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Analyse

Staatsvisite: Donald Trump zu Besuch in Polen und Dänemark – aber warum nicht in Deutschland?

US-Präsident Donald Trump wird zwischen dem 31. August bis zum 3. September Polen und Dänemark besuchen. Da drängt sich die Frage auf, warum Trump zwei deutschen Nachbarländern einen Staatsbesuch abstattet, aber nicht Deutschland selbst?

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania vor der Air Force One

US-Präsident Donald Trump und seine Frau Melania vor der Air Force One

DPA

Donald Trump wird Polen und Dänemark besuchen, gemeinsam mit seiner Frau Melania. In Polen wollen sie in Warschau an den Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs teilnehmen und in Dänemark folgen sie einer Einladung von Königin Margrethe II. Dort will Trump mehreren bilateralen Treffen beiwohnen und Wirtschaftsvertreter treffen. An sich ist das keine sonderlich spannende Nachricht. Aber es drängt sich die Frage auf, warum der US-Präsident mit Polen und Dänemark zwei deutsche Nachbarländer besucht, aber selbst nicht hierher kommt?

Vorweg: Ja, Trump war schon in Deutschland während seiner Amtszeit. Zwei Mal sogar: während des G20-Gipfels im Juli 2017 in Hamburg und dann noch einmal im Dezember 2018. Da besuchte er die Ramstein Air Base in Rheinland-Pfalz. Es war ein Zwischenstopp auf dem Weg zurück aus dem Irak. In Ramstein schüttelte er Hände, posierte für Fotos und reiste dann weiter in die USA. Auch wenn Trump Bundeskanzlerin Merkel beim G20-Gipfel und einigen anderen Gelegenheiten getroffen hat – ein offizieller Staatsbesuch, mit Empfang im Bundeskanzleramt, militärischen Ehren oder einem Besuch beim Bundespräsidenten blieb bisher aus.

Trumps Verhätnis zu Deutschland: schwierig

Dass Trumps Verhältnis zu Deutschland und Merkel nicht das herzlichste und eher angespannt ist (obwohl ein Teil seiner Familie aus Deutschland in die USA auswanderte), ist bekannt. Auch wenn Trump Merkel beim letzten G20-Gipfel im japanischen Osaka eine "fantastische Person" und "großartige Freundin" nannte und ihr Verhältnis als "grandios" beschrieb, so gibt es mehrere Differenzen: zum Beispiel in der Klimapolitik, in der Handelspolitik, bei Migration und den Verteidigungsausgaben. Trump beklagt Ungerechtigkeiten bei der Lastenteilung in der Nato und hat dabei Deutschland wegen seiner vergleichsweisen niedrigen Verteidigungsausgaben auf dem Kieker.

Daher überrascht es eher weniger, dass Trump nicht gerade erpicht darauf ist, nach Berlin zu kommen. Ebenso wenig wie seine Teilnahme am Jahrestag des Weltkriegsbeginns, immerhin waren die USA im Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Akteur. Aber warum Dänemark? Das fragen sich manche unserer nördlichen Nachbarn auch. Denn das Weiße Haus hatte scheinbar die Einladung der dänischen Königin recht kurzfristig angenommen – die Nachricht davon kam in der Nacht zum 1. August.

Trump hat mehrere Gründe. Der wichtigste: Grönland

Eine Möglichkeit, so der USA-Korrespondent des dänischen Senders TV2, Jesper Steinmetz, sei schlicht, dass Trump gerne den Pomp möge, den es bei Besuchen in Ländern mit Monarchie gebe. Experten nennen noch, dass Trump sich mit einem solchen Besuch in seiner Heimat profilieren und er die Beziehungen zu einem nahen Alliierten stärken könne.

Sten Rynning, Professor für amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik an der Syddansk Universität, denkt außerdem, dass es für Trump von Vorteil sein kann, dass in Europa momentan über die Vorreiterrolle Deutschlands und Frankreichs in der EU diskutiert wird: "Deutschland hat mit Ursula von der Leyen gerade die Position einer Kommissionspräsidentin erhalten, und die Französin Christine Lagarde wird Präsidentin der Europäischen Zentralbank, der EZB. Dies kann als Symbol für die beiden Länder angesehen werden, die die Initiative ergreifen. Es mag für Donald Trump nützlich sein, ein europäisches Land wie Dänemark zu besuchen, das politisch nicht mit Deutschland und Frankreich konfrontiert ist, aber ein warmes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten unterhält", zitiert ihn der Sender DR. 

Doch der wahre Grund für Trumps Besuch liegt nach Meinung von Beobachtern weiter nördlich: nämlich Grönland beziehungsweise die Arktis. Dänemark ist nämlich für die Außenpolitik der autonomen Region verantwortlich. Seit Jahrzehnten ist Grönland eine wichtige Region im politischen Machtspiel der Welt, was an seiner Lage liegt: Geografisch gehört die Insel zu Nordamerika, politisch zu Europa. Während des Kalten Krieges errichteten die USA in den 1950er-Jahren die Thule Air Base im Nordwesten Grönlands. Seitdem haben auch Russland und China vermehrt Interesse an der Region Arktis gezeigt – sowohl in Bezug auf die strategische Lage als auch auf Investitionen.

Donald Trump verschärft das Rassismus-Problem in den USA mit seiner Rhetorik gegen demokratische Abgeordnete.

Russland und China wollen in der Arktis mitspielen

"In den letzten Jahren haben sich die Amerikaner Sorgen gemacht, ob China und vielleicht die Russen ein wenig zu viel Interesse an Grönland haben. Daher wird es bei Trumps Besuch in Dänemark zweifellos ganz oben auf der Tagesordnung stehen", so Jesper Steinmetz. Und der Journalist Philip Christian Ulrich meint gegenüber DR: "Sie (die USA) sehen einige Trends in der Region, von denen sie glauben, dass sie im Kontext des globalen Supermachtwettbewerbs, der zwischen den USA, China und Russland stattfindet, besorgniserregend sind. Sie alle sind in der Region sehr aktiv, und es wird für die Vereinigten Staaten wichtig sein, ein gutes Verhältnis zu Dänemark zu gewährleisten, damit man in der Region einen relativ einfachen Zugang hat."

So hat US-Außenminister Mike Pompeo vergangenes Jahr erklärt, dass das US-Militär bereit sei, Flughäfen für allgemeine und militärische Zwecke stärker finanziell zu unterstützen. Passiert sei bislang aber nichts. Auch die Besuche der ehemaligen Außenminister Powell, Kerry und Clinton in Grönland zeugen davon, dass das dänische Territorium für die USA eine große Bedeutung hat.

Hohes Sicherheitsaufgebot und Staatsbankett

Trump wird bei seinem Besuch auch mit Vertretern aus Grönland und den ebenfalls zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln sprechen. Außerdem wird er die neue dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen treffen. Laut ihr sollen die Themen Sicherheit und Handel auf der Tagesordnung stehen: "Ich freue mich darauf, den US-Präsidenten in Dänemark zu treffen, wo wir globale Fragen von gemeinsamem Interesse erörtern und gemeinsam die Zusammenarbeit zwischen Dänemark und den USA in Bereichen wie Sicherheitspolitik, Arktisfragen und Förderung von Handel und Investitionen stärken können", heißt es in einer Mitteilung aus dem dänischen Staatsministerium. Mehrere Politiker meinen aber, dass Frederiksen Trump auch auf Klimafragen ansprechen sollte.

Geplant sei beim Trump-Besuch außerdem ein Staatsbankett mit rund 120 Gästen, wo Königin Margrethe und Trump eine Rede halten werden. Auch mehrere Treffen mit Unternehmen sind geplant. Trump ist der vierte amtierende US-Präsident, der Dänemark besucht. Zuvor waren Bill Clinton, George W. Bush und Barack Obama im Land. Es wird mit massiven Sicherheitsvorkehrungen und Polizeieinsätzen gerechnet.

Quellen: Weißes Haus, Staatsministerium Dänemark, Königshaus Dänemark, DR (1), DR (2), DR (3), "Jyllands Posten", "Politiken" (1), "Politiken" (2), "Politiken" (3), TV2 (1), TV2 (2), "Süddeutsche Zeitung", "Zeit" (1), "Zeit" (2), "Guardian", "The Local", Wikipedia