Das wollte sie nie sein. Aber mehr und mehr gefällt der rätselhaften First Lady ihr Job.

Melania Trump war ein Rätsel ohne Funktion. Nun hat sie Macht geleckt - und kostet das aus

Auch wer sie nicht mag, muss ihr eines lassen: Posieren kann sie! Ex-Model Melania Trump allein in Gizeh.

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Nach allem, was man weiß, ist die Große Sphinx von Gizeh vor 4000 Jahren entstanden. Ein liegender Löwe mit Menschenkopf, unergründliches Rätsel im Sand der ägyptischen Wüste. Unfassbar schön, die Sphinx, aber völlig nutzlos.

Melania Trump, 48, hatte sich Ägypten fürs Finale aufgehoben. Sie hatte Ghana besucht, Malawi und Kenia. Sie hatte Kinder geherzt, Fußbälle verschenkt, Elefantenbabys gestreichelt. Sie trug dazu Kleider in den warmen Farben Afrikas. Kleider, die ihr französischstämmiger und im Jahr 2016 eingebürgerter Leibschneider Hervé Pierre für den Trip herausgelegt hatte. Bisschen Chanel, bisschen Dior, das Übliche. Dazu Reiterhosen, Leinenzeug und einen Tropenhelm, wie Meryl Streep ihn in "Jenseits von Afrika" trug, als sie ihren Liebhaber Denys Finch-Hatton auf Löwenjagd begleitete. Melania Trump beobachtete Zebras und Giraffen, sie schoss keine Löwen und auch keine größeren Böcke. Nur den mit dem Tropenhelm. Der nigerianische Blogger Onye Nkuzi verglich sie mit dem alten Titelbild von "Tim und Struppi im Kongo", und die westliche Twitter-Gemeinde geriet in Furor über das Accessoire aus düsterer Kolonialzeit: "Instinktlos!" Die afrikanische Gemeinde hingegen sah es gelassen – ein Hut, was soll’s!

Es war Melania Trumps erste große Auslandsreise ohne ihn. Und es war das erste Mal, dass man sie strahlen sah. Es schien, als habe sich die First Lady Of The United States, kurz "Flotus" genannt, ausgerechnet in Afrika neu erfunden. Inmitten staubiger Armut wirkte sie wie erlöst. "Shithole countries" soll ihr Mann die Länder am anderen Ende ihrer Welt einmal genannt haben. Was für eine Ironie, dass es ihr ausgerechnet hier am besten gefiel!

Ägypten also. Am Mittag hatten die Amerikaner mit freundlicher Unterstützung der ägyptischen Polizei das Terrain um Cheops-Pyramiden und Sphinx räumen lassen. Checkpoints waren eingerichtet, Kamele weggesperrt. Um elf landete Melania Trump in Kairo. Die Straßen der Zwölf-Millionen-Metropole waren autofrei, als ihre 35-Wagen-Kolonne zur Residenz des Präsidenten Al Sisi und seiner Frau Intissar jagte. Die frühere Schönheitskönigin aus Slowenien zog in Kairo ein wie einst Kleopatra in Rom. Eine Stunde lang plauderte die First Gattin mit den Sisis über Bildung, Gesundheit, Tourismus. Handshakes, Fotos, fertig. USAID heißt die US-Behörde, die die Entwicklung in armen Ländern wie Ägypten fördern soll. Trump wollte sie abschaffen, aber entgegen der Weisung fand Melania alle Projekte, die sie sah, nützlich. Und das sagte sie den Sisis auch. "Sie macht einen brillanten Job für unser Land", jubelte anschließend der US-Presseattaché. "The Egyptian Gazette" schwärmte lieber vom leger um die Schultern geworfenen Ralph-Lauren-Blazer, den Two-Tone-Schuhen von Chanel, den eleganten "Tod auf dem Nil"-Farben der Besucherin. 

Melania Trump dekoriert das Weiße Haus für Weihnachten

Melania Trump: Wie Kleopatra in Rom

Gegen vier hielt der Konvoi dann vor der Sphinx. Der strenge Geruch des angrenzenden Kamelparkplatzes lag über der Kulisse, die Sonne stand schon im Dunst, als Melania Trump ihrem Chevrolet Suburban entstieg, einem der größten amerikanischen SUVs. Ihren Look hatte sie inzwischen mit einem Chanel-Hut komplettiert, was ihr etwas Fitzcarraldohaftes gab, man dachte, sie ließe gleich ein Schiff über einen Hügel ziehen. Und dann standen sich die Sphinx von Gizeh und die aus dem Weißen Haus für einige Minuten schweigend gegenüber, bis ein Windstoß kam, der alles änderte. Melania Trump war bislang ein schönes Rätsel gewesen ohne Funktion, ein Frozen Face mit Tigeraugen, eine Frau mit schlichten Sätzen und einem osteuropäischen Akzent, an dem sich die, die sie parodierten, nicht satthören konnten. Auf den Stufen vor der schönen, nutzlosen Sphinx gab Melania Trump nun ihre erste offizielle Unabhängigkeitserklärung ab. Sie beantwortete Journalistenfragen – zu Afrika, zum umstrittenen Richter Kavanaugh und auch zu ihrem Mann. Sie sagte, dass sie nicht mit allem einverstanden sei, was der denke und twittere. "I have my own voice and my own opinions", sagte sie lebhaft, eigene Stimme, eigene Meinung. Dass sie manchmal sage: "Leg mal das Telefon weg!" Sie wies darauf hin, dass ihr das, was sie tue, wichtiger sei als ihre Garderobe. Bei allem, was sie sagte, schwang am Ende der Silben immer ein Schluck Balkan mit. "Be Best" heißt übrigens Frau Trumps Tun, eine vor Monaten aus dem Boden gehobene Kampagne zur Unterstützung benachteiligter Kinder.

Donald Trump nimmt im Weißen Haus Anrufe von Kindern entgegen

Nach dem Kurzinterview flog die privateste "and most mysterious First Lady" der Neuzeit, wie Katie Rogers von der "New York Times" anschließend schrieb, mit hoch erhobenem Kopf und amüsiertem Lächeln nach Hause; und ihr Mann bestieg irgendwo in Amerika die Gangway seiner "Air Force One" mit Klopapier am Schuh. Dann twitterte er etwas im Stil von "Sie hat einen großartigen Job für unser Land gemacht. Die Menschen lieben sie". In seinen Ansprachen nennt er sie "Mahlanea", die spitzen Vokale gehen ihm offenbar schwer über die Lippen. Oder er weiß es nicht besser. Als seine Frau am nächsten Morgen auf der Joint Base Maryland landete, trug sie einen revolutionsroten Pullover und rehbraune Ballerinas. Seit dem 8. November 2016, so sagt Melania Trump, lebe sie unterm Mikroskop. Und das "weltgrößte Opfer von Bullying" sei sie auch. "Bullying", das heißt Schikane, Tyrannei, üble Nachrede, Mobbing. Hat sie recht?

Bis zum Schluss hatten ihr alle weisgemacht, dass es mit der Präsidentschaft nichts werden könne; dass er die Wahl niemals gewinnen würde. Mein Gott, sogar in seinem engsten Kreis hielten sie das für einen Witz. Wer wählt schon einen Windbeutel? Der Journalist Michael Wolff durfte sich damals im Umfeld tummeln und hörte mit: "Trump gab seiner Frau sein feierliches Wort: Ein Wahlsieg war schlicht unmöglich." Tja, shit happens. Während des Wahlkampfs hatte sie sich mehr oder weniger verkrochen, doch natürlich war ihr zu Ohren gekommen, dass Journalisten ihre Modelkarriere unter die Lupe nahmen, ihre US-Einbürgerungsmodalitäten und seine Geschäfte. Als sie einmal die obligatorische Wahlkampf-Rede auf ihren Präsidentenkandidaten halten musste, hatten ihr die Trottel von Redenschreibern Sätze aus Michelle Obamas damaliger Rede auf Barack eingebaut. Wie hatten die Medien sie dafür verspottet! Und auch für ihren Akzent. "Balkan-Barbie", schrieb der stern. Sie fühlte sich nicht nur ständig gedemütigt. Sie wurde es. Der Satz "Wenn du in Washington einen Freund brauchst, schaff dir einen Hund an" , kam ihr in den Sinn. Sie kaufte dennoch keinen. Die Journalisten hatten schnell erkannt, dass von ihr große Sätze nicht zu erwarten sein würden, also hofften sie auf die kleinen, die verräterischen, die, die ihn entlarven würden. "Frauen sind wie Teebeutel. Man weiß erst, wie stark sie sind, wenn man sie in kochendes Wasser taucht", Eleanor Roosevelt. "When they go low, we go high", Michelle Obama, wenn die anderen in die unterste Kiste greifen – wir bleiben nobel! Nein, solche rhetorischen Kaliber waren von Melania nicht zu erwarten. "I will stand by my man", erklärte sie trotzig, und als Präsidentengattin wolle sie "very traditional like Jackie Kennedy" sein. Zum Mann stehen und wie Jackie Kennedy sein. 

Das gemütliche Leben im New Yorker Trump Tower war vorbei, so viel war ihr am Wahlabend bereits klar. Nie mehr würde sie arglos am Schreibtisch sitzen und für ein Presse-Shooting mit ihren selbst kreierten Juwelen spielen können. Nie mehr einfach die Rolltreppen des dreistöckigen New Yorker Penthouses an der Fifth Avenue hinunterfahren und in Manhattan zum Lunch stöckeln. Was hatte ihr der Typ, den sie vor 13 Jahren geheiratet hatte, als er noch ein einfacher Milliardär war – was hatte der ihr bloß eingebrockt! Als sich am Abend des 8. November 2016 der Trend zum Sieg bestätigte, sah Donald J. Trump aus, als wäre er einem Gespenst begegnet, so berichtet Michael Wolff, und Melania weinte hemmungslos.

Die neue Flotus bestand anderntags darauf, erst einmal mit dem damals zehnjährigen Sohn Barron in New York zu bleiben; bis der die Schulklasse beendet haben würde. Im Rückblick ein schwerer Fehler! Denn während sie nun im New Yorker Townhouse Stylisten ausprobierte und Designer, dekorierte ihr Donald das Weiße Haus nach seinem Geschmack um. Obama raus, Gold rein! Und die nicht eben geliebte Stieftochter Ivanka, sein Herzblatt-Kind, spielte sich neben dem im Stich gelassenen Papa zur eigentlichen First Lady auf. Sie empfing Staatsgäste, hielt Konferenzen, beriet den Vater, saß am Kabinettstisch, und ihre süßen Kinder sangen für Chinas Staatsoberhaupt auf Chinesisch. Der rund 25-köpfige Mitarbeiterstab aus dem Büro der bisherigen First Lady im Ostflügel wanderte nun zu Ivanka in den West Wing. Melania Trump blieb die brünett Schmollende, die mit dem starren Gesicht und dem noch vor der Eheschließung aufgemotzten Superbusen in spack sitzenden Oberteilen. Sie war – verglichen mit Michelle Obama – eine einzige herbe Enttäuschung. Jedenfalls was das Intellektuelle betraf. Manche sagten, Melania sei ebenso wenig "presidential material" wie Donald. Ihr Stil indes, ihre Kleider, Schuhe, Taschen, Louboutins und Kelly-Bags – die schienen die Zeitschriften zu beglücken, und sie erfanden auf ihren Onlineseiten Bilderleisten zum Weiterblättern. In einem halben Jahr zeigte Mel T. 199 verschiedene Looks, wenn sie gezwungenermaßen mit ihm auftrat. Eine Dolce-Gabbana-Jacke, die sie beim G7-Gipfel im sizilianischen Taormina trug, taxierten Experten auf 50.000 Euro. Halb so teuer wie die Hotelrechnung ihrer späteren Kairo-Visite. Für 95.000 Dollar hatte die US-Botschaft im Hotel "Semiramis" Zimmer gemietet, obwohl die First Lady nie die Absicht hatte, dort zu übernachten. Nur, das Etikett der massiven Steuerverschwendung baumelte dennoch an ihrem Rocksaum.

Melania Trump war ein Rätsel ohne Funktion. Nun hat sie Macht geleckt - und kostet das aus

Ihr Sugardaddy herz hier im Jahr 2004 sein Töchterlein Ivanka (l.). Es ist Melanias 34. Geburtstag. Sie ist frisch verlobt.

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Dass die Nachricht mitten in die anerkennenden, sogar lobenden Presse-Resümees ihrer Afrika-Reise platzte, registrierte ihr Stab aufmerksamst. Man muss kein Insider sein, um zu ahnen, dass Intrigen und Ranküne nicht nur in der TV-Serie "House of Cards" über die Korridore des Weißen Hauses huschen, sondern auch in der Reality. Möglicherweise hatte Melania gleich einen Verdacht, wer die Hotelrechnung in die Presse lanciert hatte. Geknallt hatte es nämlich schon lange vor ihrer Reise. Mira Ricardel, Stellvertreterin des Nationalen Sicherheitsberaters im West Wing, durfte nämlich nicht im Chef-Flieger nach Afrika mitfliegen, sondern musste mit ihrem Pressetross hinterherdüsen. Im East Wing dachte man offenbar: Die First Lady braucht keine Aufpasser von drüben. Naturgemäß sah die andere das anders. Mehr noch: Die unerwartet selbstbewusste Entschiedenheit der Präsidentengattin empfand die nicht minder selbstbewusste Sicherheitsberaterin offenbar als Demütigung. Es soll zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen den Büros der First und der Second Lady gekommen sein, so berichteten es Eingeweihte. Wer gewonnen hat? Nun, die Blonde aus dem West Wing war's nicht! Aber dazu später mehr.

Melanija Knavs kommt 1970 in einem Industrieort des früheren Jugoslawien zur Welt. Sie wird, entgegen den Gepflogenheiten der Kommunistischen Partei, der ihr Vater angehört, katholisch getauft. Alle machen das so, heimlich. Kurz nach der Geburt ziehen die Eltern mit Melanija und der älteren Schwester in die Kreisstadt Sevnica. Die Mutter nimmt dort eine Stelle als Schneiderin in der örtlichen Textilfabrik an. Vater Viktor findet eine Anstellung als Chauffeur und bringt es mit Nebengeschäften zum ersten und einzigen Mercedes in der Siedlung, später sogar zu einem eigenen Haus. Er ist ein kleiner slowenischer Selfmademan. Nur ist er nicht so blond wie sein Schwiegersohn in spe.

Melania Trump war ein Rätsel ohne Funktion. Nun hat sie Macht geleckt - und kostet das aus

Melania Trump hat mit ihrer Familie in Svenica gewohnt - 30 Jahre später lebt sie im Weißen Haus

Liebe auf den ersten Klunker-Ring

Das große Thema der Knavs-Frauen ist "Mode". Mutter Amalija entwirft Kinderkleidung, ihre Töchter treten darin bei den saisonalen Betriebsmodenschauen auf. "Ich war fünf, als ich zum ersten Mal über den Catwalk lief", gibt Melania Trump später in einem Interview an. Sie schminkt sich gern, sie lässt sich von der Mutter ausstaffieren, geht shoppen und Ski laufen. Sie träumt von Italien und Paris. Aber man kann nicht sagen, dass sie vom Modeln wirklich angefixt war. Die Wahrheit ist, sie war antriebslos, für nichts zeigte sie wirkliches Engagement. Bis heute wundert sich der slowenische Fotograf Stane Jerko darüber, der sie 1986 an einer Bushaltestelle anspricht – ein großes, dünnes Mädchen mit riesigen Füßen und den Augen einer Tigerin. Seltsam, dass sie damals nicht mehr aus sich machen konnte. Er bringt ihr bei zu posieren. Karottenjeans, den Bund ein wenig geöffnet, der Bauch frei, das weiße T-Shirt verknotet, die langen Haare Britney-Spears-mäßig auf dem Kopf zusammengedröselt. "Asi-Palme" hieß das. Melanijas Bilder erscheinen, sie wird "Slovenian Face of The Year". Sie gewinnt auch Contests in Italien, nimmt an Schauen und Castings teil. Den namhaften Fotografen allerdings ist sie zu passiv, zu langweilig. Und ihr Englisch ist eine Katastrophe. Ein einziges Radebrechen mit viel rollendem "r" und im Rachen gesprochenem "h". Sie strengt sich einfach für nichts richtig an!

Egal, irgendwie flutscht sie durch. Mit 26 schlägt sie in New York auf. Sie hat Werbeverträge für Alkohol und Zigaretten, für all das, wofür ihre Konkurrentinnen zu jung sind. Einmal verschwindet sie für Wochen und kommt sehr brustlastig zurück. "Musste sein", sagt sie, "ich wollte Lingerie Jobs." Damals sind Frauen wie Tyra Banks und Pamela Anderson auf dem Dessous-Sektor maßgebend. Der vorerst "biggeste" Deal, den Melania Knauss, wie sie sich inzwischen nennt, an Land zieht, ist eine "Camel"-Anzeige. Ein gigantisches Billboard am Times Square. Wie gesagt: der vorerst größte Deal!

Als Melania Trump in den Flieger nach Texas steigt, steht auf der Rückseite ihres olivgrünen Parkas: „Mir ist es wirklich egal, und dir?“

Auf einer Party im New Yorker Kit Kat Club begegnet sie dem Immobilien-Tycoon Donald J. Trump. Sie ist 28, er 52. "Er war very charming", sagte sie 2005 in einem TV-Interview, indes: Er war nicht ihr Typ. "Es war keine Liebe auf den ersten Blick." Trump wickelte gerade seine zweite Ehe ab, die mit der kalifornischen Aktrice Marla Maples. Und die osteuropäische Schönheit vom Kit Kat Club erschien ihm offenbar als Ansporn für einen neuen Versuch. Seine erste Ehe mit dem tschechischen Model Ivana war zwar nach 15 Jahren, drei Kindern, einer Rekordabfindung und filmreifen Scheidungs-Quisquilien Geschichte, doch die Erinnerung an die ebenso temperamentvolle wie geschäftstüchtige Ivana Zelnícková wirkte offenbar positiv nach. Leidenschaft muss brennen – heiß wie Gulaschsaft. Er kannte sich gut aus mit Osteuropäerinnen, er hatte ein cleveres Gehirn – um es mal in Trumps Duktus zu sagen. Es folgte das übliche Dating-Prozedere, deine Nummer, meine Nummer. Sie ziert sich. Ein bisschen. Zur Verlobung schenkt er ihr einen 1,5-Millionen-Dollar-Ring. Man kann sich einen zu stark gebräunten Egomanen offenbar auch attraktivgucken.

Melania Trump war ein Rätsel ohne Funktion. Nun hat sie Macht geleckt - und kostet das aus

Frisch verheiratet: Melania und Donald Trump

DPA

Hat Melania Trumps Transformation vielleicht schon damals begonnen, als sie ihn heiratete? Gab sie das gelangweilt abwesende Tigeraugen-Tierchen an seiner Seite vielleicht immer nur vor? Er verriet in einem Wahlkampf-Interview, sie seien sich ebenbürtig. Was auch immer das heißt.

Tatsache ist, nach seiner Wahl zum Präsidenten arbeitete Melania Trump verstärkt an ihrer "Teebeutel-Phase". Zur Erinnerung: "Erst wenn man sie in kochendes Wasser taucht ..." Sie war im heißesten Wasser der Welt gelandet. Melania Trump hielt sich nicht länger zurück. Und ihre Präsenz wuchs in dem Maße, wie die ihrer ehrgeizigen Stieftochter schwand. Sie wurde zäh. Sie trat in Fettnäpfchen, aber sie sah dabei besser aus als er. Sie küsste in Hamburg und Paris Staatspräsidenten und deren Gattinnen, aber ihre Küsse wirkten wie ehrliche Freude. Sie knickste schwarz verschleiert wie eine Haubennetzspinne vor Papst Franziskus, aber ihr katholisches Knicksen schien echt! Sie plädierte wie ihr Präsidentenmann dafür, eine Mauer zu Mexiko zu errichten, aber sie zeigte Empathie für die Einwanderer. Melania ließ ihrem Gatten, der es kalt hinnahm, wie Kinder der Illegalen von ihren Müttern getrennt wurden, über ihre Pressesprecherin Stephanie Grisham ausrichten: "Mrs. Trump hasst es zu sehen, wie Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Sie glaubt daran, dass wir ein Land brauchen, das dem Gesetz gehorcht, das jedoch auch ein Land ist, das mit Herz regiert." Im Übrigen habe sie beschlossen, am 21. Juni an die Grenze zu reisen, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Wir wissen nicht, ob Melania Trump im East Wing übernachtet oder dort, wo ihr Mann schläft, keine Ahnung. Sie kann sehr kühl wirken, wenn sie ihren Alten in den Senkel stellt. Hand wegschlagen, eisig gucken, solche Sachen. Einen Tag vor ihrer Reise, und das ist verbrieft, erlässt er schnell ein Dekret, das zwar nicht die Mauerpläne, so aber wenigstens die Familientrennung aufhebt. Sie hatte alles richtig gemacht. Fast alles. Da war noch die grüne Jacke!

Die Sphinx hat Macht geleckt

Es war nur ein Fähnchen von Zara (inzwischen als Kopie für 197,95 Euro bei Ebay erhältlich), ein Parka mit frecher Aufschrift am Rücken: "Das juckt mich nicht – euch etwa?" Was für ein Affront hier an der Grenze des Leids! Kann sein, dass sie nur den Medien, die sie seit Monaten ärgerten, einen Stinkefinger zeigen wollte. Wahrscheinlicher ist, dass es Doofheit war. Ein GAU! In den Late-Night-Shows von Jimmy Kimmel und Stephen Colbert kriegten sie sich nicht mehr ein vor Lachen. Und schon gar nicht über die eilige Erklärung der Pressesprecherin, es gebe "keine versteckte Botschaft". Nein, "eine versteckte Botschaft gab es nicht", kreischte Colbert in den eingespielten Studio-Fake-Applaus, "es war eine absolut offene Botschaft!" Und dann fragte er sich, wie viele Berater für dieses Desaster wohl über die Klinge springen müssten, 30, 40?

Niemand! Melania Trump hat den Jacken-Skandal einfach weggelächelt und weitergemacht. "In meiner Rolle als First Lady der Vereinigten Staaten habe ich ein einziges Ziel – Kindern zu helfen." So sprach sie vor Journalisten im Rosengarten. Und er stand daneben und glotzte auf seinen Krawattenzipfel. Die Mutter eines Zwölfjährigen traf sich mit Führungsleuten von Twitter, Facebook und anderen "tech companies", wie solche Firmen in Amerika heißen, um über die Sicherheit im Internet zu diskutieren. "Ist mir schon klar, dass Sie sich wundern, ausgerechnet mit mir darüber zu reden", sagte die Frau des Twitterkönigs selbstironisch zur Begrüßung. Huch, hat sie etwa Humor?

In der Nacht zum 15. November fiel dann in Washington der erste Schnee. Alles schien friedlich und still. Knapp sechs Wochen nach ihrer beglückenden Reise durch Afrika erklärte die First Lady, Mira Ricardel "verdiene die Ehre nicht länger, im Weißen Haus dienen zu dürfen". Stunden später entließ der Präsident die angesehene Stellvertreterin seines Sicherheitsberaters aus dem Amt.

Die Sphinx ist zum Leben erwacht. Sie hat Macht geleckt. Noch Zweifel?