HOME

U-Boot-Suche vor Stockholm: Ganz Schweden jagt das unbekannte Tauchobjekt

Der Frieden in den Stockholmer Schären ist gestört. Ein unbekanntes Objekt wurde gesichtet. Es könnte ein U-Boot sein. Es könnte russisch sein. Vieles erinnert an eine U-Boot-Jagd von 1982.

Von Swantje Dake

Aus mehr als 30.000 Inseln bestehen die Stockholmer Schären, den die Schweden Skärgården nennen. Auf manchen Felsen würde nicht mal eine Hütte stehen können, so klein sind sie. Andere sind mehrere Quadratkilometer groß, mit Straßen und Siedlungen. In diesem Inselgewirr sucht das schwedische Militär mit mehreren Schiffen seit Freitag nach einem U-Boot.

Vielmehr nach einem Objekt, das ein U-Boot sein könnte. Denn ein gestochen scharfes Foto gibt es bislang noch nicht. Die mehrtägige Jagd nach dem Etwas, die das gesamte Land in Atem hält, stützt sich auf drei Augenzeugen, die von einem auf- und abtauchenden Unterwasserfahrzeug berichtet haben. Heute, am vierten Tag der Suche, spricht Außenministerin Margot Wallström von "einer sehr großen Bedrohung" in der Ostsee.

Russische Notrufe, russische Tanker

Und plötzlich scheint sich Schweden wieder im Kalten Krieg zu befinden. Denn nach den ersten Berichten über die Sichtung, lag für die Schweden auf der Hand, unter welcher Flagge das U-Boot fahren musste - Russlands.

Und tatsächlich häufen sich in den vergangenen Tagen die Ereignisse mit russischen Beteiligten vor der schwedischen Küste:

  • Laut "Svenska Dagbladet" wurden in den Schären vor Stockholm Funksprüche aufgefangen, darunter ein Notruf in russischer Sprache. Das schwedische Militär wollte die Berichte nicht kommentieren.
  • Am Wochenende setzte sich in St. Petersburg ein Forschungsschiff in Bewegung, mit Kurs Richtung Schweden.
  • Zudem dümpelt seit Anfang Oktober ein russischer Öltanker, der unter liberischer Flagge fährt, in den internationalen Gewässern vor Stockholm. Die "NS Concord" könnte ein Mutterfahrzeug für ein Mini-U-Boot sein. Der russische Eigner kommentiert die Aufmerksamkeit mit süffisantem Unterton und behauptet, der Tanker warte lediglich auf einen neuen Auftrag. Der Konzern soll Verbindungen zum russischen Präsidenten haben.

Es könnte eine Verkettung von Zufällen sein. Was in Schweden derzeit passiert, klingt jedoch anders. Auch wenn das Militär betont, dass es sich nicht um eine offizielle U-Boot-Jagd handelt, sondern um eine Geheimdienst-Operation. Anders Grenstad, Konteradmiral der schwedischen Marine, bestätigte, als die Fotos vom vermeintlichen U-Boot auftauchten: "Es ist ein fremdes Schiff oder Taucher, die ein motorradähnliches Unterwasserfahrzeug benutzen." Als weitere Möglichkeit wurde auch ein Mini-U-Boot genannt.

"Es" bewegt sich gen Süden

Am Freitagvormittag wurde das Gefährt erstmals gesichtet, in der Nähe von Värmdö, nordöstlich von Stockholm. Es wurde weitere zwei Mal gesehen, jeweils etwas südlicher. Das schwedische Militär räumte am Montagabend jedoch ein, absichtlich falsche Informationen über die Position geliefert zu haben. Ein veröffentlichtes Foto sei an einem anderen Ort in den Schären aufgenommen worden. Man habe den genauen Ort nicht bekanntgeben wollen, um dem Gegner keine Vorteile zu verschaffen, erklärte das Militär auf seiner Webseite.

Außerdem wurde am Sonntag von der schwedischen Sicherheitspolizei (Säpo) ein schwarzgekleideter Mann gesucht, der im knöcheltiefen Wasser vor der Insel Sandön watete.

Am Montagmorgen wurde das unbekannte Objekt nördlich von Utö, einer der größeren Inseln im Skärgården, gesichtet. Seit dem Nachmittag ist ein Gebiet im südlichsten Bereich des Inselgewirrs, östlich von Nynäshamn, abgesperrt - für den Schiffs- und Flugverkehr. In der sogenannten "Danziger Gatt", ein Gebiet, dass bei einer U-Boot-Jagd in den 80er Jahren eine nicht unerhebliche Rolle spielte. 1982 suchte das schwedische Militär zwei Wochen nach einem russischen U-Boot. Gefunden wurde nie etwas. Verschwörungstheorien entstanden: Olof Palme, der gerade frisch im Amt war, habe die eingedrungenen Russen ziehen lassen. Andere Theorien behaupteten, dass es ein Nato-U-Boot war. Im Jahr zuvor war ein russisches U-Boot vor Karlskrona havariert, die Russen mussten eingestehen, dass sie in schwedische Gewässer eingedrungen waren.

Russland amüsiert sich

In Russland gibt man sich gewohnt brüskiert. "Um die Unruhe in der Ostsee zu dämpfen und den schwedischen Steuerzahlern weitere Ausgaben zu ersparen, empfehlen wir, die niederländische Marine zu fragen", zitierten russische Medien einen Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Tatsächlich hat ein niederländisches U-Boot in der vergangenen Woche an einer Übung in der Ostsee teilgenommen. Ein Sprecher des niederländischen Verteidigungsministeriums bestritt jedoch, dass sich das Boot noch in Schweden aufhalte. "Alle niederländischen Schiffe sind auf dem Heimweg", sagte er der norwegischen Zeitung "Verdens Gang".

Ziel des Manövers in der vergangenen Woche war, dass die Niederländer sich im Skärgården verstecken, andere Einsatzkräfte sie aufspüren sollten. Jetzt scheint diese Szenario sehr real zu sein.

Hier können Sie der Autorin auf Twitter folgen.

mit Agenturen