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Russland: Ex-Präsident Jelzin ist tot

Der frühere russische Präsident Boris Jelzin ist tot. Das teilte der Kreml mit. Jelzin, den Gorbatschow noch zu Zeiten der Sowjetunion zum Parteichef gemacht hatte, starb im Alter von 76 Jahren. Offenbar war ein Herzstillstand die Ursache.

Boris Jelzin ist tot. Er starb im Alter von 76 Jahren. Das teilte der Pressedienst des Kremls am Montag in Moskau mit. Todesursache sei ein plötzlicher Herzstillstand gewesen, meldete die Agentur Interfax, die sich auf seine Ärzte beruft. Michail Gorbatschow, den Jelzin 1991 im Amt des Präsidenten beerbt hatte, sagte: "Ich spreche der Familie des Toten mein Beileid aus. Er hat dem Land große Dienste geleistet, aber auch große Fehler gemacht".

Schon zu seiner Amtszeit hatte Jelzin unter Herzproblemen gelitten. Im Wahlkampf im Jahr 1996 musste er mehrfach pausieren, danach legten ihm Moskauer Ärzte mehrere Bypässe. Seit 2001 kam Jelzin regelmäßig zu Nachunteruntersuchungen ins Berliner Herzzentrum, zuletzt im vergangenen Oktober.

Gorbatschow holt Jelzin

Jelzin wurde am 1. Februar 1931 im Dorf Butka im Ural geboren - er war der Sohn einer armen Bauernfamilie, die nach seiner Geburt in die Stadt zog. Jelzin nahm ein Studium des Bauingenieurwesens auf, 1961 trat er in die KPdSU ein. Deren Chef Michail Gorbatschow holte ihn zu Beginn der Perestroika-Zeit nach Moskau und machte ihn zum Parteichef.

Ende 1987 musste Jelzin, der radikalere Reformen forderte, sein Amt aufgeben. 1989 zog er jedoch wieder in den Kongress der Volksdeputierten ein, der ihn im Mai 1990 zu seinem Vorsitzenden machte. Aus der KPdSU trat er bald aus.

Chaotische Jahre unter Jelzin

Nach der Wahl zum ersten Präsidenten Russlands - damals noch eine Teilrepublik der Sowjetunion - stoppte Jelzin im August 1991 einen Putsch orthodoxer Kommunisten gegen Gorbatschow. Dann allerdings zwang er Gorbatschow, die Sowjetunion aufzulösen und beerbte ihn in seinem Amt. Dieser Machtkampf entzweite Jelzin und Gorbatschow für immer.

Einen weiteren Putsch des kommunistischen Parlaments ließ er 1993 niederschlagen. Während seiner Amtszeit führte Jelzin in Russland radikale marktwirtschaftliche Reformen ein, die allerdings weite Teile der Bevölkerung in die Armut stürzten. Außerdem brach das Gesundheitssystem zusammen und die Lebenserwartung sank. Die russische Bevölkerung hat diese chaotischen Jahre der staatlichen Reorganisation noch deutlich vor Augen, deshalb war Jelzin zum Schluss kein beliebter Politiker mehr.

Putin versus Oligarchen

1996 schaffte Jelzin die Wiederwahl, er übte das Amt noch offiziell drei weitere Jahre aus, war aber immer häufiger so krank, dass seine politischen Aktivitäten praktisch zum Stillstand kamen.

Jelzin holte schließlich Wladimir Putin in den Kreml - der momentan nahezu unumschränkt regiert. Putin drängte die sogenannten "Oligarchen" zurück, die unter Jelzin teils sagenhafte Reichtümer aufgehäuft hatten. Oligarchen, die nicht mit Putin auf einer Linie lagen, landeten entweder wie Michail Chodorkowski im Gefängnis oder zogen es vor, wie Boris Beresowski oder Wladimir Gussinski ins Ausland zu fliehen. Ein anderer aufstrebender Großindustrieller aus jenen Jahren, Roman Abramowitsch, arrangierte sich mit der neuen Macht und stieg zum reichsten Mann Russlands auf.