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Nach Zwangslandung in Ankara Streit um angeblichen Waffenfund in syrischem Jet


Während türkische Ermittler an Bord des abgefangenen syrischen Flugzeugs russisches Waffenmaterial gefunden haben wollen, wirft Syrien der Türkei Luftpiraterie vor. Russland dementiert die Fracht.

Türkische Medien sind sich sicher: Das syrische Flugzeug aus Moskau, das am späten Mittwochabend von der türkischen Luftwaffe in Ankara zur Landung gezwungen wurde, hatte militärische Ausrüstung aus Russland für die syrische Führung an Bord. Rund 300 Kilogramm Militärgüter sollen türkische Ermittler nach Presseberichten an Bord des Passagierflugzeugs entdeckt haben. Adressat der von der Türkei beschlagnahmten Fracht sei das syrische Verteidigungsministerium gewesen, berichteten die Zeitung "Star" und andere Medien am Donnerstag.

Aus Moskau hieß es dagegen, es seien keine russischen Militärgüter an Bord gewesen. Ein ranghoher Vertreter der russischen Rüstungsexportindustrie sagte der Agentur Interfax: "Es waren keine Waffen oder irgendwelche Systeme oder Aggregate für Kampftechnik an Bord der Passagiermaschine - und sie konnten dort auch nicht sein." Zugleich sagte Kremlchef Wladimir Putin eine für diesen Montag geplante Türkei-Reise ab, wie sein Sprecher Dmitri Peskow am Donnerstag mitteilte. Nach offiziellen Angaben kann sich Putin wegen anderer Termine nicht mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan treffen. Die Zeitung "Wedomosti" zitierte indes einen Kremlbeamten mit den Worten, Putin wolle sich in dem eskalierenden Konflikt zwischen Damaskus und Ankara nicht auf eine Seite stellen.

Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten die syrische Maschine am Mittwochabend abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen. Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu sagte, dem türkischen Geheimdienst hätten Informationen über "verdächtige Fracht" vorgelegen. Der syrische Verkehrsminister Mahmud Said hat einem Fernsehbericht zufolge derweil der Türkei "Luftpiraterie" vorgeworfen. Das Abfangen eines syrischen Verkehrsflugzeugs durch die türkische Luftwaffe verletze internationale Verträge über die zivile Luftfahrt, zitierte der libanesische Sender Al-Manar am Donnerstag den Minister.

Syrien kündigt Beschwerde bei internationaler Luftfahrtbehörde an

Der türkische Außenminister Davutoglu warf Russland indirekt vor, die syrische Führung mit Waffen zu beliefern und dafür Zivilflugzeuge zu missbrauchen. "Wir sind entschlossen, Waffenlieferungen an ein Regime zu kontrollieren, das solch brutale Massaker an der Zivilbevölkerung verübt", sagte Davutoglu. Nach Geheimdienstinformationen habe sich "nicht-zivile Fracht" an Bord befunden. Es sei nicht hinnehmbar, dass der türkische Luftraum für solche Lieferungen benutzt werde.

Wie die Zeitung "Hürriyet" meldete, löste die Untersuchung der Fracht auf dem Flughafen von Ankara einen Streit zwischen türkischen Behördenvertretern und russischen Diplomaten aus. Die russischen Vertreter protestierten demnach gegen die Öffnung von Behältern, die als diplomatisches Gepäck deklariert und versiegelt waren. Die mutmaßlichen militärischen Güter seien in separaten Paketen innerhalb dieser Behälter gefunden worden. Eine offizielle Stellungnahme der türkischen Behörden lag nicht vor.

Nach russischen Angaben befanden sich 37 Insassen in dem Flugzeug, darunter 17 russische Bürger. Am frühen Donnerstagmorgen durfte die Passagiermaschine in Ankara wieder starten und Richtung Damaskus weiterfliegen. Syrien kündigte nach türkischen Medienberichten inzwischen eine Beschwerde gegen die Türkei bei der internationalen Luftfahrtbehörde an.

kmi/Reuters/AFP Reuters

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