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Manöver Zapad 2017: Putin macht den Alptraum der Nato wahr

Russland und Weißrussland veranstalten ein Militär-Manöver – diese gemeinsame Operation erinnert die Nato schmerzlich daran, wie verletzlich ihre Achillesferse im Osten ist. Und das auch, obwohl die eingesetzten 13.000 Mann keine echte Gefahr darstellen.

Ein T-90 Panzer auf einer Demonstrationsveranstaltung in der Nähe von Moskau.

Ein T-90 Panzer auf einer Demonstrationsveranstaltung in der Nähe von Moskau.

Die Nato hat sich seit Krim- und Ukraine-Krise an Kriegsspiele an Russlands Grenzen gewöhnt, inklusive provokanter Paraden direkt vor dem Grenzzaun. In diesem Herbst spielt Putin Krieg direkt vor der Grenze von Nato-Staaten und dieses Mal spielt Lukaschenko, der weißrussische Diktator, zusammen mit ihm.

Gemeinsam veranstalten sie die Übung Zapad 2017. Für die Nato ist dieses Manöver eine unangenehme Erinnerung. Sie findet nicht im Fernen Osten statt, sondern auf einem Gebiet weit westlicher als selbst Russland reicht – auf dem Territorium Weißrusslands. Käme es zum Ernstfall, würde das Manöver den sogenannten Suwalki-Gap bedrohen. Das ist der schmale Landkorridor zwischen Polen und Litauen. Er müsste im Ernstfall gehalten werden, sonst ginge das Baltikum verloren. Zum Meer hin grenzt die russische Enklave Kaliningrad an die Lücke – an der anderen Seite liegt Weißrussland. Arbeiten Weißrussland und Russland zusammen, wird die Lage für die Nato-Planer bedrohlich. Experten gehen davon aus, dass die Lücke im Ernstfall nicht zu verteidigen wäre. Das ist eine unangenehme Wahrheit, denn sie besagt nichts anderes, als dass auch das gesamte Baltikum fallen würde.

Erinnerung an die Macht Moskaus

Die Übung Zapad 2017 erinnert an diese strategische Möglichkeit Russlands.  Bei der Übung in Weißrussland nutzt der Kreml seinen einzigen Verbündeten westlich der russischen Grenze aus. Der Alptraum der Nato: Bei einem Schlag schwerer motorisierter Kräfte würde die schmale Lücke geschlossen, der Hauptstoß würde aber durch Polen nach Westen zielen. Die Nato müsste zunächst ihn abwehren, die baltischen Staaten wären zweitrangig.

Befürchtungen hier könne der Kreml-Herrscher, wo seine Panzer schon einmal rollen, nebenbei das Baltikum einnehmen, beruhen entweder auf Hysterie oder sie dienen dem eigenen PR-Interesse. An der angekündigten Übung sollen etwa 13.000 Soldaten teilnehmen. An der Übung "Saber Strike 17" zur Verteidigung der Lücke nahmen vor kurzem etwa 11.000 Nato-Soldaten teil.

Den größeren Teil der Truppen stellt Weißrussland. Vor 5000 russischen Soldaten muss sich niemand fürchten. In der "New York Times" wurden allerdings Gerüchte veröffentlicht, dass über 100.000 Mann an Zapad 2017 teilnehmen könnten  – das wäre in der Tat eine eindrucksvolle und bedrohliche Machtdemonstration. Wenn es dazu kommt.

Realistischer als diese Zahlenphantasie ist die Befürchtung, die Zusammenarbeit zwischen Weißrussland und Moskau könne irgendwann zu einer ständigen russischen Militärpräsenz in dem Gebiet führen. Dann könnte Moskau Luftabwehrsysteme, Iskander-Raketen und Panzer weit nach Westen schieben und Kaliningrad wäre kein abgeschnittener Vorposten mehr.

Aufbau einer Garde Panzerarmee

Für den Westen stellt das Manöver also eine unangenehme Option dar. Zumal diese von Jahr zu Jahr bedrohlicher wird. Die stärkste russische Einheit in der Region nordwestlich von Moskau ist noch im Aufbau. Die 1. Garde Panzerarmee wurde nach historischem Vorbild wieder aufgestellt und wird derzeit nach und nach aufgefüllt. Diese Armee wurde nicht für unübersichtliche Kriege wie in Afghanistan oder Syrien aufgebaut, sie ist für den klassischen großen Krieg mit gewaltigen Schlachten und der schnellen Bewegung motorisierter Kräfte gedacht. Sie sei der "Hammer, der jede Verteidigung zerschlägt" – so dichteten russische Medien. Die Divisionen dieser Einheit sollen als erstes mit dem T-14 und anderen gepanzerten Fahrzeugen der Armata-Plattform ausgerüstet werden.