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Schwere Kämpfe in der Ostukraine: Gefechte blockieren Zugang zur MH17-Absturzstelle

Eineinhalb Wochen ist der MH17-Absturz schon her. Nun standen Experten kurz davor, die Unglückstelle zu erreichen - und wurden von Kämpfen zwischen Separatisten und ukrainischen Truppen gestoppt.

Erneuter Rückschlag für den MH17-Hilfseinsatz: Wegen heftiger Kämpfe in der Ostukraine bleibt die Absturzstelle vorerst für ausländische Helfer versperrt. Zwar hatten die Niederlande und Malaysia Absprachen mit den prorussischen Separatisten erreicht, Experten an die Unglücksstelle zu lassen. Zehn Tage nach dem Absturz der Boeing sollten 30 Forensiker erstmals in das Gebiet fahren. Doch dann brachen dort heftige Panzergefechte aus. "Die Lage ist vorläufig zu instabil, um sicher an der Absturzstelle zu arbeiten", teilte die niederländische Regierung in Den Haag mit. Das Team soll sich nun in der Stadt Donezk befinden - zusammen mit Vertretern von OSZE, Australiens und Malaysias.

Das niederländische Kabinett hat sich dagegen entschieden, militärische Schutztruppen zum Unglücksort zu entsenden. Die neuen Gefechte zwischen ukrainischer Armee und prorussischen Rebellen machten einen Einsatz zur Zeit unmöglich, so Regierungschef Mark Rutte. Selbst ein begrenzter militärischer Einsatz, um Bergungsarbeiten zu ermöglichen, sei zu riskant.

Australien, Malaysia und die Niederlande hatten überlegt, Spezialkräfte der Armee und Polizei einzusetzen, um Gerichtsmediziner und Ermittler zu schützen. Diese sollen weitere Opfer bergen und die Ursache des Absturzes der Boeing von Malaysia Airlines untersuchen. Beim mutmaßlichen Abschuss der Zivilmaschine waren am 17. Juli 298 Menschen ums Leben gekommen.

13 Zivilisten sterben

Bei den Kämpfen im Osten der Ukraine wurden nach Regierungsangaben mindestens 13 Menschen getötet. Unter den Opfern in der Stadt Gorliwka nördlich von Donezk seien zwei Kleinkinder, so die Regionalverwaltung. Ein ukrainischer Militärsprecher hatte zuvor von Angriffen prorussischer Separatisten mit Raketenwerfern auf Wohnviertel in Gorliwka berichtet.

Die ukrainischen Truppen wollten "das Absturzgebiet der Boeing 777 von Terroristen befreien, um internationalen Experten Sicherheit zu garantieren und die Möglichkeit für ihre Untersuchungen". Das sagte der Sprecher des Sicherheitsrates, Andrej Lyssenko, nach Angaben der Agentur Interfax. In den Tagen vorher hatte Präsident Petro Poroschenko eine Waffenruhe im Umkreis von 40 Kilometern um die Unglücksstelle zugesagt.

Ukrainische Armee greift Separatisten an

Überall im ostukrainischen Konfliktgebiet verschärften sich am Wochenende die Kämpfe. Am Rand der Millionenstadt Donezk versuchte die ukrainische Armee mit Artilleriefeuer, die Separatisten zurückzudrängen. Auch die Großstadt Lugansk, Zentrum der separatistischen "Volksrepublik Lugansk", wurde beschossen. Heftige Gefechte gab es auch entlang der ostukrainischen Grenze zu Russland. Kiew will die Grenze unter Kontrolle bringen, um die Rebellen von ihrem vermuteten Nachschub aus Russland abzuschneiden.

Wegen der Ukraine-Krise will die Europäische Union am Dienstag erstmals Wirtschaftssanktionen gegen Russland in Kraft setzen. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy bat die 28 Staats- und Regierungschefs um rasche persönliche Zustimmung zu den neuen Strafmaßnahmen. Dies geht nach Angaben von EU-Diplomaten aus einem Brief hervor, den Van Rompuy an die Regierungschefs schickte. Damit soll ein weiterer EU-Sondergipfel vermieden werden. Die EU will Russland mit den Sanktionen zwingen, die Unterstützung für die Aufständischen in der Ostukraine aufzugeben.

Am Samstag belegte die EU die Spitzen der Moskauer Sicherheitsbehörden mit Einreiseverboten und Kontensperrungen. Dazu zählten die Leiter der russischen Inlands- und Auslandsgeheimdienste, Alexander Bortnikow und Michail Fradkow, sowie Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew. Auch Organisationen der Aufständischen in der Ostukraine wurden aufgenommen.

car/tis/DPA / DPA