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Berlin vertraulich!: Die Schwergewichte des Bundestages

Beck speckt im Bett sechs Kilo ab und Ulla Schmidt bringt sogar 25 Kilo weniger auf die Waage - im Regierungsviertel grassiert der Schlankheits-Wahn. Mit Spannung wird auch der nächste Auftritt von Christian Wulff erwartet: Nach der Osterpause trägt der Verlierer einer Wahl-Wette Vollbart.

Von Hans Peter Schütz

Mal keine Diäten-Debatte, sondern eine Diät-Debatte gönnte sich unlängst der Bundestag. Debattiert wurde über den "Aktionsplan Ernährung" von Landwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU), der ja bekanntlich auch für den Verbraucherschutz zuständig ist und sich seit längerem zusammen mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) großkoalitionär um den deutschen Leibesumfang kümmert. In der Debatte nörgelte Seehofers Parlamentarischer Staatssekretär Gerd Müller mit wägendem Blick ins Plenum: "Ich würde mal sagen: Gefühlte 80 Prozent der Kollegen sind übergewichtig." Das hänge damit zusammen, fügte der schlanke, drahtige Müller hinzu, "dass viele natürlich Schwergewichte sind." Seither grassiert im Regierungsviertel die Abspeckdiskussion: SPD-Chef Kurt Beck hat sich einer Nulldiät in Sachen SPD-Führung unterzogen und sechs Kilo im Bett abgeschwitzt. Der SPD-Sportpolitiker Peter Danckert macht auf echte Trennkost und Ulla Schmidt meldete stolz 25 Kilo Speck weniger. Weil die jedoch noch immer an seinem Leibesumfang herummäkelte, hungert Danckert jetzt über Ostern weiter, in einer Kurklinik in Überlingen am Bodensee. Mit dabei bei der Diät-Tour Danckerts: Umweltminister Sigmar Gabriel, der unbedingt nach Ostern ebenfalls dynamischer durch die Polit-Szene turnen will. Politisches Gewicht hat er ja bereits verloren: Weil er sich aus dem Urlaub auf Mallorca mal schnell mit einer Regierungsmaschine zur Kabinettssitzung in Berlin einfliegen ließ. Kostete schlappe 55.000 Euro und 44 Tonnen Kohlendioxid blies er dabei auch noch in die Luft.

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Weit mehr als Altersarmut, Gesundheitsfonds, Linkspartei beschäftigt die Berliner Politik immer noch das Thema Rauchverbot. Aus der Kehrtwende der CSU in Sachen Rauchverbot - im Bierzelt darf dieses Jahr noch geraucht werden - bastelte zum Beispiel der bayerische SPD-Landesgruppenchef im Bundestag, Florian Pronold, einen pfiffigen Angriff auf die politische Konkurrenz in Bayern: "Die Lockerung des Rauchverbots hätte die CSU im Transrapid beschließen sollen. Dann könnte sie weiterhin viel Rauch um Nichts machen, weil sie den Transrapid auch bald beerdigen muss. Andererseits muss sie mit Transrapid-Geschwindigkeit ihren Fraktionsvorsitzenden im Münchner Landtag, Georg Schmid, entsorgen, nachdem sie dessen harte Linie beim Rauchverbot aufgegeben hat."

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Die Attacke der SPD konnte natürlich Günther Beckstein bei einem Berlin-Besuch in der vergangenen Woche nicht unbeantwortet lassen. Gibt es eine Erklärung dafür, dass die CSU das Rauchverbot auch in Bierzelten fürs Münchner Oktoberfest dieses Jahr noch einmal außer Kraft gesetzt hat? Die Antwort "wegen der bayerischen Landtagswahl in diesem Herbst" ist falsch. Sagt jedenfalls Beckstein. Die Wahrheit hinter der politischen Kehrtwende der Bayern sieht so aus: Die Raucherräume in den Bierzelten auf dem Münchner Oktoberfest müssen in die derzeitigen Toilettenräume verlegt werden. Die Toiletten wiederum müssen deshalb zuerst unter die Erde verlegt werden, was bis zum Herbst nicht mehr zu schaffen sei. Dabei muss außerdem ein weiteres Problem gelöst werden, so Beckstein. Wegen des Lärms im vollen Bierzelten könne man dort seit langem nicht mehr mit dem Handy telefonieren. Also gehen die Gäste zum telefonieren aufs Örtchen. Daher muss bei den künftigen unterirdischen Toiletten auch noch für Handy-Empfang gesorgt werden. Nörgle also keiner, die Politiker wüssten nicht immer ganz genau, was sie tun.

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Nach Ostern wird die Republik einen ganz neuen Christian Wulff kennen lernen. Denn der niedersächsische Ministerpräsident hatte vor seiner Landtagswahl bei einem Berlin-Besuch gewettet, die Wahlbeteiligung werde in Niedersachsen nicht sinken. Tat sie doch, um zehn Punkte. Jetzt muss der Bart sprießen. Ob Wulff dann immer noch der Traum aller Schwiegermütter ist?

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Sitzt Ministerpräsident Günther Beckstein auf dem falschen Posten? In Berlin unlängst danach befragt, gab er Journalisten eine aufschlussreiche Antwort. Vor kurzem hätte er, so Bayerns Ex-Innenminister fröhlich, mit seinem alten Freund aus Innenministertagen, Otto Schily (SPD), telefoniert. Und dabei habe ihm Schily verraten: "Es war ein großer Fehler der Großen Koalition, dass sie mich nicht zum Außenminister gemacht hat und Sie nicht zum Bundesinnenminister." Wie man sieht, Schilys Selbstbewusstsein ist auch im vorgezogenen politischen Ruhestand unverändert hoch.

  • Hans Peter Schütz