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Serbien-Montenegro: Mehr deutsche Soldaten in den Kosovo

Verteidigungsminister Struck kommt einer Bitte der Nato nach und entsendet 600 deutsche Soldaten zusätzlich in den Kosovo. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte während einer Dringlichkeitssitzung in New York die Gewalt in der serbischen Provinz.

Mit der Stationierung zusätzlicher Soldaten will die Friedenstruppe KFOR die Unruhen in der Krisenprovinz Kosovo unter Kontrolle bringen. Deutschland schickt nach Angaben des Verteidigungsministeriums 600 Soldaten in die Region, 400 französische Soldaten wurden dort noch am (heutigen) Freitag erwartet. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte während einer Dringlichkeitssitzung in New York die Gewalt im Kosovo. Den Unruhen fielen bis Donnerstagabend mindestens 31 Menschen zum Opfer, mehr als 500 wurden verletzt.

Das Bundesverteidigungsministerium erklärte in Berlin, mit der Verlegung des Panzergrenadierbataillons solle am Samstag begonnen werden. Verteidigungsminister Peter Struck entspreche mit der Entsendung der deutschen Verstärkungskräfte einer Bitte der NATO. Das deutsche KFOR-Kontingent werde damit auf rund 3.800 Soldaten erhöht. Die vom Bundestag gesetzte Mandatsobergrenze liegt bei 8.500.

Die Lage ist noch nicht unter Kontrolle

Die NATO verlegte 350 amerikanische und italienische Soldaten aus Bosnien in das Kosovo. Großbritannien kündigte an, in den kommenden Tagen weitere 750 Soldaten zu entsenden. Der albanische Ministerpräsident im Kosovo, Bajram Rexhepi, warnte, die Lage sei noch nicht unter Kontrolle.

In der serbischen Ortschaft Svinjare nördlich von Pristina standen am Freitag mehrere Häuser in Flammen. Die UN-Polizei beschrieb die Lage insgesamt jedoch als ruhiger als noch am Donnerstag. Albaner hatten mehrere Häuser von Serben und mindestens 15 Kirchen in Brand gesetzt. Serben hatten daraufhin Moscheen im ganzen Land niedergebrannt und mit einem Blutbad gedroht.

An der offenen Sitzung des Weltsicherheitsrats nahm auch Bundesaußenminister Joschka Fischer teil, der zu Gesprächen mit UN-Generalsekretär Kofi Annan in New York weilte. Angesichts der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Albanern rief der Minister die Führungskräfte im Kosovo auf, alles zu unternehmen, um den Zusammenbruch der Zivilgesellschaft in der unter UN-Verwaltung stehenden Provinz zu verhindern. Andernfalls drohe ein Leben in Chaos und Elend.

Svilanovic gibt der KFOR-Friedenstruppe Mitschuld

Der Außenminister von Serbien-Montenegro, Goran Svilanovic, sprach von einer neuen ethnischen Säuberung auf dem Balkan. Das Signal an die serbische Minderheit im Kosovo sei, dass es für sie kein Leben in der Provinz gebe. Svilanovic gab der KFOR-Friedenstruppe eine Mitschuld an der Eskalation der Lage, weil es ihr nicht gelungen sei, die Auseinandersetzungen zu beenden.

Der Sicherheitsrat verabschiedete zum Abschluss seiner Sitzung eine Erklärung, in der ein sofortiges Ende der Gewalt gefordert wurde. Die Übergriffe in der international verwalteten Provinz stellten einen direkten Angriff auf die internationale Staatengemeinschaft dar, hieß es.

In der zwischen Serben und Muslimen geteilten Stadt Kosovska Mitrovica, wo die Unruhen am Mittwoch ihren Ausgang genommen hatten, blieb die Lage gespannt. Die UN zogen ihr internationales Personal aus dem Ort ab, wie Annan dem Weltsicherheitsrat mitteilte.

Orthodoxe Kirche in Bosnien angesteckt

Auch in Bosnien-Herzegowina wurde nach Polizeiangaben eine orthodoxe Kirche angesteckt. Das Feuer in der Ortschaft Bugojno konnte jedoch rasch gelöscht werden. Die Einwohner von Bugojno sind überwiegend Muslime, in der Nähe der Kirche wohnt jedoch eine bosnisch-serbische Minderheit.

DPA