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Offener Brief: "Lifeline"-Aktivisten fordern von Seehofer: "Wir erwarten, dass Sie mitkommen"

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich dafür ausgesprochen, das Rettungsschiff "Lifeline" festzusetzen. Flüchtlinge möchte er nicht aufnehmen. Darauf reagieren die Aktivisten mit einem Offenen Brief.

Seit Tagen schwelt der Konflikt um das im Mittelmeer dümpelnde Rettungsschiff "Lifeline". Nach einer tagelangen Hängepartie hat das Schiff am Mittwoch einen Hafen auf Malta angelaufen. Was mit den mehr als 230 libyschen Flüchtlingen an Bord geschehen soll, ist weiterhin unklar. Bisher haben sich acht EU-Staaten bereit erklärt, Menschen von der "Lifeline" aufzunehmen. 

Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte sich am Mittwochabend im Bundestag zunächst gegen die Aufnahme von "Lifeline"-Migranten in Deutschland ausgesprochen. Er sehe "nach momentanem Stand keine Handlungsnotwendigkeit für Deutschland", sagte der CSU-Politiker. Nun haben sich die Aktivisten der "Mission Lifeline" mit einem Offenen Brief an Seehofer gewandt. 

Flüchtlingshelfer wenden sich mit Offenem Brief an Seehofer

Darin laden sie Seehofer dazu ein, an einer Rettungsmission im Mittelmeer teilzunehmen. "Wir laden Sie ein, sich anzuschauen, wie verzweifelt die Menschen sind, die wir retten und wie sich die Leere anfühlt, wenn Menschen sterben, weil niemand mehr helfen kann", heißt es in dem auf der Internetseite der Aktivisten veröffentlichen Text. "Wir erwarten, dass Sie mitkommen. Wir erwarten, dass Sie sich der Realität stellen." 

In dem Brief schildern die Mitglieder der Rettungsmission die Lage der Flüchtlinge aus ihrer Sicht und Erfahrung. Es handele sich um Menschen, die "gefoltert und versklavt und vergewaltigt werden", für die ein Schlauchboot "der einzige Weg" sei, selbst wenn sie nicht schwimmen könnten. 

"Stellen Sie sich den Kampf gegen das Wasser vor, das langsam aber sicher ihre Lungen füllt, bis sie ertrinken. Stellen Sie sich vor, dass Sie fordern, dass diesen Menschen nicht geholfen wird", wenden sie sich in dem emotionalen Schreiben direkt an den Innenminister. 

Kapitän der "Lifeline" von der Polizei befragt

Seehofer hatte als Bedingung für die Aufnahme von "Lifeline"-Flüchtlingen unter anderem gefordert, das Schiff festzusetzen und strafrechtliche Ermittlungen aufzunehmen. Auch darauf gehen die Flüchtlingshelfer in ihrem Brief ein: "Welcher Strafbestand soll uns vorgeworfen werden? Ist es Ihrer Meinung nach ein Verbrechen, Menschen aus Lebensgefahr zu retten?" Man sei gerne bereit, auch vor Gericht Rede und Antwort zu stehen, erwarte aber auch von Seehofer, dass er sich seiner Verantwortung stelle: "Wir retten Menschen. Wen retten Sie?" 

Nach der Ankunft im Hafen von Malta wurde der deutsche Kapitän bereits von der Polizei befragt. Ihm wird vorgeworfen, die Anweisungen der italienischen Behörden bei der Rettung der Migranten vor Libyen ignoriert zu haben. Die anderen Crewmitglieder sowie die Migranten durften die "Lifeline" nach ihrer sechstägigen Odyssee verlassen. Sechs Menschen, darunter drei Babys, kamen in ein Krankenhaus auf Malta.

epp mit DPA