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stern-Umfrage: Nur noch 40 Prozent glauben an Merkels "Wir schaffen das!"

War der Rückenwind für Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage vor wenigen Monaten noch stark, so dreht er sich nun: 57 Prozent der Deutschen sind anderer Meinung als die Kanzlerin. Ganz besonders vehement widersprechen die Anhänger der AfD und der CSU.

Flüchtlinge warten am 03.11.2015 im bayrischen Simbach am Inn auf der Innbrücke auf ihren Grenzübertritt.

Flüchtlinge warten am 03.11.2015 im bayrischen Simbach am Inn auf der Innbrücke auf ihren Grenzübertritt.

Ihren Satz, den sie Ende August zum ersten Mal aussprach, hat Kanzlerin Angela Merkel inzwischen mehrfach wiederholt: "Wir schaffen das!" Damit wollte sie Zuversicht verbreiten, als Hunderttausende Flüchtlinge ins Land strömten. Damals waren die meisten Deutschen tatsächlich noch zuversichtlich, viele begrüßten die Neuankömmlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan freundlich und hilfsbereit. Doch inzwischen ist Nüchternheit eingekehrt, gibt es Streit um den richtigen Kurs in der Flüchtlingskrise nicht nur zwischen den Unionsparteien CDU und CSU.

Zu viel versprochen

Heute meint eine Mehrheit von 57 Prozent aller Bundesbürger, dass Angela Merkel mit ihrer Einschätzung "Wir schaffen das!" zu viel versprochen habe. Dieser Auffassung sind nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des stern sogar 99 Prozent der Anhänger der AfD, aber auch 87 Prozent der Anhänger der bayerischen CSU.

Merkels Auffassung, dass wir das schaffen, teilen allerdings immer noch 40 Prozent der Deutschen, darunter 72 Prozent der Anhänger der Grünen, 52 Prozent der Sympathisanten der CDU und 48 Prozent der 18- bis 29-Jährigen.

70 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass zur Bewältigung der Flüchtlingskrise bislang noch nicht alles Erdenkliche getan wurde und wird, sondern noch mehr getan werden müsste. Auch hier schließen sich vor allem die Anhänger der AfD (96 Prozent) und der CSU (84 Prozent) an. Von denen, die meinen, dass noch mehr getan werden müsste, werden zuerst Maßnahmen wie eine bessere und schnellere Integration (21 Prozent), eine bessere Koordination der Hilfe (12 Prozent) und die Lösung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern (10 Prozent) genannt.

Kompetente Kommunen

Dass die Behörden auf Bundes- oder Landesebene am besten mit den Problemen in der Flüchtlingskrise fertig werden, glauben nur 14 beziehungsweise 13 Prozent. 46 Prozent trauen dagegen den kommunalen Behörden die größte Kompetenz zu. 17 Prozent – darunter 44 Prozent der Anhänger der AfD – sprechen jeder Behörde ab, mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise fertig zu werden.

Die große Mehrheit aller Deutschen, nämlich 85 Prozent, hält den Beitrag der freiwilligen Helfer zur Bewältigung der Probleme bei Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge für unbedingt erforderlich, nur 12 Prozent glauben, auch ohne die Arbeit der Ehrenamtlichen auszukommen. 

Transitzonen vs. Registrierzentren

Den Streit zwischen den Parteien der Großen Koalition um "Transitzonen" oder "Registrierzentren" konnten offenbar viele Bundesbürger nicht so ganz nachvollziehen. Über die Hälfte von ihnen (56 Prozent) gab an, den Unterschied zwischen "Transitzonen" und "Registrierzentren" nicht zu kennen. Am wenigsten informiert zeigten sich unter den Parteianhängern die der SPD (58 Prozent) und der CDU (56 Prozent). 44 Prozent der Deutschen sagten, dass sie über den Unterschied zwischen "Transitzonen" und "Registrierzonen" sehr wohl Bescheid wüssten – darunter 62 Prozent der Anhänger der CSU und 60 Prozent der Sympathisanten der AfD.

Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte am 12. und 13. November 2015 im Auftrag des Magazins stern 1003 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. An 100 Prozent fehlende Angaben: weiß nicht. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.