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Kämpfe in Region Afrin: Türkei antwortet auf Entsendung syrischer Regierungstruppen mit neuen Bombardements

Vor einem Monat ist die Türkei in die von Kurden kontrollierte Region Afrin im Norden Syriens einmarschiert. Nachdem nun syrische Regierungskräfte den Kurden zu Hilfe eilten, reagierte Ankara mit neuen Bombardements.

Syrien - Afrin - Kurden-Region - Türkei - Kämpfe

Schon am Wochenende hatte die türkische Armee in Richtung der der Kurdenmiliz YPG in der nordsyrischen Region Afrin gefeuert (Archivbild)

DPA

Nach der Entsendung syrischer Regierungskräfte in die von Kurden kontrollierte Region Afrin im Norden des Landes hat die Türkei das Gebiet nach syrischen Regierungsangaben bombardiert. Das meldete die staatlche syrische Nachrichtenagentur Sana am Dienstag. Syrische Staatsmedien hatten am Montag berichtet, dass die regierungstreuen Einheiten sich dem Kampf gegen die türkische Armee anschließen wollten, die eine Offensive gegen die Kurden in Afrin gestartet hatte.

Nur kurz vor der jüngsten Entwicklungen hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan eine Belagerung Afrins angekündigt. Man werde das Stadtzentrum "in den nächsten Tagen" belagern, sagte Erdogan vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara. "Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert", sagte er. Damit werde die "Terrororganisation" YPG nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem zu verhandeln. Grünen-Politikerin Claudia Roth kritisierte die Ankündigung scharf. Sie forderte die Nato und Deutschland auf, "mit allen diplomatischen Mitteln" zu verhindern, dass es zu "Kriegsverbrechen wie dem Aushungern durch ein Nato-Mitglied" komme.

Türkei greift YPG seit einem Monat in der Region Afrin an

Die Kurdenmiliz YPG ist mit der US-geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien verbündet. Die Türkei dagegen stuft die YPG wegen enger Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als terroristisch ein. Die PKK steht auch in der EU und den USA auf der Liste der Terrororganisationen. 

Die Türkei hatte vor einem Monat eine Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG in der nordwestsyrischen Region Afrin begonnen. Von der Stadt Afrin ist die türkische Armee nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte jedoch noch mehr als 17 Kilometer entfernt. Die YPG und die syrische Regierung verhandeln über die Entsendung regierungstreuer Kräfte nach Afrin. Syriens Kurden werfen Russland vor, ein Abkommen mit der syrischen Regierung zu verhindern. Die Türkei hatte Damaskus vor einer Unterstützung der kurdischen Kämpfer gewarnt. Erdogans Äußerungen über den "Handel", den es zu verhindern gelte, dürften auf das geplante Abkommen abzielen. 

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte ebenfalls am Diesntag vor einer Spaltung des Bürgerkriegslandes und forderte die Türkei dazu auf, mit der syrischen Regierung in Dialog zu treten. Es sei nicht hinnehmbar, wenn "das Kurden-Problem" dazu genutzt werde, Chaos in der Region zu säen und Staaten zu spalten, sagte er in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Lawrow betonte, Moskau habe Verständnis sowohl für den Standpunkt der Türkei als auch für den der Kurden.

Roth warnt vor "dramatischer Eskalation"

Grünen-Politikerin Roth teilte weiter mit:  "Nach dem völkerrechtswidrigen Angriff des Nato-Mitglieds Türkei in den syrischen Kurdengebieten droht nun eine dramatische Eskalation auf dem Rücken der Zivilbevölkerung".

Die Linken-Politikerin Ulla Jelpke forderte indes eine unabhängige Untersuchungskommission, die klärt, ob die Türkei in der Region Giftgas eingesetzt hat. Der mutmaßliche Angriff soll sich am Freitag in dem Ort Scheich Hadid westlich der Stadt Afrin ereignet haben, wie Beobachter und ärztliches Personal berichteten. "Ich erwarte von der Bundesregierung entsprechende Schritte im Rahmen der Vereinten Nationen. Die Türkei ist Nato-Partnerin, ihre Armee kämpft auch mit Waffen aus Deutschland", erklärte Jelpke in einer Mitteilung. Die Bundesregierung stehe daher in der Verantwortung.

mod / AFP / DPA