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Anti-G8-Demonstration: "Total Freedom" mit Wasserwerfern

"Kapitalismus wegtanzen", "Die Welt ist keine Ware" und "Total Freedom" forderten etwa 4000 Demonstrierende in Hamburg, wo sich die europäischen und asiatischen Außenminister treffen. Nach dem friedlichen Protesten eskalierte die Lage am Abend.

"Jetzt machen wir mal einen Kessel", ruft der schwarz gekleidete Teenie mit Kapuze und Sonnenbrille seinem Kumpel zu. "Nein, damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht", sagt der Angesprochene und pinkelt weiter an die Fleetbrücke. Die offizielle Demonstration aus Anlass des Asem-Gipfels, des Treffens der europäischen asiatischen Außenminister, ist zu Ende, und die meisten Teilnehmer kommen der Aufforderung der Polizei nach: Sie schlendern in Richtung Millerntorplatz.

Aus Sicht der Polizei war der Einsatz wenig spektakulär. Ein Sprecher berichtete von drei Festnahmen und zwei Personen, die in Gewahrsam genommen wurden. Alles sei friedlich verlaufen und im Grunde kaum der Rede wert. Zu diesem Frieden haben mindestens acht Wasserwerfer, drei Rollpanzer und etliche Polizeibeamte aus der ganzen Bundesrepublik beigetragen. Wie viele es genau waren, wurde aus "taktischen Gründen" nicht gesagt. Es müssen Tausende gewesen sein, und in den Seitenstraßen standen die, die von den Teenies als "Darth Vader"-Truppe bezeichnet werden. Schwarz gekleidete Beamte in starker Schutzausrüstung inklusive Mundschutz, Helm und Schlagstock.

"Ich lebe in einer Demokratie", stand während der Demo auf einem der vielen Plakate, oder "Den Zaun untergraben" mit einem Bild des Maulwurfs aus der Sendung mit der Maus. Weniger politische Transparente mit Aussagen wie "Fuck" gab es auch, waren aber die Ausnahme im Zug, der nicht nur vorne und hinten, sondern auch an den Seiten von Reihen aus Polizeibeamten begrenzt wurde. "Einschließende Begleitung" nennt das die Polizei, "Wanderkessel" die Demonstranten.

Der Demonstrationszug endete früher als geplant in der Hamburger Innenstadt. Weil die Veranstalter das so wollten, sagt eine Frau im 80er Jahre-Look und mit Dreadlocks, denn "dort sind wir dem Rathaus am nächsten." Direkt dort, wo sich die Außenminister trafen, so hatte das Bundesverfassungsgericht am Sonntag entschieden, durfte nicht protestiert werden.

Am Abend kamen die Wasserwerfer dann doch noch zum Einsatz: Im Schanzenviertel, leicht abseits der Demoroute, zum 1. Mai stets Schauplatz von gewaltsamen Mai-Ausschreitungen. Autonome und gewaltbereite Gipfelgegner haben Barrikaden aus Baumaterial und Gaststättenmobiliar errichtet und angezündet. Die Wasserwerfer waren nicht nur zum Löschen da.

Randale-Autonome aus dem Ausland

Insgesamt nahm die Polizei 24 Demonstranten fest, teilweise sollen sie auch aus dem Ausland angereist sein. Ihnen werden Landfriedensbruch, Angriffe auf Polizisten und die Herstellung von Molotow-Cocktails vorgeworfen. 64 weitere Menschen wurden in den so genannten Gewahrsam genommen. Zwei Beamte und zwei Demonstranten seien ernsthaft verletzt worden, heißt es und 150 Polizisten erlitten Augenreizungen, weil sie von Demonstranten offenbar mit Reizgas besprüht worden waren. Erst am Abend, gegen 21 Uhr, beruhigte sich die Lage, um Mitternacht waren auch die letzten brennenden Mülleimer ausgegangen oder gelöscht.

Die Veranstalter der Protestkundgebung haben die Polizei für die Eskalation verantwortlich gemacht. Ihrer Darstellung zufolge hatten die Beamten die Demonstranten nach Auflösung des Zuges nicht friedlich abziehen lassen. Dadurch sei die Stimmung unnötig aufgeheizt worden.

Christoph M. Schwarzer mit DPA