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Internationale Pressestimmen

US-Strafzölle: "Wer selbst im Zollhaus sitzt, sollte Freunde nicht mit Vorwürfen bewerfen!"

Die USA machen ernst und brummen der EU, Kanada und Mexiko Strafzölle auf. Die Presse ist sich (fast) einig: Aus Trumps Prämisse "America first" könnte "America alone" werden. Doch auch die EU habe Fehler gemacht.

Internationale Pressestimmen zu den Strafzöllen der USA

Stehen die USA um Präsident Donald Trump (Archivbild) nach den Strafzöllen bald alleine da?

AFP

Nach zwei Schonfristen macht Donald Trump im Handelskonflikt mit Europa ernst: Die USA verhängen Strafzölle auf die Einfuhr von Stahl und Aluminium aus der Europäischen Union sowie aus Mexiko und Kanada. Trump veröffentlichte am Donnerstag eine entsprechende Proklamation. Die Zölle gelten ab Freitag, 1. Juni, 0.00 Uhr (Ortszeit US-Ostküste). Die EU wird darauf mit Vergeltungszöllen reagieren. Auch Mexiko und Kanada haben Gegenmaßnahmen angekündigt.

Wird aus dem Handelsstreit nun ein Handelskrieg? Zumindest in einer Hinsicht scheint sich die internationale Presse (fast) einig: Aus Trumps Prämisse "America first" könnte nun "America alone" werden. Das Presseecho.

Österreich

"Die Presse": "Bei der ganzen Sache handelt es sich um einen wirtschaftspolitischen Sturm im Wasserglas. Die EU-Länder liefern pro Jahr Aluminium und Stahl im Wert von fünf Milliarden Euro in die USA. Das sind Spurenelemente in der Handelsstatistik. Die Anhebung der Zölle auf Stahl- und Aluminium nun mit Gegensanktionen zu beantworten, etwa auf Orangensatz aus Florida oder Motorräder aus Wisconsin, würde wohl endgültig zu einer tatsächlich unangenehmen Zuspitzung des Handelskonflikts führen."

Schweiz

 "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ): "Mit ihrem ungestümen Vorgehen, den ständigen Drohgebärden und dem Verweis auf die nationale Sicherheit als Begründung für den Schutz der einheimischen Industrie haben die Vereinigten Staaten einen Prozess angestossen, dessen Folgen für das Handelssystem noch gar nicht absehbar sind. Und das in einer Zeit, in der Washington eigentlich dringend auf die Unterstützung der Europäischen Union und anderer Alliierter angewiesen ist, wenn dem strategischen Rivalen China tatsächlich die Stirn geboten werden soll. Donald Trumps Wahlspruch 'America first' verkommt immer mehr zu 'America alone' - in einer globalisierten Wirtschaft mit zunehmend grenzüberschreitenden Wertschöpfungsketten werden die Vereinigten Staaten zurückfallen, wenn sie immer mehr Mauern um sich herum hochziehen."

Großbritannien

"Times": "Über diese Politik lässt sich nichts Gutes sagen. Sie wird den Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren drei größten Handelspartnern Schaden zufügen, aber auch der amerikanischen Wirtschaft, weil dadurch die Preise für Importe steigen werden. Hinsichtlich der Schaffung von Jobs in Amerika und der Reduzierung des amerikanischen Handelsbilanzdefizits wird der Effekt zugleich insgesamt ungefähr bei Null liegen. Alles, was damit erreicht wird, ist, dass das Handelsvolumen nach unten gedrückt und die Spannungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen geschürt werden." 

Deutschland

"Die Welt": "Die US-Regierung hat nun angekündigt, die Ausnahmen für Lieferungen aus der EU auslaufen zu lassen. Nun wird es Zeit für einen Strategiewechsel. Für Plan D sozusagen. Und dazu gehört mehr, als nur Vergeltungszölle zu erheben (die ja auch Europas Verbrauchern schaden). Berlin und Brüssel täten gut daran, zu den bewährten Prinzipien der multilateralen Handelsordnung zurückzukehren. Ein solcher Plan D hieße, die Appeasementpolitik aufzugeben - und zugleich dem Rest der Welt glaubhaft zu signalisieren, dass Europas Häfen offen bleiben. Egal, wer gerade im Weißen Haus regiert. "

 "Spiegel Online": "Was für ein Zufall: Donald Trump ist dabei, mit seinen neuen Handelszöllen und mit seiner Iran-Politik das westliche Bündnis zu sprengen. Und just in der kommenden Woche soll in Kanada das G-7-Treffen beginnen. (...) Üblicherweise sind G-7-Treffen dazu da, den Zusammenhalt des Westens zu demonstrieren. (...) Es wäre an der Zeit, diese Heuchelei zu beenden. Denn Donald Trump zeigt mit seiner Handelspolitik und mit seiner Iran-Entscheidung, dass ihm das westliche Bündnis herzlich egal ist."

"Bild": "Bevor wir mit dem Finger auf US-Präsident Trump zeigen, sollten wir uns erst einmal selbst ehrlich machen: Auch wir Europäer schützen unsere Märkte mit Strafzöllen. Und das nicht zu knapp. (...) Drum: Wer selbst im Zollhaus sitzt, sollte Freunde nicht mit Vorwürfen bewerfen!"

"Frankfurter Allgemeine Zeitung": "Trump zehrt jeglichen guten Willen auf, den seine Vorgänger in der EU und anderswo aufgebaut haben. Das kann sich rächen. Die Liste der Länder, die auf Gegenmaßnahmen sinnen, ist lang. (...) Die EU hätte die Schutzzölle womöglich abwenden können, wenn sie nachgegeben hätte und ihrerseits Zölle auf amerikanische Einfuhren gesenkt hätte. Es hätte sich gelohnt, darüber zu verhandeln, aber nicht mit der Pistole auf der Brust. In dieser Hinsicht ist den europäischen Verhandlungsführern beizupflichten. Grobiane zähmt man nicht, indem man ihnen nachgibt."

"Süddeutsche Zeitung": "Handel muss der Menschheit dienen, er unterliegt demokratischen Regeln, muss allen Beteiligten zum Vorteil gereichen und fair ablaufen. Hier liegt durchaus einiges im Argen, und es ist gut, dass Trump in seiner trampeligen Art darauf hinweist. Das Problem des Präsidenten ist jedoch wie so oft, dass seine Gegenstrategie die Sache nicht verbessert, sondern noch verschlimmert: Statt dafür zu sorgen, dass sich alle an die Welthandelsregeln halten, ersetzt er die Stärke des Rechts durch das Recht des Stärkeren."

Frankreich

"Le Figaro": "Was auch immer man von Trumps Weltbild hält - nicht alles ist daran falsch. Die Art, wie der freie Handel in den vergangenen Jahren praktiziert wurde, hat die Globalisierung auf die schiefe Bahn gebracht. Viele Menschen konnten zwar der Armut entkommen und Bildung erlangen; andere erlitten aber einen schmerzhaften Abstieg. Viele wählten Trump, um beschützt zu werden. Was Trump und seine Mitstreiter ihnen nicht sagen: dass der Protektionismus eine Illusion ist. Die Schließung von Grenzen und die Zölle tragen nur noch mehr zu ihrer Misere bei."

Belgien

"De Tijd": "Als erstes muss das Signal gesendet werden, dass wir uns nicht unterbuttern lassen. Die Gegensanktionen dafür sind vorbereitet. Die EU versucht Trump politisch zu treffen, indem sie in den US-Bundesstaaten Gebühren erheben will, in den prominente republikanische Politiker im November wiedergewählt werden wollen - beispielsweise auf Jeans und Bourbon-Whiskey. Zweitens sollte das Signal aber auch nicht so hart sein, dass die Situation eskaliert und ein echter Handelskrieg ausbricht, der schweren ökonomischen Schaden anrichtet. Drittens muss die EU auf eventuelle Dominoeffekte achten. Übersubventionierte chinesische Staatsbetriebe, die ihren Stahl nicht mehr in den USA loswerden, dürften versuchen, den europäischen Markt zu überschwemmen und gesunde - nicht subventionierte - europäische Betriebe kaputtzumachen. Das müssen wir vermeiden." 

Sehen Sie im Video, wie Kanada und Mexiko auf die Strafzölle reagieren wollen.  

fs / DPA / AFP