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Aufstand in Syrien Warum Russland Assad stützt


Mit einem klaren "Njet" stellt sich die UN-Vetomacht Russland im Syrienkonflikt gegen neue Sanktionen gegen das Regime von Präsident Assad. Doch warum ist Russland so stur?

Warum hält Russland am syrischen Präsidenten al-Assad fest?

Für Russland ist Assad in dem multiethnischen Land ein Pfeiler der Stabilität. Sollte der Staatschef gestürzt werden, fürchtet Moskau Anarchie. Islamisten könnten die Kontrolle in dem arabischen Land übernehmen, das sowohl an Israel als auch an den Irak grenzt. Als abschreckendes Beispiel nennt der Kreml stets Libyen - das Land kommt trotz des Todes von Diktator Muammar al-Gaddafi nicht zur Ruhe. Spätestens nach dem nächsten schweren Vorfall in Syrien könne Russland nicht mehr an Assad festhalten, sagt zwar der Politologe Fjodor Lukjanow. Doch auch in der Vergangenheit unterstützte Moskau, das seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu Damaskus unterhält, trotz blutiger Gewalt den Staatschef. Assad ist ein treuer Waffenkunde und genehmigt der russischen Marine ihren einzigen Stützpunkt am Mittelmeer.

Wieso blockiert Russland den Westen im Weltsicherheitsrat?

Russlands starker Mann Wladimir Putin will den größten Flächenstaat der Erde auf dem diplomatischem Parkett wieder als einflussreiche Großmacht etablieren. Tief sitzt der Stachel, dass der Westen den damaligen Kremlchef Dmitri Medwedew im Libyenkonflikt "austrickste" und das UN-Mandat für eine Flugverbotszone zu einer De-facto-Invasion nutzte. Es gelte, ein "libysches Szenario" zu verhindern, betont Moskau nun zu jeder Gelegenheit. Für die russische Außenpolitik ist Nichteinmischung in innere Angelegenheiten das höchste Prinzip. Gibt Russland dem Westen nach, wäre dies eine herbe Schlappe für Moskau.

Welche Ziele verfolgt Russland?

Zu dem Ansatz des UN-Sonderbeauftragten Kofi Annan gibt es nach Ansicht Moskaus derzeit keine Alternative. Sanktionen seien kontraproduktiv, heißt es. "Falls der Annan-Plan scheitert, dann wird es sehr schwer, weiter auf Initiativen, Verhandlungen und Dialog zu dringen", sagt Experte Lukjanow. Der Kreml betont stets, das syrische Volk müsse sein Schicksal selbst entscheiden - und weist zugleich darauf hin, dass die Mehrheit der Syrer weiter hinter Assad stehe. Ein Sieg der Rebellen ist nach Ansicht Moskaus ohnehin nicht möglich. "Selbst wenn die Opposition bis an die Zähne bewaffnet wäre, würde sie die syrische Armee nicht besiegen", sagt Außenminister Sergej Lawrow und warnt vor "jahrelangem Gemetzel".

Wie stehen die Chancen auf eine Einigung im Weltsicherheitsrat?

Bei ihren anstehenden Treffen mit Putin wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin und Frankreichs Präsident François Hollande in Paris jeweils an diesem Freitag und die EU-Spitzen in St. Petersburg am Montag versuchen, Russlands "Njet" zu einem Systemwechsel aufzuweichen. Eine Chance räumen ihnen Experten in Moskau allerdings nicht ein.

mcp/DPA DPA

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