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NAHOST: Israel setzt seine Offensive fort

Ungeachtet der internationalen Kritik setzte die israelische Armee auch in der Nacht seine Offensive in den Autonomiegebieten fort. US-Außenminister Powell wird heute zu Vermittlungverscuhen erwartet.

Kurz vor der Ankunft von US-Außenminister Colin Powell und ungeachtet von internationaler Kritik setzt Israel seine Offensive in den Palästinenser-Gebieten fort. Die Armee ist palästinensischen Angaben zufolge erneut ins Autonomiegebiet eingerückt. In der Nacht zu Donnerstag drangen Truppen in die Ortschaft »Bir Seit« nördlich von Ramallah im Westjordanland vor, wie palästinensische Sicherheitskräfte mitteilten.

Vermittlungsversuch von Powell

Colin Powell wird heute im Nahen Osten erwartet, um einen erneuten Vermittlungsversuch zwischen den Konfliktparteien zu unternehmen. Powell hatte am Mittwoch gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Igor Iwanow, UNO-Generalsekretär Kofi Annan sowie dem spanischen Ministerpräsidenten und EU-Ratspräsidenten Jose Maria Aznar einen sofortigen Abzug Israels aus dem Westjordanland gefordert. Von den Palästinensern verlangten sie ein Ende der Anschläge. Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministerium zog sich die Armee am Mittwochabend aus drei Orten im Westjordanland zurück. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die internationale Kritik an der Ende März eingeleiteten Operation zurückgewiesen und argumentiert, Israel habe das Recht, seine Bürger zu verteidigen.

Treffen mit Arafat geplant

Powell soll zunächst nach Jordanien und später weiter nach Israel reisen. Nach einem Gespräch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon am Freitag steht für Samstag ein Treffen mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat auf dem Programm. Powell bezeichnete die Begegnung mit Arafat als wichtig. Dieser wird von der israelischen Armee in Ramallah festgehalten. Scharon sagte israelischen Regierungskreisen zufolge ein Treffen Powells mit Arafat sei ein »tragischer Irrtum«.

USA, EU und UNO drängen auf Abzug

Die USA, die Europäischen Union (EU), die Vereinten Nationen (UNO) und Russland haben gemeinsam auf einen israelischen Abzug aus den jüngst besetzten Palästinenser-Gebieten gedrungen. »Wir rufen Israel auf, seine Militäroperation sofort einzustellen«, heißt es in der Erklärung, die Annan in Madrid verlas. »Wir fordern einen sofortigen tragfähigen Waffenstillstand und den sofortigen Abzug Israels aus den palästinensischen Städten, einschließlich Ramallah, und insbesondere aus Arafats Hauptquartier.« Arafat wurde aufgefordert, »sofort größtmögliche Anstrengungen zu unternehmen, um terroristische Anschläge gegen unschuldige Israelis zu stoppen«. Der UNO-Sicherheitsrat teilte mit, er unterstütze die Erklärung.

Scharon verbittet sich Druck aus den USA

Scharon rief die USA auf, Israel nicht zu einem Ende der Offensive zu drängen. Diese werde »so schnell wie möglich« beendet. Israel kämpfe um sein Überleben, fügte Scharon hinzu. Der israelische Generalkonsul in New York, Alon Pinkas, sagte in einem Interview des US-Senders CNN, Israel werde sein Bestes tun, um die Forderungen der USA zu überfüllen. Für die Bekämpfung des Terrorismus in den Palästinenser-Gebieten werde jedoch einige Zeit benötigt. »Es wird keine zweite Chance geben«, sagte Pinkas. »Wir können jetzt nicht abziehen und in zwei Wochen wieder zurückkehren.«

Rückzug aus drei Städten

Das israelische Verteidigungsministerium teilte mit, der Abzug aus Jatta, Kabatja und Samua sei eingeleitet worden, nachdem dort die »terroristische Infrastruktur« zerschlagen worden sei. Am Dienstag hatten sich die israelischen Einheiten auch aus Tulkarm und Kalkilja im Westjordanland zurückgezogen, die Offensive in anderen Städten jedoch vorangetrieben.

Anschlag wirft Bemühungen zurück

Am Mittwoch hatte ein Selbstmordattentäter nahe der israelischen Stadt Haifa acht Israelis mit in den Tod gerissen. Der erste Anschlag gegen Zivilisten seit über einer Woche dürfte die Bemühungen um eine Waffenruhe erneut zurückwerfen. Die israelische Armee hatte Ende März nach einem Selbstmordanschlag mit mehr als 20 Toten eine Offensive in mehreren Palästinenser- Städten begonnen.