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Dänische Kurden-Kämpferin: "IS-Kämpfer sind ganz einfach zu töten"

Joanna Palani kämpfte ein Jahr lang an der Seite der Kurden in Syrien. Sie eroberte ein Dorf in der Nähe von Mossul und sah Kameraden und unschuldige Mädchen an ihrer Seite sterben. Zurück in Dänemark berichtete sie von ihrem Einsatz.

Freiwillige Kämpferinnen sind die Aushängeschilder der kurdischen Kämpfer

Freiwillige Kämpferinnen sind die Aushängeschilder der kurdischen Kämpfer

IS Kämpfer seien kinderleicht zu töten, sagte Joanna Palani nach einem Jahr Kampferfahrung in Syrien, ganz anders als Assads Truppen, die sie "professionelle Tötungsmaschinen" nennt.

Palani verließ Dänemark im November 2014 um sich den kurdischen "Volksverteidigungseinheiten" YPG und danach den vom Westen unterstützten Peschmerga anzuschließen. Bei ihrer Abreise sagte sie: "Die Kurden kämpfen auch für die Demokratie. Wenn ich gefangen oder getötet werde, werde ich stolz darauf sein, wofür ich gekämpft habe."

Dazu kam es nicht, Palani gehört zu den wenigen überlebenden Freiwilligen aus Europa, die auch tatsächlich an Kämpfen teilgenommen haben. Der Seite "Broadly" gab sie ein Interview nach ihrer Rückkehr: "Zuerst habe ich das alles nicht richtig ernst genommen. Aber nach dem ersten Angriff änderte sich das, danach nahm ich es todernst."

Schock im ersten Einsatz

In ihrem ersten Einsatz ging sie mit einem schwedischen Freiwilligen auf Patrouille. "Ich habe ihm gesagt, dass er nicht rauchen sollte - aber er hat nicht auf mich gehört." Ein Fehler, den er mit seinem Leben bezahlte. Ein Scharfschütze entdeckte die Glut und tötete ihn direkt neben Palani.

Zu ihren Gegnern sagte sie : "IS-Kämpfer sind einfach zu töten. Sie sind gut darin, ihr eigenes Leben zu opfern, aber Assads Soldaten sind sehr gut ausgebildet. Das sind professionelle Tötungsmaschinen."

Kämpferische Familientradition

In Syrien entdeckte sie ihr Talent zu schießen und - fast wichtiger - sich lange Zeit still zu verhalten. Eigenschaften, die ihr in diesem Krieg der Scharfschützen halfen, zu überleben.

Palanis Familie ist den Kampf gewöhnt. Sie stammt aus einer Familie von Peshmerga-Kämpfern. Joanna wurde in einem iranischen Flüchtlingslager geboren, bevor die Familie nach Dänemark emigrierte. Als ihr Einsatz begann, erklärte sie ihre Motivation. "Sollte Dänemark jemals angegriffen werden, würde ich mit dem Dannebrog um den Schultern kämpfen. Aber ich habe eine kurdische Familie und jetzt werden die Kurden angegriffen."

Zu Tode gequälte Kinder

Gegen Ende ihres Einsatzes befreite ihr Bataillon ein Dorf in der Nähe von Mossul, das vom IS besetzt worden war. Dort stießen sie auf Mädchen, die in einem Haus als Sklavinnen gehalten wurden. "Alle Mädchen waren unter 16 - manchen waren sehr jung." Eines der Mädchen brachte Palani in ein Krankenhaus. "Sie war eine syrische Christin und starb, als ich ihre Hand hielt. Sie war elf Jahre alt und schwanger mit Zwillingen. Ihr kleines Gesicht war ganz angeschwollen. Es war einfach nicht richtig, dass so etwas geschehen konnte."

Enttäuscht von der Regierung in Dänemark

Trotz ihrer durchaus kriegerischen Gesinnung sieht sich Joanna Palani als Europäerin und Dänin.

Trotz ihrer durchaus kriegerischen Gesinnung sieht sich Joanna Palani als Europäerin und Dänin.

Palani wollte ihre Familie in Kopenhagen nur ein paar Tage besuchen, doch die dänische Regierung hindert sie daran, wieder ins Kampfgebiet zu reisen. Der Anlass sind ausgerechnet die Gesetze gegen den IS-Terror. "Kehre ich nach Syrien zurück, müsste ich vielleicht sechs Jahre ins Gefängnis." Damit habe die Regierung sie in eine schlimme Lage gebracht, klagt sie in dem Interview. Sie wird jetzt in Kopenhagen weiter studieren. "Aber da sind diese kleinen Mädchen, das kann ich nicht vergessen." Dauerhaft leben wolle sie als europäische Frau nicht in der Region. Aber sie will die Menschen auch nicht im Stich lassen.

Auf die dänische Regierung, die offiziell den Kampf gegen den IS unterstützt, ist die dänische Kurdin zornig. "Ich würde mein Leben für Europa geben, für unsere Demokratie, für die Freiheit und für die Rechte der Frauen. Ich fühle mich betrogen von denen (der Regierung, Anm. der Redaktion), für die ich alles opfern würde."

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