HOME

Ukraine-Krise: Waffenlieferungen helfen nicht, Mr. McCain

US-Senator John McCain will die Ukraine-Krise mithilfe von Waffenlieferungen an Kiew lösen. Ein CIA-Bericht aus dem Jahr 2012 zeigt, wie falsch der ehemalige Präsidentschaftskandidat damit liegt.

"Der deutsche Außenminister ist derselbe Typ, der es mit seiner Regierung ablehnt, dem Vorgehen Wladimir Putins, der in diesem Moment Ukrainer abschlachtet, irgendwelche Schranken zu setzen": Ex-US-Präsidentschaftskandidat John McCain.

"Der deutsche Außenminister ist derselbe Typ, der es mit seiner Regierung ablehnt, dem Vorgehen Wladimir Putins, der in diesem Moment Ukrainer abschlachtet, irgendwelche Schranken zu setzen": Ex-US-Präsidentschaftskandidat John McCain.

Während Kanzlerin Angela Merkel in der Ukraine-Krise mit der Löschdecke herumläuft, gießen andere Öl ins Feuer. So zum Beispiel US-Senator und Präsidentschaftskandidat John McCain, der in dem Konflikt nur eine Lösung sieht: Das Land mit Waffen unterstützen. Während seines Feldzugs für seine Überzeugung vergleicht er die Friedensgespräche Merkels mit Kremlchef Wladimir Putin #link;(http://www.stern.de/politik/ausland/john-mccain-wirft-angela-merkel-untaetigkeit-in-der-ukraine-krise-vor-2171769.html;mit der Beschwichtigungspolitik zu Zeiten Hitlers# und macht deutlich, dass er von Merkels Vorgehen wenig bis gar nichts hält: "Wenn man sich die Haltung der deutschen Regierung anschaut, könnte man meinen, sie hat keine Ahnung oder es ist ihr egal, dass Menschen in der Ukraine abgeschlachtet werden", sagte er in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Seiner Meinung nach, sollten die USA die Ukraine befähigen sich erfolgreich gegen Russland zu wehren. Mit Waffengewalt.

Ein CIA-Bericht, der bereits 2012 veröffentlicht wurde, kommt allerdings zu einem gegenteiligen Ergebnis. Nämlich, dass Waffenlieferungen aus den USA so gut wie nie das gewünschte Ergebnis brachten und erst recht keine Verbesserung der Lage. Eine Versorgung von Rebellen mit Kriegsmaterial sei selten erfolgreich und oftmals sogar wirkungslos, so die Studie. Laut New York Times wollte Obama mit der Untersuchung herausfinden, ob Amerika im Syrien-Krieg intervenieren sollte oder nicht. Wie wir heute wissen, entschied sich der US-Präsident trotz der Ergebnisse für Waffenlieferungen an syrische Rebellen.

Vier Beispiele als Beweis

Vier Beispiele, in denen die Waffenlieferungen der USA zu nichts oder sogar zur Verschärfung des Konflikts geführt haben, hat der Focus zusammengestellt. Im Irak, in Syrien, in Libyen und in Afghanistan habe die Versorgung mit militärischem Gerät nichts gebracht:

Als die USA 2011 den

Irak

verließen, waren in den Vereinbarungen zum Abzug auch Waffenlieferungen an die irakische Armee enthalten. Als die Terrormiliz Islamischer Staat dann die Städte Tikrit und Mossul einnahm, eroberte sie mit ihnen auch die Waffendepots voll von modernem amerikanischem Kriegsgerät und stattete damit ihre Kämpfer aus.

Im Fall

Syrien

haben die USA die gemäßigten Rebellen 2014 im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad unterstützt. Mittlerweile sind Teile dieser Rebellengruppen zu Al-Kaida-Ablegern abgewandert oder haben Extremisten ihre Stellungen kampflos überlassen. So kamen auch in Syrien die eigentlichen Gegner in den Besitz der modernen Waffen.

Nach Libyen sendeten die Amerikaner seit 2011 Kriegsausrüstung an Rebellen, die sich gegen Gaddafis Truppen zur Wehr setzten. Zu den Empfängern gehörte auch die islamistische Terrorgruppe Ansar al-Scharia, die 2012 den Anschlag auf das US-Konsulat in Bengasi verübte und den amerikanischen Botschafter und mehrere Diplomaten töteten.

In

Afghanistan

halfen die USA 1979 den Mudschaheddin-Rebellen, die Invasion der UdSSR zu bekämpfen. Der palästinensische Theologe Abdullah Azzam spielte bei der Rechtfertigung des Krieges gegen die Sowjets eine zentrale Rolle. Einer seiner Anhänger war kein geringer als Osama bin Laden. Er eröffnete ein Ausbildungslager für die Rebellen – versorgt mit Waffen aus Amerika. Bin Ladens Netzwerk al Kaida, das sich aus dem Ausbildungscamp entwickelte, ist heute einer der größten Feinde der USA.

Niemand kann absehen, wo die Waffen landen

Das Problem mit Waffenlieferungen an Rebellen und Milizen ist, dass die Konsequenzen so unüberschaubar sind wie die Eröffnung einer Schachpartie. Wie sich die politische Situation oder die Gesinnung im Land verändert, kann niemand vorher abschätzen. So kann es passieren, dass Rebellengruppen die Seite wechseln und dabei Waffen und Munition mitnehmen. Oder die bekämpften Truppen Gebiete erobern und damit auch Waffenlager. Oder die für die Verteilung der Waffen Verantwortlichen auch Ausrüstung an den Feind verkaufen. Im Endeffekt bedeutet eine Belieferung der einen Seite auch immer die Gefahr der Versorgung der anderen Seite.

Carolyn Moyé