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Nato-Truppe Isaf Von der Leyen warnt vor abruptem Abzug aus Afghanistan


Mehr als der traditionelle Truppenbesuch vor Weihnachten: Die Verteidigungsministerin will die Bundeswehr auf neue Aufgaben vorbereiten. Der Kampfeinsatz endet bald, aber die Gewalt hält an.

Wenige Tage vor dem Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan hat Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor einem zu abrupten Abzug aus dem Land gewarnt. Die internationale Gemeinschaft habe am Hindukusch viel erreicht, aber die Lage sei noch fragil, sagte von der Leyen auf dem Flug ins nordafghanische Masar-i-Scharif, wo sie am Morgen zu einem Truppenbesuch eintraf. Es sei daher richtig, dass nun zum Jahreswechsel dem bisherigen Kampf- ein reiner Ausbildungs- und Beratungseinsatz folge, mit dem die ausländischen Soldaten die afghanischen Sicherheitskräfte weiter begleiteten. Am Ende müsse es der internationalen Gemeinschaft gelingen, aus diesem Folgeeinsatz langsam herauszugleiten und das Land nicht zu schnell zu verlassen, betonte sie.

Warnendes Beispiel Irak

Als warnendes Beispiel gilt der rasche Abzug der US-Truppen aus dem Irak 2011, nachdem sich beide Staaten nicht auf ein Truppenstatut einigen konnten. Drei Jahre später sah sich US-Präsident Barack Obama erneut zur Entsendung von US-Soldaten in das Land gezwungen, das wegen des Vormarsches der Extremistenmiliz Islamischer Staat in Chaos und Gewalt zu versinken droht. Auch Deutschland plant, zur Ausbildung von Peschmerga-Kämpfern etwa 100 Bundeswehr-Soldaten in die Kurden-Hauptstadt Erbil im Nordirak zu entsenden.

In Afghanistan war der jüngste Anstieg der Anschläge nach Angaben der Ministerin zu erwarten. Kurz vor dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes testeten die radikalislamischen Taliban die Stärke der einheimischen Sicherheitskräfte aus, zielten aber vor allem auch auf Zivilisten, sagte sie. Die Afghanen seien jedoch entschlossen, die Sicherheitslage stabil zu halten. Bei einem Anschlag auf ein französisches Kulturzentrum in der Hauptstadt Kabul war ein Deutscher getötet worden.

Ende des Kampfeinsatzes nach 13 Jahren

Der Kampfeinsatz der Nato-Truppe Isaf endet zum Jahreswechsel nach 13 Jahren. Er wird abgelöst durch eine Beratungs- und Ausbildungsmission namens "Resolute Support" (Entschlossene Unterstützung), für die nur noch 12.000 ausländische Soldaten am Hindukusch bleiben sollen, unter ihnen knapp 9000 Amerikaner und bis zu 850 Deutsche. Der Bundestag entscheidet über das Mandat dafür.

Zum Höhepunkt des Einsatzes 2011 waren insgesamt 140.000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert, darunter bis zu 5200 Deutsche. Derzeit sind noch knapp 1300 Bundeswehr-Soldaten vor Ort. Etwa 70 deutsche Soldaten sollen künftig als Berater zum Einsatz kommen - ein Teil von ihnen im Hauptquartier der afghanischen Armee im Norden des Landes, im Camp Schahin bei Masar-i-Scharif, der Rest beim Verteidigungsministerium in Kabul. Die übrigen steuern als Mitarbeiter in den Stäben in Masar und Kabul den Einsatz und halten den Betrieb des Lagers im Norden aufrecht.

Seit Beginn des Einsatzes Ende 2001 sind 55 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Um einen Rückfall des Landes in die Gewalt zu verhindern, hat Deutschland Afghanistan neben dem Militäreinsatz bis mindestens 2016 pro Jahr 430 Millionen Euro an Hilfsgeldern zugesagt. Deutschland ist damit drittgrößter Geber nach den USA und Japan.

yps/Reuters Reuters

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