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Unruhen in der arabischen Welt: Mehr als 80 Tote allein in Libyen

Die Demokratiebewegung in der arabischen Welt lässt sich auch von Panzern und Polizeigewalt nicht einschüchtern. In Libyen wurde außerdem der Zugang zum Internet gekappt. Die Zahl der Toten nach gewalttätigen Auseinandersetzungen steigt.

Bei den Protesten gegen den libyschen Herrscher Muammar Gaddafi sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bislang mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen. Die Organisation berief sich bei den am Samstag mitgeteilten Opferzahlen auf Augenzeugen und Krankenhäuser. Die Regierung in Tripolis müsse umgehen die Angriffe auf die "friedlichen Demonstranten" beenden, forderte HRW.

Libyen hat am frühen Samstagmorgen seinen Bürgern den Zugang zum Internet abgestellt. Die auf die Überwachung des Internetverkehrs spezialisierte US-Organisation Arbor Networks teilte mit, Libyen habe das Internet am Samstag um 1.15 MEZ "abrupt abgeschaltet". Bereits zuvor waren die Verbindungen stark verlangsamt. Internetnutzer klagten am frühen Freitagabend, dass die Seite des Internet-Netzwerks Facebook überhaupt nicht mehr erreichbar sei.

Der Aufstand gegen den libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi am Freitagabend die Hauptstadt Tripolis erreicht. Aus mehreren Vierteln im Westen der Stadt meldeten Augenzeugen Proteste. Auch in der westlich von Tripolis gelegenen Stadt Dschanzur gingen viele Gegner des Revolutionsführers auf die Straßen.

Aus Sicherheitskreisen in der östlichen Region, wo der Protest zwei Tage zuvor begonnen hatte, hieß es, rund 1000 Häftlinge hätten die Unruhen genutzt, um aus dem Gefängnis der Stadt Bengasi zu fliehen. 150 von ihnen seien inzwischen wieder gefasst worden. In Bengasi und anderen Städten des Ostens sind bei Protesten seit Mittwoch rund 60 Menschen getötet worden.

Obama verurteilt Gewalt gegen Demonstranten

US-Präsident Barack Obama hat die Gewalt gegen Demonstranten in Bahrain, im Jemen und in Libyen verurteilt. Zugleich rief er die Regierungen in diesen Ländern zur Zurückhaltung auf. Die Rechte der Völker müssten respektiert werden, meinte Obama in einer schriftlichen Erklärung. Obama forderte vom König von Bahrain, Hamad bin Issa al-Chalifa, in einem Telefongespräch am Freitagabend Reformen.

Obama hatte sich zuvor bereits tief beunruhigt angesichts der Berichte aus diesen Ländern gezeigt. "Die USA verurteilen den Einsatz von Gewalt von Regierungen gegen friedliche Protestierer in diesen Ländern". Das Volk habe in jedem Land "universelle Rechte". Dazu gehöre auch das Recht, sich friedlich zu versammeln.

Auch Gewalt in Bahrain

Wie der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Krankenhausmitarbeiter berichtete, wurden am Freitag in Bahrain mindestens vier Menschen getötet. Dutzende seien verletzt worden.

Außenminister Guido Westerwelle ist ebenfalls tief beunruhigt über Ereignisse in Bahrain. Nach einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes vom Freitagabend erklärte Westerwelle: "Ich bin tief beunruhigt über die Nachrichten, die mich aus Bahrain erreichen. Das Recht der Bürgerinnen und Bürger auf friedliche Ausübung der Demonstrationsfreiheit und auf freie Meinungsäußerung muss gewährleistet sein. Eine weitere Eskalation muss vermieden werden."

Im Königreich Bahrain, wo am Freitag vier getötete Demonstranten zu Grabe getragen wurden, protestierten erneut Tausende gegen die politische Führung des Golfstaates. Auf dem Lulu-Platz im Zentrum Manamas sollen Soldaten neue Proteste verhindern. Bahrain ist strategisch wichtig für die USA: Manama ist ein enger Verbündeter Amerikas in der Golfregion und Hauptquartier der 5. US-Flotte.

Demonstrationen im Jemen gehen weiter

Im Jemen forderten Demonstranten den achten Tag in Folge den Rücktritt des Präsidenten Ali Abdullah Salih. Bei den Protesten wurden vier Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Zwei Menschen starben, als in der südlichen Hafenstadt Aden Sicherheitskräfte gegen Demonstranten vorgingen. Zwei Menschen kamen in der südlichen Stadt Taiz ums Leben, als ein Mann aus seinem Fahrzeug eine Handgranate in eine Gruppe von Regierungsgegnern warf.

Ägypten feiert "Freitag des Sieges"

In Ägypten feierten eine Woche nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak Hunderttausende Menschen den "Freitag des Sieges" und forderten vom herrschenden Militär zügigere Reformen.

Das Militär in Ägypten will wilde Streiks nicht länger tolerieren. In eine Erklärung des herrschenden Militärrats in Kairo hieß es am Freitag, die Arbeitsniederlegungen gefährdeten das Land. Rechtliche Mittel zur Unterbindung solcher Streiks würden ergriffen, um Ägypten und die Bevölkerung zu schützen. Manche Forderungen seien berechtigt und es werde an einer Lösung der Probleme gearbeitet.

Bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der neuen Regierung in Jordanien wurden am Freitag in der Hauptstadt Amman mindestens zehn Demonstranten verletzt. König Abdullah II. hatte Anfang des Monats die Regierung ausgetauscht, nachdem Oppositionelle mehrere Wochen lang für Reformen demonstriert hatten.

san/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters