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"Ein großes Immobiliengeschäft": Trump irritiert Dänemark mit Grönland-Kauf – und sät Zweifel an Staatsbesuch

Donald Trump hat bestätigt, dass er Interesse daran habe, Grönland zu kaufen. Dänemark, zu dem die Insel gehört, lehnt ab. Nun sorgt der US-Präsident vor einem Staatsbesuch in Dänemark für Verwirrung, ob der Besuch tatsächlich stattfindet.

Trump

Was wissen wir über Grönland? Mit 2.166.086 Quadratkilometern ist es die größte Insel der Welt. Rund 19 Prozent dieser Fläche sind eisfrei. Es gibt 55.860 Einwohner, die Hauptstadt heißt Nuuk und es herrscht polares und subpolares Klima. Würden Sie da bei einem Kauf-Angebot zuschlagen? US-Präsident Donald Trump würde es.

Grönland sei "strategisch interessant und wir wären interessiert", so Trump vor Reportern in New Jersey. Man würde mit Dänemark "ein bisschen" sprechen. Das Thema sei aber nicht Nummer eins, versichert er. Zuvor hatte das "Wall Street Journal" berichtet, dass Trump in Richtung der Insel schielt.

"Ein großes Immobiliengeschäft"

"Im Grunde ist es ein großes Immobiliengeschäft", so Trump zu den Reportern über den Kauf von Grönland. Außerdem würde Grönland Dänemark – zu dem die autonome Insel offiziell gehört – sehr stark schaden, da das Land knapp 700 Millionen US-Dollar wegen des Territoriums einbüßen würde, berichtet "The Local". Eine Quelle für diese Zahl nannte Trump allerdings nicht.

"Strategisch, für die Vereinigten Staaten, wäre es schön", so der US-Präsident weiter. Gleichzeitig betonte er, was für gute Partner die USA und Dänemark seien und dass die USA Dänemark beschützen würden.

Dänemark KÖNNTE Grönland gar nicht verkaufen

Doch aus Dänemark kam als Reaktion auf das Kaufinteresse eine Absage. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte der grönländischen Zeitung "Sermitsiaq" während ihres Besuchs auf der Insel: "Grönland steht nicht zum Verkauf. Grönland ist nicht dänisch. Grönland ist grönländisch. Ich hoffe sehr, dass das nichts ist, was ernst gemeint ist."

Dabei könnte Dänemark Grönland gar nicht verkaufen, selbst wenn es das wollte. Denn 2009 wurde festgelegt, dass die Grönländer ein eigenes Volk sind mit Recht auf Selbstbestimmung. Dänemark kann daher in dieser Frage nicht über sie bestimmen.

Bleibt es beim Staatsbesuch?

Auch der grönländische Regierungschef Kim Kielsen wies einen Verkauf ab, berichtet der Sender TV2. Und auch die anderen Einwohner Grönlands sehen die Idee Trumps kritisch, um es diplomatisch auszudrücken. So sagt die Grönländerin Jakobine Kleist dem Sender DR: "Sie (Mette Frederiksen, Anm. d. Red.) soll ihm sagen, dass er sich von Grönland fernhalten soll. (…) Wenn sich Trump einmischt, wird es wie eine Militärbasis sein. Das will ich nicht. Ich möchte, dass Grönland so bleibt, wie es ist." Und Henrik Winum sagt: "Es ist absolut lächerlich, es gibt kein Land zum Verkauf. Ob Sie Grönlands Regierungsvorsitzender oder der Präsident der Vereinigten Staaten sind, Sie können nicht einfach ein anderes Land kaufen."

Doch nicht nur mit seinen Kaufinteressen sorgt Trump in Dänemark für Irritation. Aussagen über einen anstehenden Staatsbesuch des Präsidenten in Dänemark säen Zweifel, ob Trump nun nach Dänemark kommt oder nicht, wie die dänische Zeitung "Politiken" berichtet. Gegenüber Reportern sagte er: "Ich überlege, dorthin (Dänemark, Anm. d. Red.) zu gehen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sollte, aber es kann sein. Wir fahren nach Polen und dann vielleicht nach Dänemark. Aber nicht aus diesem Grund."

"Das ist unverschämt"

Diese eher vage Reiseabsicht widerspricht allerdings den Meldungen aus dem Weißen Haus in Washington und dem Staatsministerium in Kopenhagen. Beide bekräftigen, dass Donald und Melania Trump eine Einladung zu einem Staatsbesuch in Dänemark angenommen hätten und am 2. und 3. September Dänemark einen Besuch abstatten. Dort wird Trump sowohl Mette Frederiksen, als auch Königin Margrethe II. und Vertreter aus Grönland treffen.

Kommt er nun oder kommt er nicht? Ministerpräsidentin Frederiksen rechnet mit Trump: "Wir gehen davon aus, dass der US-Präsident einen Besuch abstatten wird und bereiten uns gerade vor. Ich freue mich sehr auf den Besuch. Die Vereinigten Staaten sind für uns der wichtigste Verbündete in der Sicherheitspolitik." Ob Trumps geänderte Haltung zum Staatsbesuch mit Grönland zu tun hat oder er seinen Besuch vielleicht schlichtweg vergessen hat, ist unklar.

Allerdings sorgt das "Vielleicht" Trumps zum Staatsbesuch für harsche Kritik von anderen Politikern. Der außenpolitische Sprecher der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei wütete sogar: "Es widerspricht allem und ist eine große Beleidigung für die Königin, die sein Gastgeber ist", sagte Søren Espersen laut "Politiken". "Immerhin sind sehr viele Leute daran beteiligt, dies in 14 Tagen zu planen. Und ich würde sagen, dass man einen Staatsbesuch gut absagen kann, aber das muss an sehr ernsten Dingen liegen. Zum Beispiel Todesfälle im engsten Kreis oder eine internationale Krise. Aber das ist unverschämt.", so Espersen weiter.

Trump hat strategische Interessen

Aber warum hat Donald Trump überhaupt Interesse an Grönland? Zum einen liegt das an vermuteten großen Rohstoffressourcen. Wichtiger ist aber die strategische Lage, wie Trump erwähnt hatte. So haben die USA etwa mit der Thule Air Base einen wichtigen Stützpunkt auf Grönland. Mehr dazu lesen Sie hier.

Darüber hinaus ist das Interesse Russlands und Chinas an der Arktis ist gestiegen. Einmal in Bezug auf die strategische Lage, aber auch im Hinblick auf mögliche Investitionen. So sagt der Journalist Philip Christian Ulrich: "Sie (die USA) sehen einige Trends in der Region, von denen sie glauben, dass sie im Kontext des globalen Supermachtwettbewerbs, der zwischen den USA, China und Russland stattfindet, besorgniserregend sind. Sie alle sind in der Region sehr aktiv, und es wird für die Vereinigten Staaten wichtig sein, ein gutes Verhältnis zu Dänemark zu gewährleisten, damit man in der Region einen relativ einfachen Zugang hat."

US-Präsident Donald Trump schüttelt dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte daher, dass man bereit sei, Flughäfen auf der Insel stärker finanziell zu unterstützen. Auch die Besuche ehemaliger US-Außenminister zeugen von der großen Bedeutung Grönlands für die USA.

Eine Gelegenheit, über das Thema Grönland zu sprechen, hätte Trump mit dem Staatsbesuch in Dänemark auf jeden Fall. Auch wenn ein Kauf wohl nie zustande kommen wird, könnte er so zumindest den US-Einfluss in Grönland beibehalten und vielleicht sogar vergrößern. Ob es nun tatsächlich zum Staatsbesuch kommt, müsste Trump aber erst einmal klarstellen.

Quellen: "Wall Street Journal", "The Local", TV2 (1), TV2 (2), Weißes Haus, Staatsministerium Dänemark, DR (1), DR (2), "Jyllands Posten" (1), "Jyllands Posten" (2), "Politiken" (1), "Politiken" (2), "Sermitsiaq", Der neue Fischer Weltalmanach 2019