HOME
Glosse

"Großes Immobiliengeschäft": Was kostet Grönland und auf was muss Trump sonst noch beim Kauf einer Insel achten?

Im Wesentlichen wäre es ein "großes Immobiliengeschäft" sagt Donald Trump über die Idee eines Kaufs von Grönland. So kann man es sehen. stern.de hat durchgerechnet, was die größte Insel der Welt kosten würde – und was sonst noch zu beachten ist.

Ein Screenshot zeigt den Tweet von Trump: "Ich verspreche das hier nicht Grönland anzutun"

Ein Screenshot zeigt den Tweet von Trump: "Ich verspreche das hier nicht Grönland anzutun"

Donald Trump, Selbstvermarkter und mächtigster Mann der Welt, spielt mit den Gedanken, Grönland zu kaufen. Nicht für sich, natürlich, sondern für das Land, dem er vorsteht: die USA. Früher hätte ein Staatschef einfach seine Soldaten losgeschickt und sich das begehrte Stück von Kuchen genommen.

Praktischer Nebeneffekt: Feldzüge waren auch noch enorm prestigeträchtig. Doch solche Ehrpusseligkeiten interessieren einen Donald Trump nicht, er ist schließlich nicht Julius Cäsar, sondern nur ein Immobilienhändler von der 5th Avenue, New York.

Für den Preis von Alaska wird Grönland nicht zu haben sein

Geschäftsleute aus diesem Teil der Welt pflegen üblicherweise einen zivilisierten Umgang miteinander, sie duellieren sich mit Scheckheften statt mit Schwertern. Das allerdings wirft bereits die erste Unbekannte auf: Wie teuer mag Grönland wohl sein? Die popeligen 4 Dollar 70, die die USA einst für den Alaska-Quadratmeter an Russland bezahlt haben, werden nicht reichen. In seiner Heimatstadt war Donald Trump einst bekannt dafür, völlig überhöhte Preise für Immobilien zu bezahlen, ein Umstand, der die Dänen vielleicht doch noch davon überzeugen könnte, ihre Meinung bezüglich eines Verkaufs zu ändern.

Trump

Denn im Grunde kann es dem US-Präsidenten egal sein, wie hoch der Preis ist: Er ist selbsternannter "König der Schulden", er hat das US-Staatsdefizit auf neue Rekordhöhen getrieben, gleichzeitig sitzt er an den Druckmaschinen für die wichtigste Währung der Welt, dem US-Dollar. Was kostet also die Welt. Muss er nur Noch-Besitzer Dänemark nur dazu kriegen, ein Preisschild auf die größte Insel der Welt zu kleben.

Checkliste: Können Sie mit einer Insel umgehen?

Doch Augen auf beim Insel-Kauf. Niemand sollte übereilt zugreifen, denn so weiß schon der größte Insel-Händler der Welt: "Das Paradies wird niemand auf Erden finden, man wird immer Kompromisse eingehen müssen", heißt es bei Vladi-Privat-Islands aus Hamburg. Die Firma, seit fast 50 Jahren im Geschäft, gibt Interessenten eine Checkliste an die Hand, mit deren Hilfe Suchende herausfinden sollen, ob sie a) wirklich eine Insel brauchen und b) damit überhaupt umgehen können. Der stern geht sie einmal durch:

  • Wem gehört die Insel? Nur eindeutige Eigentumsverhältnisse sind akzeptabel.

Da fängt das Problem schon an. Grönland ist zwar weitgehend selbstverwaltet, gehört aber offiziell zu Dänemark. Daneben gibt es zarte Unabhängigkeitsbestrebungen, und zudem tobt seit Jahrzehnten der "Schnapskrieg" zwischen Dänemark und Kanada um die rund ein Quadratkilometer große, völlig unbemooste Hans-Insel im Norden Grönlands. Sollten die USA Grönland kaufen, hätten sie plötzlich einen Konflikt mit dem Nachbarn an der Backe.

  • Medizinische Hilfe sollte innerhalb eines 90-Minuten-Radius verfügbar sein.

Check! Allerdings gibt es dort ein staatliches Gesundheitswesen, was Donald Trump ein Dorn im Auge sein dürfte.

  • Können Sie mit der heimischen Tierwelt leben?

Check! Robben, Walrösser, Wale und Schafe riechen vielleicht nicht gut, kennt der US-Präsident aber schon aus seiner Heimat.

  • Ist es erlaubt, auf der Insel Immobilien nach ihren Wünschen zu erwerben und/oder zu bauen?

Check! Auch wenn Donald Trump dem Bau des wohl spektakulärsten Gebäudes bereits eine Absage erteilt hat:

  • Insel-Umgebung: Nachbarschaft, Annehmlichkeiten, aber auch Kriminalitätsrate

Schwierig. Grönland ist (noch) zum allergrößten Teil mit Eis bedeckt. Gleichzeitig aber gibt regelmäßig Nordlichter zu sehen und, wie erwähnt, Wale. Heikler dagegen die Sache mit dem Miteinander: Geklaut wird nicht so viel, doch die Menschen töten sich ungewöhnlich häufig selbst, viele Grönländer trinken zu viel und die Schulbildung ist auch nicht gut.

  • Infrastruktur, wie Wasserzugang, Elektrizität und Internet

Check! Besonderes Gimmick: In Uummannaq steht das Haus des Weihnachtsmanns – für Melania Trump zum Schmücken.

  • Erreichbarkeit der Insel

Check! Es gibt ein halbes Dutzend Flughäfen.

  • Insel-Wertigkeit

Double-check! Zink, Erdöl und Erdgas in rauen Mengen. Da wird es Donald Trump verschmerzen können, dass seine geliebte Kohle nicht (oder noch nicht) entdeckt wurde.

  • Machen Sie sich vertraut mit dem Wetter, den klimatischen Verhältnissen sowie Bäume und Pflanzen

Dem US-Präsidenten, der gerne mal nach Florida ausweicht, dürfte die nicht enden wollende Dunkelheit im nicht enden wollenden Winter nicht so zusagen. Auch für Golfplätze taugen Wetter und Klima auf Grönland nur bedingt. Dafür stimmen die Aussichten: die Erderwärmung befreit langsam aber sicher die Insel vom ewigen Eis.

Ergebnis: Daumen rauf für den Grönland-Kauf

Fazit: Vladi-Private-Island empfiehlt den Kauf eines Eilandes erst dann, wenn mindestens 10 von 18 zu vergebenen Punkten (zwei pro Checkpunkt) erreicht sind – in diesem Fall sind es sogar 14. Nach gewissenhafter stern-Prüfung wäre Grönland also wärmstens zum Kauf zu empfehlen. Cool, oder?

Bleibt also die Frage nach dem Preis. Die Insel-Firma hat derzeit rund ein Dutzend halbwegs vergleichbarer Atlantik-Inseln im Angebot. Durchschnittlicher Quadratmeterpreis: 194.000 Euro. Für Grönland ergäbe das eine Summe von 420 Billionen Euro. Das entspricht ungefähr dem einhundertfachen des aktuellen US-Haushalts. Oder wie Trump dazu sagt: "Im Wesentlichen ein großes Immobiliengeschäft".