Merkel zu Gast bei Obama "Ich mag sie sehr"


Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel mit soviel Wärme gerechnet hat? Nach ihrem Antrittsbesuch im Weißen Haus sagte US-Präsident Barack Obama: "Ich mag sie sehr." Und das, obwohl es doch heißt, die beiden könnten nicht miteinander. Da fiel es der Kanzlerin doch leicht, den USA Hilfe bei der Auflösung des Gefangenenlagers Guantànamo zu versprechen.

Auf das schönste Bild ihres Antrittsbesuchs hat Bundeskanzlerin Angela Merkel verzichten müssen: Kurz bevor die Journalisten am Freitagmorgen in der drückenden Hitze vor dem Einlass in den Garten des Weißen Hauses dahinschmolzen, erreichte sie eine SMS der Organisatoren: "Pressebegegnung vom Rose Garden in East Room verlegt. Grund: Unwetterwarnung für Washington."

Die Pressebegegnungen im Rosengarten des Weißen Hauses gelten als besonderer Freundschaftsbeweis des Präsidenten gegenüber einem ausländischen Gast. Sie bieten die Möglichkeit für Bilder voller Harmonie und sommerlicher Unbeschwertheit - was weder im Wahlkampf noch in einer Situation schaden kann, in der unterstellt wird, die Chemie zwischen Obama und Merkel stimme nicht - allerdings ließ sich auch George W. Bush mit Gerhard Schröder trotz wiederholter Differenzen im Rosengarten sehen. Im klimatisierten East Room ist die Atmosphäre sachlicher. Immerhin ist nun die Schlagzeile "Obama lässt Merkel im Regen stehen" auf jeden Fall ausgeschlossen.

Die Gefahr, dass diese Floskel verwendet werden könnte, war aber ohnehin nicht gegeben. Denn Obama bezeichnete sein Treffen mit der Kanzlerin am Freitag als "sehr produktiv". Er würdigte die enge Partnerschaft mit Deutschland und persönlich die "Weisheit", die "Offenheit" und den "Pragmatismus" Merkels. Obama betonte zudem die große Übereinstimmung und enge Zusammenarbeit in vielen internationalen Fragen vom Iran bis hin zu Afghanistan - so wie es Merkel schon vor den Konsulationen emsig getan hatte. Und dann auch noch das: "Ich mag sie sehr", sagte Obama über Merkel. Sie sei smart, "und ich vertraue ihr, wenn sie etwas sagt." Deutschland, so Obama weiter, habe einen "warmen Platz" in seinem Herzen.

Präsident lobt Engagement der Deutschen

So war es kein Wunder, dass Obama während der Pressekonferenz im Anschluss an das Tete-a-tete im Weißen Haus unter anderem den deutschen Beitrag in Afghanistan hervorhob. Er sprach von einer starken Partnerschaft und erklärte auch mit Blick auf den Tod von drei deutschen Soldaten vor wenigen Tagen in Kundus, Amerika würdige den Dienst der Deutschen - kein Wort mehr darüber, dass Unzufriedenheit laut geworden war, dass die Deutschen nicht auch eine echte Führungsrolle am Hindukusch wahrnehmen wollten.

Ähnlich kritisch ist die Diskussion um die Aufnahme von Guantànamo-Häftlingen. In diesem Punkt gibt es nach den Worten von Merkel weiter Diskussions- und Klärungsbedarf. Noch müssten rechtliche Rahmenbedingungen und Sicherheitsfragen in Deutschland geklärt werden, betonte die Kanzlerin. Selbst bei diesem Thema zeigt Obama Verständnis. Merkel habe zunächst die Verpflichtung, die Sicherheitsinteressen Deutschlands in Betracht zu ziehen. Es handele sich bisher noch um Diskussionen in einem frühen Stadium, sagte der Präsident diplomatisch. "Deutschland wird sich seiner Verantwortung nicht entziehen", versprach Merkel schließlich.

Beeindruckt von deutscher Klimapolitik

Großes Lob zollte Obama seinem Gast vor allem beim Thema Klimaschutz. Er hoffe, dass die USA bald in der Lage seien, Deutschlands Engagement im Kampf gegen den Klimawandel zu entsprechen. Er sei "sehr beeindruckt" von Deutschlands "Voraussicht und Verpflichtung" hinsichtlich sauberer Energie. Merkel lobte im Gegenzug, dass das zurzeit im US-Kongress beratene Klimaschutz-Gesetz eine "Trendwende" und ein Schritt hin zu einer ambitionierten Klimapolitik sei, deren Bedeutung man gar nicht überschätzen könne - vor allem mit Blick auf die UN-Klimakonferenz in Kopenhagen. In der gemeinsamen Klimapolitik mit Amerika gebe es Fortschritte, die sie sich "vor einem Jahr nicht hätte träumen lassen".

Weniger überraschend ist, dass zwischen den USA und Deutschland Einigkeit in der Haltung zum Iran herrscht. Erneut prangerte Obama die Gewaltanwendung der iranischen Regierung gegen Demonstranten an. Das sei "nicht hinnehmbar". Merkel betonte die demokratischen Rechte des iranischen Volkes. Die Bürger aller Länder hätten das Recht auf friedliche Demonstrationen. Die iranische Führung dürfe nicht glauben, dass die Welt blind gegenüber den schrecklichen Ereignissen der letzten Tage sei. Aus eigener Erfahrung in der DDR wisse sie, wie wichtig es sei, dass die Welt wahrnehme, wenn die Rechte von Menschen verletzt würden.

Der Iran müsse, so Merkel weiter, zudem an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert werden. Deshalb sei es besonders wichtig, Russland und China in dieser Frage einzubinden. Sie setze nach wie vor auf eine diplomatische Lösung dieses Problems.

Zu Rede vor dem Kongress eingeladen

Vor dem Treffen mit Obama hatte Merkel eine Einladung erhalten, vor beiden Häusern des US-Kongresses in Washington eine Rede zu halten. Bei ihrem Treffen mit Abgeordneten habe die Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, diese Einladung ausgesprochen, hieß es am Freitag aus der deutschen Delegation.

AP/DPA/dho AP DPA

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