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Unruhen in Libyen: Gaddafi bietet Aufständischen Geld

In den heiß umkämpften westlichen Städten will der libysche Machthaber Muammar al Gaddafi die Loyalität der Rebellen offenbar mit Geld kaufen. Im Osten setzt er weiter auf Militärgewalt.

Im Kampf gegen die Aufständischen setzt der libysche Staatschef Muammar al Gaddafi im Osten weiter auf militärische Gewalt, doch im Westen bietet er Geld an. Medien der libyschen Opposition meldeten am Freitag, Gaddafi habe Vermittler in die westlichen Städte Misrata, Nalut und Sawija geschickt. Diese boten den Einwohnern der drei Städte, in denen es zuvor erbitterte Kämpfe zwischen Aufständischen und den Truppen Gaddafis gegeben hatte, viel Geld für ihre Loyalität an. Angeblich lehnten die Vertreter der Aufständischen dieses Angebot alle ab.

Die Oppositions-Website "Al-Manara" meldete zudem, in Misrata seien "Provokateure" mit Autos durch die Stadt gefahren und hätten die Jugend der Stadt zum "Heiligen islamischen Krieg gegen Gaddafi" aufgerufen. Die jungen Männer, die sich freiwillig gemeldet hätten, seien anschließend verschleppt worden.

Gaddafi stimmt "Friedenskommission" zu

Derweil hegt Venezuelas Präsident Hugo Chávez die Hoffnung, auf eine Klärung des Konflikts. Nach seinen Worten hat Gaddafi den Vorschlag für eine internationale Vermittlungskommission akzeptiert. Der libysche Staatschef habe zudem die Entsendung einer Delegation der Vereinten Nationen nach Libyen befürwortet, sagte der Südamerikaner bei einem Treffen der venezolanischen Sozialistischen Einheitspartei (PSUV).

"Ich habe mit Gaddafi am Telefon gesprochen, und er hat mir gesagt, dass er die Kommission akzeptiert und dass sie hoffentlich nicht nur aus Einzelstaaten, sondern auch den Vereinten Nationen bestehe, damit die UN sehen, was wirklich passiert, bevor sie verurteilen und daran denken, das libysche Volk zu überfallen", sagte Chávez. Am Anfang der Woche hatte er selbst den Vorschlag einer "Friedenskommission" gemacht.

Zugleich bekräftigte er, dass Libyen derzeit einen Bürgerkrieg erlebe. Es sei notwendig, einen friedlichen Ausweg zu finden. "In Libyen gibt es einen Bürgerkrieg. Es ist nicht dasselbe wie in Ägypten und Tunesien." Er forderte die USA und die Weltmächte auf, das libysche Volk zu respektieren. "Nein zu einer imperialistischen Intervention. Nein zu einem neuen imperialistischen Krieg, der das Öl über das Blut von Unschuldigen sucht", zitierte Venezuelas staatliche Nachrichtenagentur Agencia Venezolana de Noticias den venezolanischen Präsident. Die Arabische Liga will Chávez' Vorschlag prüfen, die Aufständischen jedoch lehnten das Vermittlungsangebot ab.

Obama: Gaddafi hat Legitimation verloren

Auch ein anderer Staatschef hat sich zur Lage in Libyen geäußert: US-Präsident Barack Obama fordert erneut den Rücktritt des Revolutionsführers. "Muammar Gaddafi hat die Legitimation zum Führen verloren", sagte Obama in Washington. "Oberst Gaddafi muss die Macht abgeben und gehen. Das ist gut für das Land, das ist gut für sein Volk." Der US-Präsident zeigte sich besorgt über die zunehmend dramatische humanitäre Lage und machte klar, dass die USA zurzeit ihr Augenmerk auf Hilfsaktionen konzentrierten.

Seine Außenministerin, Hillary Clinton, befürchtet in Libyen Verhältnisse wie im chaotischen Somalia. Sie wies darauf hin, dass zahlreiche Kämpfer des Terrornetzes al Kaida in Afghanistan und im Irak aus dem nordafrikanischen Land stammten. "Eine unserer größten Sorgen ist, dass Libyen im Chaos versinkt und zu einem gigantischen Somalia wird", erklärte die Ministerin.

Nato will nicht miltärisch eingreifen

Die Nato hat nach Worten ihres Generalsekretärs Anders Fogh Rasmussen nicht die Absicht, in Libyen militärisch einzugreifen - das Bündnis bereitet sich jedoch auch darauf vor. "Innerhalb der Nato planen unsere militärischen Stellen vorsichtig für jeden Eventualfall", sagte Rasmussen in Brüssel zum Ruf von Gegnern Gaddafis nach Einrichtung einer Flugverbotszone.

"Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Resolution des UN-Sicherheitsrates den Einsatz von Streitkräften nicht vorsieht", sagte Rasmussen. Obama erklärte dazu, dass eine ganze Reihe von Optionen auch militärischer Art geprüft würde. Dazu gehöre die Einrichtung einer Flugverbotszone. Er betonte aber, dass alle Schritte international koordiniert werden sollten.

Gaddafi schickt erneut Kampfflugzeuge

Nach der Niederlage seiner Truppen in der Stadt al Brega schickte Gaddafi am Donnerstag Kampfflugzeuge nach in die Stadt und nach Adschdabija. Ein Polizeikommandeur in Bengasi, der inoffiziellen Hauptstadt des "befreiten Ost-Libyens", sagte der Nachrichtenagentur DPA, Gaddafis Truppen hätten mehrere Ziele in Brega bombardiert. Die Aufständischen hatten am Mittwoch nach eigenen Angaben eine Offensive der Gaddafi-Truppen im Osten Libyens gestoppt.

Der Strom der Flüchtlinge wächst währenddessen weiter an - nach Angaben des UN-Hilfswerks UNHCR in Genf haben schon mehr als 180.000 Menschen das umkämpfte Land verlassen. Deutschland hat derweil drei Schiffe der Bundesmarine zu einer Hilfsaktion ensandt. Sie sollen Ägypter aus Tunesien über das Mittelmeer in ihre Heimat zurückbringen. Das Auswärtige Amt (AA) hat bisher für 2,8 Millionen Euro Hilfe zur Verbesserung der humanitären Lage in Libyen und der Grenzregion zu Tunesien bereit gestellt. Die Europäische Union (EU) verdreifachte die Soforthilfe für Flüchtlinge aus Libyen auf 30 Millionen Euro.

nik/mlr/DPA/AFP / print