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Syrischer Bürgerkrieg Deshalb ist Wladimir Putin plötzlich wieder wichtig


Vor Kurzem war der russische Präsident noch eine unerwünschte Person, nun ist Wladimir Putin wieder ein gefragter Gesprächspartner, auch für Barack Obama. Warum am Kreml-Chef kein Weg vorbeiführt. 
Von Niels Kruse

Die Ohrfeige vom März vergangenen Jahres dürfte Wladimir Putin dem US-Präsidenten noch lange nachtragen: Kurz nach dem Russland die Krim von der Ukraine abgespalten hatte, demütigte Barack Obama das größte Land der Welt mit den Worten: Russland sei nur eine Regionalmacht. Zudem eine, die aus einer Position der Schwäche heraus agiere. Was Obama mit seiner Lästerei sagen wollte war: Wir können sehr gut ohne Moskau. Was folgte waren Sanktionen, der Ausschluss Russlands vom wichtigsten Kaminabend der Welt, dem G8-Treffen, kurzum die Degradierung von Wladimir Putin zur unerwünschten Person.

Jetzt, anderthalb Jahre später, ist er wieder da auf der großen Bühne und fast hat es den Anschein, als sei er nicht nur wieder gesellschaftsfähig, sondern als sei er sogar äußerst willkommen. Dabei war der russische Präsident natürlich nie weg, er wurde zwar wegen der Krim-Intervention und dem mehr oder weniger offenen Krieg in der Ostukraine in die Schämecke gestellt. Auf anderer Ebene aber war die einstige Weltmacht durchaus ein geschätzter und vor allem unumgänglicher Verhandlungs- und Gesprächspartner. Ohne Russland und seinen Einfluss auf den Iran wäre das historische Atomabkommen mit dem Mullah-Regime nie zustande gekommen.

Nur Putin hat Einfluss auf Assad

Und jetzt: Syrien. Der endlose Bürgerkrieg mit seinen Hunderttausenden von Toten. Mit zahllosen Flüchtlingen, die in die Nachbarländer und nach Europa fliehen. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht und vor allem keine, die ohne den Kreml denkbar wäre. Denn Russland und Syrien sind seit mehr als 60 Jahren enge Verbündete. Putin war es, der die zeitweilig darniederliegenden Beziehungen wieder aufgefrischt hat und Putin ist es, der wohl wie kaum ein anderer noch Einfluss auf die Assads, die Herrscherfamilie Syriens, oder dem, was davon übrig ist, ausüben kann. Und ohne Baschar al Assad wird es keinen Frieden geben - ob er nun sofort aufgibt, wie es der Westen will oder noch im Amt bleiben darf, wie es Russland und der Iran wollen.

Von den mehr als 300.000 Bürgerkriegstoten, geht der überwiegende Teil auf das Konto seines Regimes. Mit Fassbomben und chemischen Waffen bekämpft er unerbittlich seine Gegner, ganz unabhängig davon, ob sie ihn selbst oder den gemeinsamen Feind, die Dschihadisten des Islamischen Staats (IS), im Visier haben. Nur Assad ist derjenige, der das ganz große Morden beenden kann und nur Putin ist derjenige, der ihn dazu bewegen kann, dies auch zu tun. Zumal der russische Präsident genau wie die USA; Europa und im Grunde die ganze Welt, den Islamischen Staat aus der Region vertreiben will. Auch er fürchtet, dass die radikalen Schlächter irgendwann in sein Reich einsickern und ihm vom instabilen und überwiegend muslimischen Nordkaukasus aus die Hölle heiß machen.

Einladung an den Westen

Also schafft Putin direkt vor Ort Fakten und stationiert seit zwei Wochen Kampfflieger sowie rund 2000 Soldaten im russischen Militärstützpunkt an der syrischen Mittelmeerküste. Dazu lädt er den Westen ein, mit ihm zusammen gegen die IS vorzugehen - ein Angebot, dass die US-Koalition eigentlich nicht ablehnen kann, wenn sie es ernst meint, die islamistischen Kämpfer aus der Region zu vertreiben. Der Kreml-Chef hat es geschafft, weitgehend unbehelligt von "lästigen" Diskussionen in der Heimat, sich so geschickt im aktuellen Brennpunkt zu positionieren, dass niemand mehr an ihm vorbeikommt.


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