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Wegen Auftrittsverbot: Erdogan sauer: "Deutschland begeht Selbstmord"

Scharfe Töne von Recep Tayyip Erdogan Richtung Berlin: In einem Interview hat der türkische Präsident sein Auftrittsverbot in Deutschland heftig kritisiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bekam ihr Fett weg.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)

"Deutschland muss diesen Fehler korrigieren": Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ärgert sich über sein Auftrittsverbot in der Bundesrepublik (Archivbild)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Ton gegenüber verschärft und nachdrücklich das Recht auf einen Redeauftritt in der Bundesrepublik eingefordert. "Was ist das bitte schön für eine Geisteshaltung? Das ist sehr hässlich", sagte er in einem Interview der Zeitung "Die Zeit". "Deutschland begeht Selbstmord. Das ist politischer Selbstmord." Die Bundesregierung müsse "diesen Fehler korrigieren". Berlin hatte einen von Erdogan gewünschten öffentlichen Auftritt vor Anhängern am Rande des G20-Gipfels untersagt.

Erdogan wirft Deutschland Schutz von Terroristen vor

In dem Interview unmittelbar vor dem G20-Gipfel in Hamburg warf Erdogan der Bundesregierung auch Terrorunterstützung vor. Er bezog sich dabei auf die deutsche Ablehnung türkischer Forderungen, Anhänger des islamischen Predigers Fethullah Gülen auszuliefern. "Ich habe sie von Frau Merkel gefordert, warum werden sie uns nicht zurückgegeben", zitierte die "Zeit" den Präsidenten. Solange Deutschland dies nicht tue, werde die Türkei Deutschland als ein Land ansehen, das Terroristen schütze.

Die türkische Regierung macht die Gülen-Bewegung für den gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli in der verantwortlich. Früheren Angaben des Bundesnachrichtendienstes (BND) zufolge gibt es darauf aber keine Hinweise.

Präsident kritisiert Merkels Einsatz für Deniz Yücel

Erdogan wies in der Zeitung zudem die deutschen Forderungen nach Freilassung des seit mehr als 140 Tagen in der Türkei inhaftierten deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel zurück. Er könne nicht verstehen, dass man sich so sehr für eine Person einsetze. "Dass Frau Merkel überhaupt die Rettung eines Terrorverdächtigen auf die Tagesordnung bringt, war für mich auch sehr, sehr sonderbar", sagte er. Yücel habe Terroristen interviewt und sei dadurch zum Unterstützer geworden.

Der türkische Präsident machte deutlich, dass für ihn jeder Journalist, der einen Terroristen oder jemanden, dem Terrorismus vorgeworfen werde, interviewe, selbst ein Unterstützer des Terrorismus sei. Ein solcher Journalist leiste "Beihilfe zur Propaganda der Terroristen", sagte Erdogan. Auch Yücel wird in der Türkei Terrorunterstützung vorgeworfen.

"Kein Problem mit der Kanzlerin"

Trotz seiner Kritik erklärte Erdogan auch, dass ihm die deutsch-türkischen Beziehungen wichtig seien: "Wir brauchen einander. Wir müssen das bewahren", sagte er. Auch habe er persönlich "kein Problem mit der Kanzlerin". Allerdings seien die Beziehungen zur Regierungszeit von deren Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) "wirklich sehr anders" gewesen und er hoffe, "dass wir wieder dahin kommen".

Die Bundesregierung hatte am Mittwochmittag angekündigt, dass sich im Vorfeld des G20-Gipfels voraussichtlich am Donnerstag mit Erdogan zu einem bilateralen Gespräch treffen werde. Der Wunsch dazu sei von türkischer Seite geäußert worden, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Gipfel selbst findet am Freitag und Samstag in Hamburg statt.  Im Anschluss wollte Erdogan eigentlich in einer deutschen Stadt vor Anhängern eine Rede halten. Die Bundesregierung hatte dies mit der Begründung abgelehnt, dies sei angesichts der Konfliktlage mit der Türkei derzeit nicht angemessen.

mad/DPA/AFP

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